29.01.2008

Anleitung zur aufrecht geheuchelten Zuversicht

Einstellung positiv jammern krankredenSie kennen das sicher: das Kollegenschwein im Büro steckt alle mit seiner destruktiven Haltung an, im Sport nimmt der unmotivierte Kamerad allen anderen die Motivation und gerade zu Wahlzeiten sehen wir wie sehr Menschen über ihr Schicksal in deutschsprachigen Landen jammern können obwohl sie den tausendfachen Lebensstandard haben verglichen mit Milliarden Menschen am Planeten anderswo denen es nicht so gut geht. Dabei wäre eine positive Einstellung mit etwas gutem Willen so einfach...

Gravitation von Mieselsucht
Wir wissen von folgender Metapher: schon der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Wurm auslachen. Und Schlecht & Schlecht gesellt sich gerne. Den Menschen in deutschsprachigen Landen geht es verglichen mit dem großen Rest der Welt materiell unglaublich gut, dennoch vergällen einem täglich Miesepeter und Selbstunzufriedene das Leben. So wie ein Partykiller reicht um eine ganze Gesellschaft in Trübsal zu stürzen und ein Troll um ein Forum zu kippen so reicht auch bereits ein destruktiver Verlierer aus um kollektiven Unmut zu genieren. Es gibt nicht nur eine Gravitation von Unrat, sondern auch eine von Mieselsucht.

Unzufriedenheit auf hohem Niveau
Klar fällt es auch den positivsten Menschen manchmal schwer demonstrativ Zuversicht und Gelassenheit zu zeigen, und es wäre ein Heiliger wer nicht zumindest manchmal auch Spuren kultivierten Selbstmitleids kennt. Dennoch sollte man sich stets vor Augen halten dass es immer noch jemanden gibt der in der Nahrungskette noch weiter unten ist bzw. die größere Ar***karte (den schwärzeren Peter) gezogen hat. Am Beispiel Kinder:

  • "Ich verzweifle weil mein Sprößling schlechte Noten nach Hause bringt."
    Nun, immerhin könnte Ihr Kind ja auch Drogen nehmen.
  • "Mein Kind nimmt bereits darüber hinaus Drogen."
    Ihr Kiffer könnte ja auch in einem politisch extremen Umfeld versumpfen.
  • "Von dort hat mein Kind ja die Drogen."
    Ihr kiffender Revoluzzer könnte ja auch Alkoholiker sein.
  • "Mein Kind säuft den Vater wenn dieser sich mal blicken lässt problemlos unter den Tisch."
    Ihr versoffenes kiffendes Demobalg könnte ja auch gewalttätig sein.
  • "Ich hab meinem Kind soeben frische Klamotten in den Knast gebracht."
    Ihre grundverdorbene faule Fruchtfolge hätte ja auch seine Eltern umnieten können. Vermutlich zurecht. Und wenn Sie darauf dagegenhalten flunkern Sie.

Reality check
Man kann mit einer positiven Lebenseinstellung ja wohl nur selbst mit gutem Beispiel voran gehen, von anderen darf man wohl nicht zuviel erwarten. Und sich nicht anstecken lassen. Es gibt genug Menschen unter uns die gefallen sich in ihrem eigenen Leben am besten in der ewigen Opferrolle: und die anderen sind immer schuld. Man wünscht sich insgeheim das Schicksal würde für diese Leute mal die Reality Check Karte ausspielen. Und zum Beispiel man würde Politiker ihre Gesetze bei einem 3wöchigen Spargelernteeinsatz höchstpersönlich ausbaden lassen, Klassenkämpfer müssten mal selber ein Unternehmen gründen und Arbeitsplätze schaffen, erwerbsunwillige gesunde Sozialhilfeempfänger mal in einem Land leben wo nur der zu essen hat der auch dafür arbeitet, Ausgebeutete sollten mal die Erfahrung der Selbstausbeutung machen. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Natur scheint es irgendwie vorgesehen zu haben dass wenn es Menschen zu gut geht sie nur mehr auf die harte Tour dazulernen können...

