26.03.2008

Gender Mainstreaming vs Gender Marketing

Die Natur hat es nunmal so gewollt dass es den Menschen in zwei sehr verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt: Mann und Frau. Unterschiedliche Interessensgruppen begegnen diesem Phänomen auf unterschiedliche Weise - sehr wirtschaftsfremde Kreise möchten der Gesellschaft gendergemainstreamte Gleichschaltung aufdrängen, wirtschaftsnahe Kreise wie die Werbewirtschaft konzentrieren sich indes auf das Gender Marketing...

Gender Marketing
Intuitives Gender Marketing ist ja an sich nichts Neues. Schon seit Jahrzehnten werden Kosmetikprodukte so beworben dass damit besonders Frauen angesprochen werden, und Autozubehörteile eher so dass damit besonders Männer angesprochen werden. Professionelles Gender Marketing indes wird praktiziert wenn ein und dasselbe Produkt so verschachert wird, dass die Werbung dazu für Männer und Frauen unterschiedlich und angepasst gestaltet wird. Man denke hier zB an ein Navigationsgerät dass einmal mit einem pinken Cover und entsprechender eigener Kampagne für die Handtaschen der Ladies beworben wird, und dasselbe Teil nur mit Aludesign und eigener Kampagne für die technikgeilen Jungs. Professionelles Gender Marketing verspricht sich also durch gezieltes Ansprechen beider Geschlechter mehr zusätzlichen Absatz als die doppelgleisige Werbung zusätzlich kostet.

Coke Light vs Coke Zero
Manchmal kann es dabei sinnvoll sein ein und dasselbe Schluderwasser unter verschiedenem Namen unter die Leute zu schütten. Coke Light zB hat sich zum Trendgetränk für die figurbewusste Dame entwickelt. Begleitet von der üblichen lausigen Ernährung und angemessenem Bewegungsmangel betont es die Speckrollen um die Hüften, die fetten Oberschenkel und die laschen Hängebrüste die Richtung Nabelpiercing streben. Daher hat sich der Softdrinkhersteller entschieden jenen Drink der alles bietet was der Körper nicht braucht auch als Coke Zero herauszubringen: also für den figurbewussten Mann. Es betont (wiederum mit passender Fehlernährung und ausreichend Faulheit) den Bierbauch und den viel zu fetten Hintern aus dem ein paar blasse behaarte lächerliche Unterschenkel rausstacksen.
Quintessenz: wenn Sie ein echter Kerl und keine Tunte sein wollen trinken Sie also um Gottes Willen Zero und nicht Light. Und schon gar kein prickelndes Mineralwasser, weil da ist eine Menge klimaschändendes CO2 drinn.

Viel Luft nach vorne
Professionelles Gender Marketing steckt aber immer noch ein wenig in den Kinderschuhen. Zu viele Produkte werden immer noch nur jeweils von Männern oder Frauen gekauft, das ist noch viel Profit zu holen. Lippenstift zB könnte bei Herren dreistellige Zuwachsraten jährlich erzielen wenn es nur manngerecht an den Mann gebracht würde. Wenn es zB Viagra auch von L'Oréal gäbe würde so mancher Männerstammtisch in den rotesten Farben leuchten. Und Schweißgeräte die versprechen die Schweißerin schlanker aussehen zu lassen, die in Handtasche passen und im Guccidesign daherkommen hätten auch bei den Damen bessere Chancen.

"Bauknecht hat in Deutschland und der Schweiz zu Männer-Waschkursen geladen, damit 'echte Waschhelden' erfahren, dass rote Socken nicht mit weißer Wäsche gewaschen werden sollten."
Doris Rasshofer in der BESTSELLER Printausgabe 03/08. (möglicherweise ist also Bauknecht der wahre Auslöser für den politischen Linksruck in Deutschland?)

Oder doch Gleichmachung?
Ganz anders an die Sache geht jene Gesinnungsgruppe heran die immer mal wieder den Neuen Menschen erschaffen will, dabei alle gleich sein müssen, und die führenden Funktionäre natürlich gleicher. Unvergessen dabei zB die für schlappe 20000 Euro Steuergelder erstellte Gender Foresting Studie, ein Meilenstein im Bereich des Gender Mainstreamings. Der ideale gesellschaftliche Zustand nach Gender Mainstreaming wird dann hergestellt sein wenn auch Männer endlich Kinder austragen und die Kids mit ihrem Gesäuge stillen, und auch Frauen bei Prostata-Operationen nicht mehr länger auf einen Termin warten müssen als Männer.

