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18.11.2008

Finanzkrise : wer rettet den Steuerzahler vor den Politikern?

crisis Besitzen Sie zufällig eine Bank? Oder vielleicht einen großen Automobil-Konzern? Oder arbeiten Sie vielleicht in einem maroden (ehemaligen) Staatsbetrieb? Nein? Pech gehabt, dann dürfen Sie nicht davon ausgehen, für Politiker irgendwie rettungswürdig zu sein...

Bankräuber und das Geld anderer Leute

Es ist die ewige Frage wie man an das Geld anderer Leute kommt. Amateure rauben dafür zum Beispiel eine Bank aus. Echte Profis hingegen gründen eine Bank, was den Bankraub (= Raub des Geldes der Kunden) eine gewisse Legalität bringt. Da aber selbst Banker auch in den Knast wandern können, werden wirkliche Profis Politiker : hier kann man sicher ungestraft an das Geld anderer Leute kommen, und braucht sich auch nicht wirklich mit Verbraucherschutz Organisationen herum schlagen.

Arbeitsplätze retten, wenn es Stimmen bringt

Wenn ein paar Tausend Arbeitsplätze eines einzigen Unternehmens gefährdet sind, dann sind Politiker als Retter sofort zur Stelle : schließlich kann man hier medienwirksam mit dem Geld anderer Leute (der Steuerzahler) eine Menge Wählerstimmen retten. Wenn hingegen ein paar Hunderttausend Arbeitsplätze gefährdet sind, die sich auf etliche Tausend kleine Unternehmen verteilen, dann reagiert die Politik in der Regel mit Steuererhöhungen, verschärften Gesetzen und zusätzlicher Bürokratie.

Zahme, lahme Wirtschaftsverbände

Zur Ehrenrettung der Politiker muss man aber auch zugeben : Gewerkschaften und Lobbyisten großer Unternehmen haben das bessere Marketing. All die KMUs, kleine und mittelständische Unternehmen, haben zwar im deutschsprachigen Raum die teure Pflicht bei Handelskammern und Industrieverbänden Mitglied zu sein, aber jene beschränken sich darauf sich mit den Mitgliedsbeiträgen selbst zu genügen, oder gelegentlich bei faden lauen Kongressen ein paar Politiker mit Speis und Trank zu versorgen. Ein durchschnittlicher Politiker fürchtet sich heute vor der Gewalt und Kraft eines Wirtschaftsverbands ungefähr so sehr wie vor einem toten Regenwurm.

Lobby der Steuerzahler und die unabhängigen Medien

Keine nennenswerte Lobby hat der Steuerzahler (sieht man von den Steuerzahler-Verbänden ab, die fleißige, aber genauso ungehörte Arbeit leisten). Daher wird die große Mehrheit der Steuerzahler demnächst also weiter in der Zeitung lesen, dass mit ihrem Geld das Versagen von Bankern, Managern, Gewerkschaftern, Aufsichtsräten und Wirtschaftspolitikern erfolgreich ausgebügelt wurde und die Arbeitsplätze anderer Leute gerettet. Was für ein Glück, dass man im deutschsprachigen Raum soviel kritischen unabhängigen Journalismus in den Mainstream Medien findet, der daran gar nichts Anstößiges mehr findet...

Weitere Artikel rund um Wirtschaft, Finanzen und so weiter :

( Bilder : TheTruthAbout...)

25.10.2008

Die UBS, Ospel, Medienhetze und der Volkszorn

ubs Glaubte man bislang, die organisierte Dauer Hetze in den Medien auf z.B. Juden oder Manager wären ein deutsches Privileg, so erstaunt man zuletzt, mit welcher Hartnäckigkeit Schweizer Medien aller Art dafür fast täglich sorgen, dass der Volkszorn auf UBS und Ospel weiter glüht...

Ospel frisst kleine Kinder und wäscht sich nachher nicht die Hände?

Gut, die UBS hatte besonders 2007 ein sehr schlechtes Ergebnis eingefahren, und es wurden eine Reihe von Fehlern gemacht. Dabei war sie aber nicht die einzige Bank. Mag sein, dass die UBS als ehemaliger Zusammenschluss aus Schweizerischer Bankgesellschaft und Schweizerischem Bankverein ein ehemaliges eidgenössisches Nationalheiligtum war, aber heute arbeiten 2 Drittel der UBS Mitarbeiter weltweit NICHT in der Schweiz, und die drei größeren Aktionäre kommen aus den US, aus Großbritannien und Singapore. Von einer Schweizer Staatsbank die Steuergelder verschwendete, so wie deutschen Landesbanken zuletzt, kann also kaum die Rede sein.

Ospel kauft sich Hundefutter um 40 Franken?