Und wenn Sie werte(r) Leser(in) zuletzt an Ihrer eigenen Rechtschreibung zweifelten wird die Lektüre unserer Artikel bei UNTERNEUNTUPFING Aktuell Ihnen sicherlich geholfen haben zu erkennen dass nach unten noch viel Luft ist...
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Anmerkung: dieser Artikel wurde inspiriert vom Think Positive Stöckchen bei Christians meinungsfreiheit.li (und da es somit auch ein Blogstöckchen ist mag es aufgreifen wer positiv genug ist damit etwas anzufangen)
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Weitere Artikel für ein besseres Miteinander (und zu Stöckchen):
Beschimpfen Sie Ihre Arbeitskollegen ausreichend!
Qi Dung - Meditation für Weggetretene
Nordic Blogging

(Bild: hofschlaeger / Pixelio / redaktionell und kommerziell)

15 Lesermeinungen:

Gaviota hat gesagt…

Dein Besipiel (Kinder) hat mich so sehr zum Lachen gebracht :-D...genial!
Ich glaube wir sind tatsächlich von zu viel Unzufriedenheit umgeben! Es wird irgendwie immer schwieriger den Menschen ein Lächeln rauszukitzeln, manche sehen aus als leiden sie unter Gesichtslähmung oder hätten sich Botox einspritzen lassen!
DU schaffst das aber immer wieder ;-) Danke dafür :-*

Rick hat gesagt…

Das mit dem Botox, liebe Gaviota, hat eine gewisse Ausbaufähigkeit *schmunzel*. In Österreich zB hat es mal eine Kampagne gegeben für Nichtraunzerzonen. Dummerweise mitinitiiert von einer Hälfte des gesetzlich institutionalisierten Klassenkampfs wodurch sich die andere Hälfte instinktiv geweigert hatte des Sinn der Kampagne zu begreifen. Hätte eine Awareness Kampagne sein sollen nicht alles krank zu jammern, heute schon wieder vergessen.
Aber in Zeiten von Piercings, Tattoos & Brustvergrößerungen müsste man vermutlich nur ein paar Vorzeigepromis dafür gewinnen sich ein Grinsen in die Visage implantieren zu lassen und schon machen es alle... ;)

dan hat gesagt…

Unsere Cervelat-Vorzeigepromis haben doch nichts mehr zu Lachen. Botox würd' es wohl noch verschlimmern und uns dadurch das Restlachen vergehen.
Das "positive denken" überlasse ich lieber jenen, die das noch können...

Robert Curth hat gesagt…

Ach Rick... Mir gings viel zu schlecht um richtig lachen zu können. Ich fühl mich ganz Flau. Das muss an den Bio-Aufbackbrötchen aus handgekneteten Sauerteig liegen.

Und überhaupt, es kommen so wenig Leute auf mein Blog und Google mag mich auch nicht heute. Meine Füße sind auch kalt. Das ist aber kein Jammern auf hohem Niveau, mir ist echt kühl..

Christian hat gesagt…

Salve
Gut geschrieben... denken wir positiv und nehmen mal an, meine Kinderchen werden leicht besser rauskommen ;)

Christian

Blankster hat gesagt…

Wie immer, ein sehr guter Artikel :) Ich denke man könnte sogar weitergehen und sagen es gibt Leute die davon leben sich immer als "armes ich" darzustellen und so Aufmerksamkeit und Beachtung auf sich zu ziehen. Bedauernswert, denn so kann man wohl nie ein erfülltes Leben führen.. Aber ich will jetzt mal positiv denken, schaues aus dem Fenster und freue mich das die Sonne scheint (und verdränge den Gedanken das ich erst am Abend wirklich was davon habe ;)

Gruss,
Blankster

PS: Übrigends fand ich deine Kommentare zu Winkelried.info auf Pligg.ch wirklich sehr gut. Das musste einfach mal gesagt werden..

Rick hat gesagt…

Wenn Sie dem Papa nachgeraten (und nicht zB dem Postboten), lieber Christian, dann besteht ganz große Zuversicht für Deine Fruchtfolge ;)

Bio-Aufbackbrötchen aus handgekneteten Sauerteig, lieber Robert, sind wirklich ein Teufelszeuchs, warum machst Du auch nur sowas? Für die anderen Sachen von mir ein aufrichtig geheucheltes Mitgefühl und ein erst gemeintes herzliches Kopf-Hoch! :)

