11.03.2008

Fussbälle dürfen nicht intelligenter als Spieler sein

FIFA-Funktionäre sind zwar extrem modern und kreativ wenn es um die finanzielle Verwertung des Fussballs geht, bei technischen oder regelbedingten Änderungen tun sich die Fussballoberen hingegen traditionell ein wenig schwer. Besonders wenn es zB um intelligente Bälle geht, die mögen in einer Sportart die traditionell aus dem schlichteren Milieu entstammt als eine Bedrohung gesehen werden...

Gralshüter
Wie Die Presse jüngst berichtete ist wieder einmal ein Versuch ins Abseits getragen worden den Fussballsport durch die Einführung von Bällen zu bereichern die etwas intelligenter sind als die Spieler die sie treten sollen. Ist es Strukturkonservatismus, oder die Angst vor Phishingattacken die den Bällen ein unkontrollierbares Eigenleben verleihen würden (möglicherweise würde das Publikum einen leichten Verdacht haben wenn die Trainer auf einmal mit Joysticks auf der Bank säßen), oder möchte man verhindern dass gute Techniker auf einmal nicht mehr Ribery heißen, sondern den Namen von Informatikstudenten tragen die Elfmeter nicht schießen sondern programmieren? Man weiß es nicht.

Vorbehalte
Nicht nur FIFA-Funktionäre haben Vorbehalte, es gibt natürlich auch Gegenstimmen von den Spielern und Verbänden. Österreichische Nationalkicker lehnen den intelligenten Ball vehement ab, schließlich haben Sie bereits enorme Probleme dabei die saudoofen chiplosen Bälle unter Kontrolle zu halten. In der Schweiz könnte man mit dem Chip leben, besteht aber darauf dass die Bälle fortan unbedingt mit Cervelat-fähigen Häuten gefertigt werden, wodurch zur Überwindung von nationalen Krisen schon mal eine Saison ausfallen könnte. Die deutsche Öffentlichkeit wiederum fordert nur ethisch und moralisch gerechte Bälle: keine Chips von Herstellern die Produktionsstandorte aus Deutschland verlagert haben (bleiben nicht viele über), und nur dann mit Kinderarbeit gefertigt wenn aus sozial gerechten Ländern wie Venezuela, Kuba oder Nordkorea. Und natürlich klimaneutral.

Technische Verbesserungsmöglichkeiten
Während in anderen Sportarten fernsehtaugliche Technik längst Einzug gehalten hat ist man im Fussball wirklich ein wenig technikresistent. Man denke zB an die Live-Pulsmesser bei Langläufern oder Raddopern. Man stelle sich vor klassische Knippser wie Gerd Müller oder Hans Krankl, die 80 Minuten am selben Wurm stehen können um dann doch zur rechten Zeit den Ball entscheidend über die Linie zu würgen, hätten so einen Pulsmesser getragen? Über 80 Minuten lang hätten die Zuseher gedacht jene Standkicker wären bereits tod. Oder denken Sie an die Geschwindigkeitsmesser im alpinen Skisport oder besonders beim Aufschlag im Tennis: was wäre es nicht toll für den Zuschauer wenn er bei jeder mustergültig vorgebrachten Blutgrätsche von hinten sofort an der Anzeige sehen würde mit welchem Impakt sie durchgeführt wurde?

Fazit
Vermutlich ist die Einführung intelligenter Chipbälle auch einfach nur eine finanzielle Frage. Würde ein Chipballhersteller dem obersten FIFA-General 10% Provision pro verkauftem Chipball garantieren gäbe es vermutlich bereits übermorgen keine Plastikwuchtel mehr die nicht mindestens einen Intel QuadCore, 4 Terabyte Hauptspeicher, Bluetooth, Firewire und das teuerste am Markt verfügbare Pocketspeichersystem eingebaut hätte. Und vermutlich zB mit einem abgeschlanktem Ubuntu als Betriebssystem, weil Vista würde die Bälle nur unnötig langsam machen...
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(Bild: sciucaness / stock.xchng / Royalty free)

13 Lesermeinungen:

dan hat gesagt…

Das darf nicht sein, ein intelligenter Fussball! Schon jetzt sind viele Ballkünstler verliebt in den Ball. Die würden doch sonst nur noch mit "ihrem" Ball spielen wollen!
Nicht anzudenken, was das für Folgen haben könnte...

Rick hat gesagt…

Im Fall von österreichischen Nationalspielern, lieber Dan, wird es wohl eher eine Hassliebe sein. Und was die Lieblingsbällchen mancher Spieler des FC Thun sind, darüber bereiten wir das Trickot des Schweigens.