Womit also eigentlich die UBS Verluste nur die Aktionäre etwas angingen, aber schon gar nicht die Politik oder Journalisten, die gar keine Anteile an der UBS besitzen, der Großteil der UBS Aktien befindet sich schließlich im Streubesitz. Und selbst da müsste man eigentlich darauf hinweisen, dass jeder sorgfältige Aktionär ordentliche Stop-Loss-Order setzt, sprich wer sorgfältiger Anleger ist, hatte UBS Anteile schon lange automatisch verkauft bevor die UBS wie ein Stein gefallen war.

Langfristige Großanleger wiederum, wenn sie seriös handeln, haben sich zudem sicher mit Put-Optionen abgesichert. Wer beide Instrumente nicht nutzt und jetzt über die UBS im Keller jammert, der sollte eigentlich von der Börse die Finger lassen, und vielleicht lieber in Sparbücher investieren. Oder in seinen Stammtisch.

Ospel soll seine Gehälter bis ins Jahr 1834 zurückzahlen?

Nichts desto trotz vergeht in den Schweizer Medien kaum ein Tag, an dem nicht auf die UBS oder auf den Manager Ospel eingedroschen wird, der gewiss nicht für das allerbeste Krisenmanagement in die Geschichte eingehen wird, und natürlich damit leben muss von jenen Leuten gerade am härtesten kritisiert zu werden, die noch nicht mal einen Sparverein geführt haben.

Ospel, CIA, Bush und Sarkozy unter einer Decke?

Wer hat wohl Interesse, dass der Volkszorn gegen ein Privatunternehmen und bestimmte Personen täglich am Köcheln gehalten wird? Auf der einen Seite werden hier wohl sicher alte politische Rechnungen auf dem Rücken der Bank und der Bevölkerung beglichen. Ein Teil des politischen Spektrums der Schweiz bekommt aus der Bankenwelt kaum bis keine Spenden (was aufgrund der Wirtschaftsideologie jener Parteien extrem nachvollziehbar ist), umgekehrt stand die UBS und manch deren Manager zu nahe an Parteien und Politiker der anderen Seite des politischen Spektrums. Nicht nur in der Schweiz begünstigt so eine Konstellation natürlich, dass nun hingabevoll mit Hilfe befreundeter Journalisten und Medien in die Sphäre des politischen Gegners hin geprügelt wird.

Hat Ospel die SBB, die IV und das Matterhorn an die Amis verkauft?

Trifft eine Krise mal das böse Kapital, dann lässt sich natürlich auch wunderbar der Neid instrumentalisieren, und besonders die Politik lässt sich so eine Gelegenheit nicht entgehen, auch um vom eigenen Versagen abzulenken. Und Schuldige zum ultimativ Bösen hoch zu stilisieren, das macht auch deutlich bessere Auflage als z.B. etwa ein weiterer Bericht über die Nicht-Arbeit der Volksvertreter. Wenn es um das Pushen von Anzeige Preisen geht, kann den Medien i.d.R. keine Leichenfledderei zu anrüchig sein.

Ospel kostet jeden Schweizer 800.000 Franken täglich?

So wird man vermutlich gerade im Schweizer Boulevard noch eine gute weitere Zeit lang lesen, welche privaten Verfehlungen sich Ospel und Konsorten noch so leisten, wie verrottet denn die bösen Banker seien, und dass alles was mit Finanzen zu tun hat sowieso das Grundübel unserer Welt sei. In Deutschland ist das normal, aber nun bekommt das auch in der Schweiz immer mehr Gehalt.

Und da auch Schlammbotschaften - wenn nur penetrant genug immer wieder wiederholt - auch einmal hängen bleiben, sind die Politiker und Medien mit ihrer derzeitigen Hetze viel effektiver in der nachhaltigen Schädigung der eidgenössischen Finanzwirtschaft als ein UBS Manager alleine das jemals könnte...

Weitere Artikel über Wirtschaft, Finanzen und Börse :

( Bilder : Allie Caulfield)

30.09.2008

Finanzkrise, Crash-Propheten, Medien und die Parade der Trugschlüsse

wallstreet Die Medien überschlugen sich mit Panik-Meldungen : schwarzer Montag, Kurse auf Talkurs, Kollaps, Weltuntergang und sowieso. Wann immer mal die Kurse an den Börsen etwas heftiger nach Süden gehen, geht auch der gesunde Menschenverstand mit ihnen...

