03.08.2007

Pfrnudlianer : die Alternative zur Feindbildgesellschaft

Es vergeht kein Tag an dem nicht in den Medien irgendwer vor irgendwem oder irgendwas warnt, sich nicht jemand deutlich gegen etwas positioniert und nicht die Menschen aufgerufen werden gegen etwas anzukämpfen oder auf die Straße zu gehen. Der modern(d)e Mensch definiert sich nicht mehr mit dem was er erschafft und ist, sondern wogegen. Bis auf die Pfrnudlianer, welche beim heutigen Anti-Wahn nicht mitmachen...


Vor allem weltliche und geistliche Ideologien und Gruppierungen einen ihre Mitglieder, Anhänger, Wähler überwiegend durch Feindbilder. In der Politik sind zB alle gegen Ausländer, die einen gegen die wo Geld mitbringen oder im Inland arbeiten wollen, die anderen gegen die wo einen anderen Glauben haben, die dritten gegen die wo einfach aus dem Ausland kommen oder anders aussehen. Die geistigen Glaubensrichtungen sind gegen die Ungläubigen und die Mitbewerberreligionen, die Atheisten sind gegen einen Gottesglauben. Veganer sind gegen Fleischgenuß und den gesunden Menschenverstand, führende Wirtschaftsesoteriker sind gegen die Globalisierung, gegen Zins oder Monopolgeld, der Fiskus gegen Schwarzgeld, und gegen die ganzen Ismen (Neoliberal-, Sozial-, Kapital-, Imperialismus und den Isthmus von Konrinth natürlich) sowieso. Und selbst wer sich mal für etwas ausspricht (nach meist Absolvierung einer NLP-Schulung) meint trotzdem gegen: für Verbote = gegen Freiheit(en), für Steuererhöhungen = gegen die Geldbörse der braven Erwerbstätigen. Und privat ist man dann gegen den FC Bayern (oder das primitive Fussballrestdeutschland, je nach Perspektive), und wer in der Schweiz gegen den FC Aarau ist hat sowieso jeden Anspruch auf würdiges Leben verloren. Und genau bei diesem kollektiven Gegen-Alles-Sein machen die Pfrnudlianer einfach nicht mit.

Wir wollten herausfinden was die Anhänger des heiligen Pfrnudls so anders macht und erhielten eine zwangslose Audienz bei deren Priesterin Friederike Friedensreich. Vor uns saß eine durchaus attraktive Mitvierzigerin die ganz offensichtlich nicht nur nicht an irgendwelche Ismen glaubt, sondern auch nicht an PushUp-Bras, Kosmetik und die hygienische Pflicht der Ganzkörperrasur. Frau Friedensreich glich äußerlich einer Mischung aus Kräuterhexe, etwas in die Jahre gekommenen Blumenmädchen und SecondHand-Kleidungsshop. Sie empfing uns inmitten weiterer Mitpfrnudlianer in deren Vereinshaus. Wir wollten wissen wogegen die Pfrudlianer sind, und Frau Friedensreich erwidert:

"Sehen Sie, das ist genau diese Denkweise mit der wir absolut nichts anfangen können. Wer den heiligen Pfrnudl verehrt definiert sich selbst nicht durch Gegnerschaft zu irgendetwas oder irgendwem, sondern einzig durch die positive konstruktive Liebe zum heiligen Pfrnudl. Wer einen anderen Fetisch, Gott, Glauben oder sonstigen Götzen hat, sei es eine politische Ideologie, ein gesellschaftlicher Glaube, eine Religion wird von uns als Mitgeschöpf toleriert und respektiert, auch wenn wir anderer Meinung sind. Die Radikaleren unter den 'Anderen' versuchen wir gelassen als 'Gegend' wahrzunehmen was meistens gelingt."