Aber das mit der Liebe ist ein interessanter Gedanke. Vielleicht könnten Chipbälle viele Nerds & Geeks wieder hinter ihrem Computer hervorholen, in die frische Luft, dort wo Fussbälle ihr natürliches Revier haben?

antoine hat gesagt…

Uch, endlich geschafft! Der Ball bleibt Chipfrei, so besteht eine kitzekleine Chance das in Zukunft auch WalldorfschlüerInnen in den Genuss des Fussballspiels kommen.
Anthroposophen sind prinzipiell gegen alles was nicht nicht ihre Uniform trägt. Aber noch viel mehr sind sie gegen technische Errungenschaften jenseits der runden Ecken.
Möge der technikbefreite Fussball endlich Einzug in den Kopf der versteinerten Anthroposophen finden.
Einzig durch ein technisches Gerät, dass die Fernsteuerung der Fans erlaubt, lässt sich der Siegesezug des Chipgesteuerten Balles aufhalten.
Die nächsten Evolutionsstufen der Menschheit werden den gedankengesteuerten Ball hervorbringen.
Na dann, gute Nacht!

Erdge Schoss hat gesagt…

Was an Hightech reingepackt werden kann, werter Herr Rick, sollte unbedingt auch reingepackt werden. Ich denke da auch an ein Soundsystem, das den Ball selbstständig pfeifen lässt, wenn ihn niemand in der Hecke findet. Und sprechen sollte er selbstverständlich auch können.

Herzlich
Ihr Erdge Schoss

Rick hat gesagt…

Und Singen, werter Herr Schoss, natürlich Singen. Mindestens "Hit me baby one more time" von Frau Schbiers sollte er schon drauf haben. Ja, das muss sein.

Rick hat gesagt…

Dank Deines Kommentars, werter Antoine, hat UNTERNEUNTUPFING Aktuell seinen heutigen Bildungsauftrag mal wieder erfüllt. Interessante Flanke zu den Andropovsophen, die sind sicherlich die Veganer unter den Bildungspolitikern, vielleicht noch erreicht von den Freunden des Radical Unschooling.

Was den gedankengesteuerten Ball betrifft so würde dieser wohl überwiegend für kreative wie häßliche Fouls genutzt werden? Wenn man sich ein typisches Fussballerinterview anhört und daraus auf dessen Gedankenwelt schließt wird die Gedankensteuerung wohl die Spielkultur nicht wesentlich bereichern...

kopfchaos hat gesagt…

..... bitte, bitte, bitte.....

..... macht den ball ned intelligenter als den oder die spieler.....!
..... wo das hinführt kann man im ami-land sehen, die haben doch "intelligente bomben".....

Erik hat gesagt…

Mit Hilfe dieser Fernsteuerungsgeschichte könnte man doch etwas Bewegung in die "22 Überbezahlte und 3 in Trauer"-Veranstaltung bringen, oder? Alle Besucher bekommen eine Fernsteuerung, und wir haben demokratischen Fussball. Spieler die unangenehm aufgefallen sind, werden öfter nur noch Luft treffen; Schiedsrichter die ihren Besuch beim Optiker schon zu lange verschoben haben, werden dies – nach ein paar gezielten Interventionen des Publikums in Richtung ihres Körpers – zügig nachholen – also ich sehe nur Vorteile. ;-)

stubbornita hat gesagt…

werte herren

machen wir uns hier nicht unnötig sorgen? schliesslich bewegen wir uns im nanobereich - hat der ball einen IQ-Punkt mehr als die Spieler, qualifiziert er immerhin schon als Amöbe. Und das wollen wir doch niemandem abschlagen wollen, oder?

also ich, geschätzte herren, ich mögte es jedem gönnen, der diesen zivilisatorischen prozess durchmachen darf!

vorzüglich

stubbornita

Rick hat gesagt…

Da es in Stuttgart und Umgebung immer wieder zu seltsamen Ausfällen der blogspot-Kommentarfunktion kommt hier ein redaktioneller Nachtrag:

Bee meinte:
"Bei dieser Gelegenheit muss man aber auch bemerken, dass die Angst vor zu intelligenten Fussbällen nicht so ernst genommen werden darf. Von intelligenten Abgas-Absaug-Systemen bis zum intelligenten Zahn gibt es kaum ein Produkt, das sich nicht mit diesem Attribut diskriminieren ließe.
bee"

Rick hat gesagt…

Ein interessanter Gedanke, gnä stubbornita. Man sollte also mal ein paar Fussbälle die noch aus lebendem Material gefertigt wurden ein paar Tage lang mit frischem Gras in eine Bibliothek sperren und der Evolution eine faire Chance geben?
Warum nicht.
(wenn man das in Deutschland macht ist das Erste was die Bälle dann machen bevor sie auch nur irgendwas dazulernen eine Gewerkschaft zu gründen...)

Rick hat gesagt…

Aus Dir, lieber Erik, spricht natürlich der kompetente eGamer und Gagdet-Visionär. Vielleicht sollte man den Trainern doch stattdessen die Möglichkeit geben neben den 11 Feldspielern auch zusätzlich noch 5 Hologramme (von Spielern, Toren, Bällen etc) einsetzen dürfen um das Spiel mit dem berühmten Spiegelkammereffekt ein wenig zu würzen?

Rick hat gesagt…

Nun, bei den Bomben kommt es ja viel auch auf den Trainer an. Man denke nur an Kim Jong-Il, gutes Kopfchaos.

Völlig richtig, lieber Bee. Und normal kann man sich darauf verlassen dass die Grünen ohnehin jede Technologie verhindern die irgendwie neu, modern und gefährlich ist.