Bankenkrise - Hochkonjunktur für Crash-Propheten

Gewiss, Banken und Finanzmärkte stecken in den USA und nicht nur dort im Augenblick in ein paar mittleren Kalamitäten. Leichtsinn, unsaubere Geschäfte, und Geschäftspraktiken, die von der Politik solange es noch gut ging willfährig gefördert wurden, haben irgendwann einmal ihren Preis. So eine Periode ist nicht nur eine Goldgrube für Investoren die an der Abwärtsbewegung eine goldene Nase verdienen, sondern auch für Crash-Propheten und selbsternannte Wirtschaftsexperten, die sich nun hinstellen und sagen, sie hätten es ja immer schon gewusst, und gleichzeitig ihre Bücher verkaufen können, mit haarsträubenden Alternativ-Konzepten mit denen man in Wahrheit die Welt wirklich richtig in eine Krise stürzen könnte.

Nicht nur eine Zeitung titelte eben erst, dass mit den Kursverlusten so und so viele Billionen Geld vernichtet wurde. Es sind die selben Zeitungen, die anschließend wenn die Kurse wieder auf die alten Werte zurück steigen dann nicht berichten, dass ebenso viele Billionen Geld wieder an den Börsen geschaffen wurden. Aber was soll man schon erwarten von einer Gesellschaft die glaubt ein Bäcker wäre um 20% reicher, wenn die Brötchen auf einmal um 20 Cents oder Rappen mehr kosten?

Finanzkrise - Ablenkung von den eigenen Problemen

Besonders europäische Politiker sind super dankbar für die Krise in den Vereinigten Staaten. Möge sie lange die Medien dominieren, lenkt sie doch (noch) so prima vom kläglichen eigenen Versagen ab, und da die Krise zuerst beim imperialistischen Klassenfeind auftauchte, kann man nachher immer noch sagen, dass eigentlich die Amis schuld seien. Wenn sich nun europäische Politiker aufplustern, dann ist das ein wenig so, wie wenn jemand der bis zum Hals in Exkremente steckt hämisch mit dem Finger auf jemanden zeigt, dem das Wasser bis zum Hals steht.

USA, Wahlkampf und die Finanzkrise

Etwas Würze bringt natürlich die akute Finanzkrise auch in den Präsidentschaftswahlkampf in den Staaten. Beide Kandidaten werden nun gezwungen sich sachlich zu etwas einzubringen, wovon beide herzlich wenig konkrete Ahnung haben : Wirtschaft. Barack Obama wird auf die Frage wie nun tatsächlich sein Change aussehen soll mit einem entschlossenen "Ähhh?! Aber die anderen waren schuld." antworten, John McCain hat ja immer schon zugegeben, dass Wirtschaft & Finanzen nicht sein Ding sind, aber in der Nicht-Kenntnis habe er große Erfahrung.

Die Bankenkrise und der Ölpreis

Nun berichten bereits erste Medien, aufgrund der Krise würde die Nachfrage nach Öl gedämpft, und somit auch der Ölpreis fallen. Was für ein Jammer : Benzin soll nun tatsächlich wieder für die Autofahrer billiger werden? Und Finanzminister müssen dramatische Verluste bei der Mineralölsteuer befürchten? Dem muss man natürlich, besonders mit Steuergeld, entschlossen entgegen steuern.

Europa und die Finanzkrise

Nachdem sich der Kongress in den Staaten noch ein wenig schwer damit tut, ein Rettungspaket zu verabschieden, erkannte der Blick.ch sofort mit einem Blick zuletzt : Nun muss Europa die USA retten! Das klingt nun nach einer echten Drohung, mögen Gott, Allah und das Schicksal die USA vor der EUdSSR schützen, dazu sind die Iren in den Staaten bei aller Jahrhunderte langer Immigration nicht stark genug. Gleichzeitig vergessen viele europäische Medien und Politiker in ihrer maßlosen Selbstüberschätzung und Schadenfreude über die Probleme des imperialistischen Klassenfeindes USA, dass immer noch gilt : wenn die Wallstreet einen Schnupfen hat, dann bekommt Europa bald eine heftige Influenza.

Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell empfehlen Ihnen, die aktuelle Talfahrt mit ein paar schönen Put-Scheinen ausgiebig zu nützen, und ihren neuen Reichtum solange zu genießen, bis Europa von den Linksparteien gerettet wird, und Sie für die soziale Gerechtigkeit angemessen wieder enteignet werden.

Weitere Artikel rund um Wirtschaft und Finanzen :

( Bild : Willem van Bergen)

22.01.2008

Börsenpanik für Fortgeschrittene

Börse Panik Wallstreet DAX SMI ATX"Schwarzer Börsenmontag" oder "nackte Panik" war in eifrigen Überschriften gestern nachmittag im Teletext zu lesen: die Börsen befanden sich weltweit sturzflutartig auf dem Weg nach Süden. Dabei verloren die einen dramatisch, andere verdienten sich eine goldene Nase. Die wirklich wahren Gründe für die Kursstürze erfahren Sie natürlich exklusiv hier bei UNTERNEUNTUPFING Aktuell...

