13.03.2008

Welche Pillen Sie heutzutage schlucken sollten

Jede Epoche kennt ihre eigene Missbrauchsmode. Im dunklen Mittelalter bevorzugten die Leute zB Ganzkörperpiercings aus Schwertern, Armbrustpfeilen, Speeren usw ohne das Styling aufgrund von Instant-Mortalität lange genießen zu können. Die 68er wiederum rauchten alles was sich entzünden ließ. Heute nimmt man für jede Lebenslage Pillen. Wir führen Sie diesbezüglich durch einen idealen Tag...

Starten Sie in den Tag mit Aufputschmittel
Hand auf den schlaffen Busen und das verkaterte Gesicht - der Start in den Morgen ist ja immer eine zähe Sache, insbesondere je älter man wird (also ab 14). Modafinil, Ritalin und Red Bull dürfen in keinem zeitgemäßen Frühstück fehlen, dafür sollte man so nutzlose Sachen wie Müsli oder Obst weglassen. Gerade bei der Dosierung von Aufputschmitteln und leistungsfördernden Medikamenten sollten Sie auf die Verpackungsbeilage pfeifen, schließlich wollen Sie ja erfolgreicher sein als andere die alle dasselbe Zeuchs schlucken. Mischen Sie am besten zuerst mal die Dosis die Sie sich so vorstellen können in das Futter Ihres Beagles. Zerreisst dieser anschließend mit nur 3 Bissen den Briefträger dann nehmen Sie selber nur die Hälfte davon.

Nach dem Mittagessen ein Antidepressivum
Besonders nach einem gesunden Mittagsmahl (bestehend aus einer Currywurst im Gehen oder einer ordentlichen Tafel Schokolade) fühlen wir uns so richtig schlapp und down. Zeit für die tägliche Dosis Antidepressiva. Völliger Blödsinn wenn Ihnen Mediziner eine gesunde und naturnahe Lebensweise nahelegen wollen. Finnland hat weltweit die höchste Alkoholiker- und Suizidrate, und die Finnen haben bekanntlich wahnsinnig viel Natur. SSRI, Amitryptilin, ein paar Benzos, Monoaminooxidase-Hemmer, Tegretal, Akineton oder Xanax sind jetzt genau richtig.

In den Abend mit Potenzmitteln
Speziell als Mann sollten Sie natürlich abends Ihren geschlechtlichen Verpflichtungen nachkommen, in ansprechender sexueller Leistung. Wenn Sie nun egal ob durch ungesunde Lebensweise oder fortgeschrittenes Lebensalter in der intimen Standfestigkeit unterdimensioniert sind, oder wegen einer Partnerin deren Liebreiz bereits so verblichen ist dass angesichts ihrer selbst Casanova auf Kerker in Einzelhaft bestehen würde: werfen Sie nun eine ausreichend Dosis Viagra, Cialis oder Levitra (und einen straffen Schluck steirisches Kernöl) ein. Natürlich ohne vorher ärztlichen Rat eingeholt zu haben (die wollen doch alle nur ihre Pfründe absichern), und am besten die billigen Grauimporte aus China. Diese sind nicht weniger giftig als das Spielzeug aus selber Herkunft, aber dafür auch keine Lightprodukte wie das offizielle Zeuchs aus der Apotheke.

Den Tag beschließen mit Tranquillizer
Nach den Aufputschmitteln, den Antidepressiva, den Importstandhelfern und zwei Stunden Sex um vergebens die Erektion wieder wegzubekommen (und der entsprechenden Standpauke ihrer Partnerin) sind Sie speziell als Mann natürlich viel zu aufgekratzt um ins Bett zu gehen. Zeit den Tag mit Tranquillizern abzurunden, wie z.B. Prozac, Diazepam, Antelepsin oder Hydroxyzin. Auch hier greifen Sie am besten auf preisgünstigere Importware zurück. Testen Sie die Dosis zuerst an Ihrem Goldfisch. Wenn er sich zwei Wochen lang nicht bewegt nachdem Sie das Pulver ins Aquarium geschüttet haben sind Sie mit der halben Dosis wieder gut beraten.

Haben wir wichtige Lifestylemedikamente vergessen die Mensch heutzutage unbedingt nehmen muß? Wenn ja teilen Sie uns diese mit, samt Ihren Erfahrungen damit.
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(Bild: bikemen / Pixelio / redaktionell und kommerziell)

13 Lesermeinungen:

tobiwei.de hat gesagt…

Lieber Rick,


als Pflichtlifestylemedikament gehört zum Wachwerden definitiv 'ne Nase Koks um die für Berliner Verhältnisse normalen Zustände in dem öffentlichen Verkehrsmitteln zu ertragen.

Im Büro angekommen gibt's den guten LIDL-Vodka intravenös um dem Leben unter der Brust klar zu machen, dass der Ruhepuls von 80 beats per minute mal einfach zu schlapp ist.

Zum Mittag gibts dann den Schlachtabfall mit Salat im Brot (ehemals als "Döner" bekannt) um die in den Fleischabfällen enthaltenen Konservierungsstoffe auch innerhalb des eigenen Organismus willkommen zu heißen. Ein bisschen Konservierung haben wir doch schlielßlich alle nötig.

Ist der Schlachtabfall verputzt gibts etwas Amphetamine mit Crack als Dessert, die Vorbereitung auf den Nachmittagsjoint.