Wie weit sind Sie bereits gendergemainstreamt? Und welches Produkt sollte Ihrer Ansicht nach endlich auch mal erfolgreich an das jeweilig andere Geschlecht vermarktet werden? Schreiben Sie uns.
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Weitere Artikel zu Geschlechtern, Werbung und sonstigen Gesellschaftsdings:
Die (Ohn)macht der Kritikerpäpste
Guter Ruf lässt sich kaufen
Vorschau auf die nächste Policorathlon-WM

(Bild: hofschlaeger / Pixelio / redaktionell und kommerziell)

16 Lesermeinungen:

antoine hat gesagt…

Der Metreosexuelle Mann, also der eiserne Kerl ist die Krone der Schöpfung.
Er Schminkt sich, trägt weibliche Insigien aber hat einen tollen Muskeln gestählten Body. David Beckham ist die realexistierende Inkernation des metrosexuellen Mannes.
Das Gender Blabla ist megaout. Es ist etwas für emanzipierte Grossmütter und überflüssige phil-1-ner

Monika hat gesagt…

ich mag , dass technische Produkte wie zb ein Handy funktioniert und zwar mit den Funktionen, die ich mag und nicht all den komischen Schnickschnack, ob das in Pink in Lilablaßblau oder dezentem Grau ist -ist mir sowas von schnurzpiepegal.


mag ich ein Auto -14hunderter Maschine, 75PS , dann mag ich vom Verkäufer niemals mehr hören:da drüben steht ein Roter...

wir sind zu 99,9% auf Klischees der uralten Tage fixiert und wenn die Marketingbranche da nicht bald umschwenkt, dann werde ich sauer..

welchs Produkt...
fast alle technischen Geräte----
funktionieren sollen sie,
gscheite Gebrauchsanweisung und Support -von mir aus zahl ich auch dafür-aber mit diesen Blümchen-technischen AUfputzereien vergrault man mich regelmäßigst

lg

Rick hat gesagt…

To pink or not to pink, werter Monika, darüber streiten auch die Gender Marketing Fachleute. Die einen meinen man müsse erst recht Klischees bedienen, die anderen glauben gerade die intelligenteren Konsumenten wünschen sich hingegen anspruchsvoller betrogen zu werden.

Die Sängerin P!nk wiederum hat mal stolz behauptet trisexuell zu sein. Davor kapituliert vermutlich sogar der größte Gender Marketing Profi...

P.S:
...da drüben steht ein Roter.. will ich auch nur hören wenn es um Wein geht ;)

Rick hat gesagt…

Antoine, Du erinnerst Dich sicherlich noch an die Epoche als androgyn Mode war. Also Leute denen man nicht ansehen konnte ob sie nun Männlein, Weiblein oder ein Schöpfungsunfall sind. Ist auch vorbeigegangen. Beim Futter gibt es heutzutage bald nur mehr Einheitsmüll. Beim Menschen bekommen wir das auch noch hin...

Erdge Schoss hat gesagt…

Für einen guten Roten, werter Herr Rick, sollte kein Weg zu weit sein. Ich werde so einen in wenigen Minuten aus dem Regal fingern und heute Abend verschenken. Und wenn ich davon noch zwei Flaschen haben sollte, lege ich eine beiseite, um Sie eines Tages mit Ihnen zu trinken. Sollte ich keine zweite Flasche mehr besitzen, trinken wir bei Gelegenheit die erstbeste wunderbare.

Ich schweife ab, auf Ihr Wohl, Sie Grandioser.

Herzlich
Ihr Erdge Schoss

Rick hat gesagt…

Mein geistiges Auge, werter Erdge, sieht es bereits vor sich, den 26.04:
Vierzig wackeln westwärts.
Und alle werden sie an den Lippen von Oracle Schoss hängen, der die letzte Flasche leerend die Zukunft sehen und prophezeihen wird...

Auf Ihr Wohl, Sie ganzer Stolz Ginsheims!

tobiwei.de hat gesagt…

Ich weiß gar nicht was Du hast, ich habe auch einen iPod Nano 2GB in Purple Deluxe. Sei doch mal up-to-date, werter Rick.