Aber ganz offensichtlich glauben auch die Pfrnudlianer. Frau Friedensreich wendet ein:

"Gewiß, auf den ersten Blick glauben wir an den heiligen Pfrnudl. Doch auch nur als spirituelle Metapher. Jedem erscheint Pfrnudl in einer anderen Form. Vielen unter uns erscheint er zB in Form einer guten Mahlzeit..." (wir blickten uns um, sahen überwiegend wohlgenährte Menschen und erkannten dass der heilige Pfrnudl seinen Anhängern in der letzten Zeit sehr grosszügig und wohlgesonnen erschienen ist) "...oder auch in anderen Formen. Nehmen Sie zB die beiden da hinten (Frau Friedensreich deutet auf ein älteres spärlich bekleidetes Päarchen dass ziemlich hemmungslos aneinander rumfummelte) - den beiden erscheint Pfrnudl hauptsächlich im Schlafzimmer. Oft mehrmals täglich. Unsere Gebete an Pfrnudl er möge dabei zuweilen etwas leiser erscheinen wurden noch nicht erhört."

Wir wollten wissen ob es denn bei dieser großen Toleranz niemals Streit unter Pfrnudlianern gäbe, worauf die Priesterin lachend meint:

"Natürlich haben auch wir eine konstruktive Streitkultur. Und zwar meist dann wenn wir nicht verstehen was Pfrnudl sich bei einer Erscheinung gedacht hat. Zuweilen erscheint er beim gemeinsamen Abendmahl als 6 Mahlzeiten obwohl wir zum Beispiel zu Zehnt sind. An solchen Abenden führt das Rittern um die beschränkte Gunst Pfrnudls zu sagen wir mal liturgischen Differenzen. Pfrnudl prüft uns auch häufig als Gemeinschaft - da er bislang leider partout nicht in Form einer Küchenhilfe erscheint will Pfrnudl uns testen wie lange wir den Dreck in der Küche ertragen bis sich jemand von uns aufrafft um sauber zu machen."

Schlußendlich wollten wir wissen wie jemand sich den Pfrnudlianern anschließen kann und warum die Gruppe noch so klein und in der breiten Öffentlichkeit unbekannt sei. Frau Friedensreich bekennt:












"Nun, grundsätzlich gibt es bei uns weder Hierarchien, noch eine Aufnahmeprüfung und schon gar keine Mitgliedsgebühren. Allerdings missionieren wir auch nicht, wir wollen niemanden überreden, wer zu uns kommt kommt aus freien Stücken. Und da liegt der Punkt : der Mensch ist ein Gewohnheitstier - er kann sich schwer von seinem weltlichen oder geistigen Glauben trennen. Wer zB 30 Jahre lang SP gewählt hat wählt aus Protest dann eher erst recht eine noch scheußlichere Linkspartei statt sich eine gleich scheußliche Partei vom anderen politischen Spektrum zu suchen. Eingefleischte Atheisten glauben so fest an die Nichtexistenz eines Gottes dass sie sich idR einen weltlichen Ersatzglauben außerhalb der politischen Mitte suchen. Veganer und Vegetarier haben ein Problem damit dass Pfrnudl viel zu oft fleischlich erscheint, auch auf dem Teller. Selbst die glaubensfreiesten Menschen - libertäre Agnostiker - glauben dann doch viel zu sehr an den Verstand dass sie dabei allzuoft auf das Herz und das Gefühl (und zuweilen auch den Humor) vergessen. Und eines muss man auch ehrlich zugegeben - wir wissen nicht mehr genau wer den Pfrnudlianismus begründet hat, aber er oder sie hätte sich sicherlich einen besseren nicht so bescheuerten Namen ausdenken können den mehr Leute leichter aussprechen können."

Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell bedankten uns für das Gespräch und auch für den köstlichen Pfrnudl den man uns in Alufolie als Reisezehrung für den Heimweg mit auf dem Weg gab. Wir haben draufhin in der Redaktion erkannt dass wir vermutlich auch öfters die Mittagspause in eine kleine lukullische Messe zum Gedenken des heiligen Pfrnudls umwandeln sollten...
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(Bild: lumix2004 / stock.xchng / Royalty free)

10 Lesermeinungen:

Erik hat gesagt…

Wenn man sich die Welt als solche betrachtet, sollte dieser Glaube eigentlich grossen Zulauf haben. Es spricht für U9TA, dass hier – abseits der Mainstream-Medien – überhaupt darüber berichtet wird.