Und nach der Viagranummer gibts noch 'ne Hand voll Vivinox. Lässt die mördermäßige Erektion abschwillen und senkt den Ruhepuls für die Nacht. Auf ein Neues... :-)

dan hat gesagt…

Ich handle da lieber Homöoapathisch. Ein offenes Fenster genügt um der Philosoffie von Hahnemann (similia similibus curentur) zu genügen.
Bekanntlich lebe ich ja in der Stadt und an der Strasse der gefallenen Engel und deshalb gesünder als der gemeine landadlige Pöbel.
Mit all diesen potenzierten Arzneien die da herumschwirren!

u_42 hat gesagt…

Liebe Gemeinde...als konservativer Benutzer herkömmlicher Nahrungsmittel bevorzuge ich THC,wie es schon meine Vorväter inhaliert haben,frei nach dem Motto ."am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund"..
Das bewahrt mich zumindestens vor dem Bestreben der deutscher Michl-Gesellschaft,ähnlich der Lemminge,salzwasserriechend,gemeinschaftlich in`s offene Meer zu stürzen..( wie es im letzten Jahrhundert schon mehrmals passiert ist :-)).
Im Gegenteil;ich erfreue mich an kleinen Nettigkeiten,die da wären...
Ein irres Licht schimmert durch die Wände,
gruselig wie ich fände.
Gruselig, weil es zu mir spricht,
normalerweise spricht Licht nicht.

Erdge Schoss hat gesagt…

Solch hochwertige Ernährungstipps, werter Herr Rick, wünscht man sich künftig auch in der Apotherkerrundschau.

Hippokratesk
Ihr Erdge Schoss

antoine hat gesagt…

Nicht zu vergessen sind die Kühlregal füllenden Errungenschaft der Convenience Industrie. LC1, Benecol & Co. sind teuer und nutzlos. Ihr wesentlichen Wirkung beschränkt sich auf Durchfall und Extraprofite für Nestle und Anhang.
Diese Gesundheits verbessernden Wundermittel sorgen für sorglosen Schlaf. Nach ihrem Genuss sind die Flatulenzen so stark, dass das ehelich Bett verlassen werden muss.

bee hat gesagt…

In Unterneuntupfing schlagen die Uhren nicht anders als in den grossen Städten. Auch hier sind Designerdrogen die grösste Gefahr. Das Teuflische daran: die Dosis muss permanent gesteigert werden um noch eine spürbare Wirkung beim Süchtigen zu erzielen. Das Ende ist absehbar: Der Abhängige reagiert nur noch auf hochkonzentrierten Sauerstoff, eiskaltes Quellwasser und auf körperliche Belastungen an der Zumutbarkeitsgrenze.

Rick hat gesagt…

Ganz großes Kino, lieber Tobi, das sollte unbedingt in jeden Berlinreiseführer rein, ein Muss. Und faszinierend dabei ist dass mann mit solch einer Diät dann noch 196 groß und hell im Geiste wird, kaum zu glauben. Hoffentlich gilt dann nicht auch für Dich "Only the good die young..."

Rick hat gesagt…

Armer Dan, Dein Leben ist chemisch möglicherweise ohnehin zT fremdbestimmt. Im Abduft des Odors der lokalen Lustbarkeitsdamen zu leben, oder umzwingelt von der Witterung von Bären, da kommt man vermutlich ohnehin nur mit einer gerüttelten täglichen Röstidosis durch...

Rick hat gesagt…

Willkommen, guter u_42, und danke für den erfrischenden Kommentar. Deutschland scheint tatsächlich ein ganz besonderer Humus für Leute zu sein die nicht ausreichend ihre Medikamente nehmen und dann zur Strafe das Volk (ver)führen müssen. In jedem anderen Land wären wohl Karl M. ein versoffener Stammtischphilosoph und Adolf H. ein unbekannter Postkartenmaler geblieben...

Rick hat gesagt…

Und selbst dann, werter Herr Schoss, gibt es genug Leute die niemals genug einwerfen können um nur einigermaßen das schreiben zu können was sie sogar vor der Flasche Wein für gewöhnlich raushauen...

Rick hat gesagt…

Ganz Deiner Ansicht, guter Antoine, es mag heutzutage gesünder sein aus der Müllkiste einer Apotheke zu futtern als frei erhältliche Natriumsodamate, -glutamate, Konservierungsstoffe, Geschmacksaufheller usw usf zu konsumieren welche viele Menschen mit Nahrung verwechseln...

Rick hat gesagt…

Ein klein wenig, lieber Bee, schlagen die Uhren in Unterneuntupfing doch anders, wenn sie überhaupt noch schlagen, ändert sich hier doch kaum was. Unterneuntupfing ist jedes Jahr in aussichtsreicher Position zum touristisch reizlosesten Ort der Region gewählt zu werden. Allerdings luftmäßig einigermaßen sauber. Fährt man aber ein paar Kilometer außerhalb so findet sich dort rasch Papierindustrie, klassische Schwerindustrie etc. Und wenn man dort einmal so richtig tief einatmet ist jede Marlboro dagegen eine Lungenfrischkur...

Anonym hat gesagt…

Du hast noch die schnelle Dosis Botox zur Mittagspause vergessen:
http://www.taxmantom.de/faltige-und-knittrige-arsche