Ich würde mich daher nicht als Opfer von Gender-Marketing sehen, viel mehr als verstörter MP3-Terrorist, der einfach den neuesten Scheiss braucht. Und was gibt es bitte schöneres, als Bushido hören, 'ne Coke Zero schlürfen und fettarme Diät-Schokoriegel light for man zu essen?

Aber wenn ich mal ehrlich drüber nachdenke, nur in der Werbung saufen Heidi Klum-ähnliche Frauen diesen Scheiß. In der Realität sind es Frauen, die durch Folgen von Erwerbslosigkeit und Bewegungsmangel aufgeschwemmt wurden. Ein Teufelskreis.

christiane hat gesagt…

Liebe Rick,
ganz entschieden wehre ich mich gegen die totale Gleichmachung.
Auf keinen Fall kann es gut für meine Umwelt sein, wenn ich zu Speckrollen um die Hüften, fetten Oberschenkeln und laschen Hängebrüsten auch noch den Bierbauch, einen fetten Hintern und lächerliche behaarte Unterschenkel präsentieren würde.
Genderorientiertes Marketing ist hier durchaus angebracht, weil auch Optik muss gerecht verteilt werden.

kopfchaos hat gesagt…

..... ach gottchen, um's ma' ein wenig nekrophil zu formulieren.....:
"..... sturm is' sturm, sagt der wurm und als leich' is' jeder gleich....."

Rick hat gesagt…

Ach Tobi, das mit der Abdudiät ist hier nicht so leicht, Unterneuntupfing ist tiefster Hinterwald, die meisten Leute hier können nicht mal Teile von iPod Nano 2GB in Purple Deluxe einigermaßen akzentfrei aussprechen.

Aber andere Gegenden, andere Sitten. Für den modernen Städter ist natürlich der Konsum von Bushido, Coke Zero und Diätmüsliriegel light eine Form von naturnahem natürlichen Leben, vielleicht noch in der Mittagspause verbracht in einem städtischen Park der von Tauben zugeschi**en ist und im Sommer von Stechmücken verseucht. Natur, natürlich.

Rick hat gesagt…

Liebe Christiane, wie wahr, die Politik kümmert sich viel zu wenig um die lipide Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Aber vielleicht wird die Gesellschaft ohnehin schon metrosexuell, nur halt nicht so wie die Werbeindustrie uns das in Hochglanzbildern zeigt. Schlappe Männer haben heute oft schon mehr Busen als die Damen. Frauen kochen heute nicht mehr so wie ihre Mütter sondern saufen wie ihre Väter. Möglicherweise braucht es das ganze Gender dings gar nicht?

Rick hat gesagt…

Ich glaube, wertes Kopfchaos, das hängt auch ein wenig von den Würmern ab. Bücherwürmer zB fressen dann doch lieber Schriftstellerkadaver weil ihnen normal begabte Verblichene zu fade sind.

bee hat gesagt…

Dieses Wort hat das volle Potential für das Unwort des Jahrhunderts! gendergemainstreamt

Zur Sache selbst kann ich diesmal nicht viel beitragen, denn ich bin der Bauknecht meiner Frau. Da gibt es nicht viel zu lachen.

Rick hat gesagt…

Heisst es nicht "Bauknecht weiß was Frauen wünschen.? Und was das jetzt dem Bauknecht bringen soll, das weiß man nicht so genau...

dan hat gesagt…

Ich bin spät, lieber Rick, mein neues Teil...

Aber zum Thema: Viagra hilft den weiblichen Wesen genausogut auf den Sprung wie demmännlichen Nutzniesser. Die Wirkung ist dieselbe...
Das hat bisher das Gendermarketing noch nicht vermarkten wollen. Ich kann mir auch gut vorstellen warum...

Zum Thema Rot (passt ja!) muss ich Herrn Schoss beipflichten, und werde einen guten Tropfen geschlechtsneutral geniessen...

Rick hat gesagt…

An Apple a day keeps the Dan away?
Ich hoffe Du hast Freude mit Deinem neuen Teil. Und treue Seele die Du bist vergisst Du vermutlich nicht mal den 48.Hochzeitstag selbst wenn Du gar nicht verheiratet wärst...