Ohne Verschwörungstheoretiker und -innen füttern zu wollen, warum hört man sonst nichts darüber? Macht einen schon nachdenklich.

U9TA Gründer hat gesagt…

Das mit den Verschwörungen ist gar nicht so weit her. Wir in der Redaktion vermuten dass es unter zB den YiGGlingen möglicherweise ganz starke Antiprfnudlianische Tendenzen gibt. Immer wenn einer von uns bei YiGG ist stürzt (und nur dort) ein Browser ins Verderben, wir können keine Kommentare dort einsehen und bearbeiten etc. Vielleicht war der Fehler von UNTERNEUNTUPFING Aktuell von Anfang an schon sich so vehement gegen radikale Humorlosigkeit einzusetzen? gegen war ja prima, aber das Feindbild hätte wohl eins sein sollen wo man weniger Menschen damit beleidigt. Wir gehen in der nächsten Redaktionssitzung darob in uns und werden ggf dort bleiben...

Erdge Schoss hat gesagt…

Werter Herr Rick, eine Religion, bei der Schmalhans Küchenmeister ist und wuschelnde Achselbehaarung in, die sollte einem gerade mal im Mondschein begegnen können. Meint
Ihr Erdge Schoss

U9TA Gründer hat gesagt…

Werter Herr Schoss, bei den Pfrnudlianern speist man wirklich großartig, es kommt nur manchmal vor dass Pfrnudl etwas kurzgebunden erscheint, was nicht die Regel ist. In unserer Überflußgesellschaft schadet es aber nicht wirklich eine Mahlzeit dann und wann etwas spartanischer ausfallen zu lassen, nicht umsonst hat die Serie Schneller Abnehmen seine ungebrochene Berechtigung.
Was mir jetzt zum Thema Achselfell einfiele könnte U9TA von der Schoss'schen Blogroll katapultieren, daher soll es unterbleiben... ;)
Ihr Rick, U9TA Schafredakteur

Bastian hat gesagt…

Ich behaupte einfach mal das Pfffrschnudlianer *spuck* gegen eine deutlische Aussprache sind. ;)

Herschel hat gesagt…

der heilige Pfrnudl ist mir heute in form von graubrot mit belag als frühstückmitagessen erschienen.

sollte er heute abend nicht in form einer feisten pizza daher kommen, wende ich mich vom glauben ab.

obwohl mir der ansatz gefällt, ich möchte auch liebr für etwas sein.

U9TA Gründer hat gesagt…

@Bastian:
Es ist durchaus vorstellbar dass Pfrnudl für eine gestandene Ruhrpottschnautze eine Herausforderung ist. Im ostösterreichischen Volksmund indes kennt man zB den Pfrnak, im pannonischen noch den Pfnodl... ;)

@Herschel:
Ich hoffe der Belag war diesmal kein Schimmelpils und das Grau kam vom Vollkornmehl... ;)

Herschel hat gesagt…

keine sorge, es war bauernkruste feinster qualität :)

Erik hat gesagt…

@U9TA Gründer: Ich glaube nicht, dass die Y!GGlinge daran schuld sind. Sie haben nur eine Affinität zur cocomment-Sekte entwickelt, und deren Glauben verbietet eine Unterstützung von Nicht-Mitgliedern. Dieses Verbot wird bei Ausflügen in die wilde Natur und musikalischen Darbietungen leider mit Gewalt durchgesetzt.

Wieder ein Grund mehr, sich den Pfrnudlianern zuzuwenden, oder?

U9TA Gründer hat gesagt…

Danke Erik für den zweckdünnlichen Hinweis :)
An sich schade weil sich Pfrnudlianer gegenüber anderen Religionen wie auch YiGGlingen durchaus friedvoll verhalten. Und verbitterlich weil Pfrnudlianer nicht mit dem Browser abstürzen sondern höchstens wenn ihnen Pfrnudl als wohlgefülltes Fass erscheint und sich spirituelle Erfahrung reichlich mit sprituoser Erfahrung vereinigt...