Danke guter Blankster, schickes neues Layout wie ich sehe. Du hast sicherlich recht, es gibt genug Menschen die ihr Leben lang so damit beschäftigt sind sich selbst zu bemitleiden dass sie gar keine Zeit haben aus ihrem Leben etwas zu machen...
(Anm.: zu Winkelried - als jemand der alle Parteien ziemlich gleichmäßig verachtet bin ich der Meinung dass es pligg.ch gut tut das dort grundsätzlich die einen wie die anderen geduldet werden. Wer allerdings rumpredigt und von einzigen 'Wahrheiten' und 'Fakten' spricht hat sich idR schon entzaubert, egal welche Ideologie und welcher Glauben ;)

Erdge Schoss hat gesagt…

Angesichst des von Ihnen skizzierten Tagesprogramms (kiffen, saufen, demoskopieren etc.), werter Herr Rick, ist eine positive Grundhaltung lebensnotwendig. Denn wie wollen Sie das sonst alles erledigen während der Geschäftszeiten?

Herzlich
Ihr Erdge Schoss

Rick hat gesagt…

Ich glaube, werter Herr Schoss, das mit dem Erledigen ist ein wenig wie das financial controlling in klein strukturierten Landwirtschaftsbetrieben: man fuhrwerkt das ganze Jahr am Feld und im Stall rum, und am Ende des Jahres fragt man die Bank ob es gereicht hat.
Ihr Rick

christiane hat gesagt…

Völligst zuunrecht, geschätzter Rick, stellst du hier dein Licht in den Schatten.;-)
Wer in solch kreativer Konsequenz rechtzuschreiben pflegt wie du, verdient unbedingt aufrichtigsten Respekt, denn der Erfolg gibt dir Recht.
Und solltest du zufällig ab und an im Internet den KlugscheißerInnen begegnen, die immer mal wieder auf der Rechtschreibung rechtschaffener Website-Beschreiber herumreiten, bedenke einfach, sie tun das in der Regel mit unerschütterlicher positiver Zuversicht, weil auch Rechtschreibung muß gerecht verteilt werden.
;-)

Rick hat gesagt…

Das hast Du schön geschrieben, liebe Christiane. Natürlich gibt es immer wieder Leute die vor lauter Verpackung nicht den Inhalt erkennen können. Das muß man locker sehen. Hier gilt Unterneuntupfinger Rechtschreibung, und wem das nicht gefällt oder wer hier zu wenig Linksschreibung findet der gehört nicht zur Zielgruppe. Mir fällt auf dass es viele Blogs gibt die vielleicht eine korrektere Rechtschreibung haben, dafür aber keine Leser und schon gar nicht so tolle Kommentatoren & Freunde wie dieses Projekt. Gerade was Letztere betrifft fällt es, um den Bogen wieder zum Thema zu spannen, sehr leicht positiv zu denken ;)

Gaviota hat gesagt…

Witzig ist...es wird an der Interpunktion genörgelt, aber selbst alles klein schreiben...tztztz

dan hat gesagt…

Offenbar eine Krankheit der schreibenden Zunft, das nörgeln und der Negativismus. Die Amis haben dafür einen treffenden Ausdruck: "SmartAss!"

Erik hat gesagt…

@dan: Ich nehm's nicht persönlich, dafür nörgle ich auch nicht. ;)

Zum Beitrag: Sehr treffend beschrieben verehrter Rick, aber ist der Hinweis darauf, dass es andere gäbe denen es noch schlechter ginge, nicht auch eine Art Negativdarstellung? Nur so ein Gedanke. ;)

[Seitdem ich das Binnen-I verbannt habe, denke ich positiver.]

Rick hat gesagt…

Ja, so sind die Leut', liebe Gaviota. Und ich bin immer verunsichert wenn sich solche Menschen länger nicht so zu Wort melden wie sie es nunmal tun ;)

Ich glaube, werter Dan, man sollte sich um dergleichen Menschen nicht grämen, sondern sie vielmehr als Inspiration sehen. Satire hat schließlich eine Aufgabe *schmunzel*...

...nicht auch eine Art Negativdarstellung? Und ist diese Sichtweise nicht auch eine Negativinterpretation *zwinker*? Aber im Ernst: ich habe zB großen Respekt vor der unselbständigen Feinkostverkäuferin die sich für einen Bettel den ganzen Tag, 40 Stunden die Woche, die Füsse platt steht und dabei eine Unmenge grantiger Problemkunden ertragen muß. Ein Gedanke daran läßt mich begreifen wie gut es mir geht...