Kursverluste
Die internationalen Finanzmärkte starteten am Montag mit reschen Verlusten in die Börsenwoche. Resch genug um medial massives Aufsehen zu erregen. All jene die auf fallende Kurse mit den richtigen Optionsscheinen, Zertifikaten oder Hebelprodukten spekulierten waren des abends vermutlich Alkoleichen im feierlichen Überschwang, all jene die eher konservativ veranlagen verbrachten den Tag wohl weniger feierlich. Hochkonjunktur haben jetzt natürlich die Medien die dem Bürger mit allerlei Erklärungsmodellen darstellen wollen warum es so kam und warum demnächst die Wirtschaftswelt untergehen wird. Die wahren Gründe jedoch für die Kursverluste waren ganz andere...

Die wahren Gründe
Wir sprachen mit den stets gut desinformierten Analysten der Unterneuntupfinger Kreissparkasse die bei zwei Schalterkunden pro Tag auch ausreichend Zeit für ein Interview hatten. Sie nannten uns sorgfältig analysiert folgende wirkliche Gründe für die Kursverluste:

  • USA: in gut unterbelichteten Kreisen hält sich das Faktum dass George W. Bush mit einem Militärputsch an der Macht bleiben wolle für den Fall dass Obama die Wahlen nicht gewinnen sollte. Viele amerikanische Unternehmen wollen daher nach Bochum abwandern, der Dow Jones entsprechend unter Druck.
  • Deutschland: zuerst Lisa Bund im Krankenhaus, dann hatte Flocke das Eisbärmädchen einen leichten Schluckauf und nun wollen führende Politiker nur mehr Handymarken verwenden die in Deutschland produzieren - das kann der Wirtschaftstandort nicht verkraften. Die Frankfurter Börsianer in Panik, der DAX 7% im Minus.
  • Schweiz: in der Schweiz fährt die Cervelatkrise nun richtig rein (wir hatten ja bald genug gewarnt), der SMI 5% im Minus und das war erst der Anfang.
  • Österreich: in der wichtigsten Leitmetropole Graz fanden Gemeinderatswahlen statt bei denen Österreichs führende Wirtschaftskompetenzparteien, die Kommunistische Partei Österreichs und die Sozialdemokratische Partei Österreichs, herbe Verluste einfuhren. Österreichs Wirtschaft fürchtet nun zurecht neuseeländische Verhältnisse, der ansonsten stets beschauliche ATX mit über 4% im Minus.
  • China: es ist ein Sack Reis umgefallen in China. Dummerweise genau jener mit dem die IOC Spitzenfunktionäre bei der Olympiade bewirtet werden sollten. Um Ersatz aufzutreiben muss zuerst die Generalversammlung der KP Chinas zusammentreten. Dies könnte zeitlich verdammt knapp werden, Shanghai kräftig im Minus.

Fazit
Wir empfehlen allen die kein tieferes Wissen über die Finanzmärkte besitzen sich mal das 30-Jahres-Chart eines der großen Aktienindizes anzugucken. Was heute ein großer Ausschlag sind sanfte Dünen über einen langen Zeitraum betrachtet. Kein Grund also die Panik zu verlieren. Wer spekulativ veranlagt ist mag sich vermutlich derzeit bis unter die Kellerdecke mit Puts eindecken (und dabei gute Stopp-Marken setzen, technische Intradaykorrekturen können eine ekelhafte Sache sein). Wer keine Ahnung hat sollte sich am besten aktuell ein goldenes Hinterteil als Crashprophet verdienen, denn wenn eine Herde panisch in eine Richtung trampelt ist der Besonnene stets der erste der ignoriert und in den Boden gestampft wird...

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Weitere Artikel rund um Mensch und Wirtschaft:
Alternativen zum Shareholder Value
Populäre Formen sein Geld zu verbrennen
Warum Sie in der Arbeit von 100% Schurken umzingelt sind

(Bild: Image*after / Imageafter terms)

20.11.2007

Alternativen zum Shareholder Value

Im letzten Jahrzehnt ist nicht nur aber vor allem in diesen Breiten das Shareholder Value Prinzip des Wirtschaftens sehr ins Gerede und auch in den Verruf gekommen, insbesondere bei jenen die keine Lust haben selber in ihrem Leben Risiko & Anstrengung zu übernehmen. So hat man u.a. den Stakeholder Value als Gegenkonzept entworfen. Allerdings gibt es noch eine Reihe weiterer populärer Wirtschaftungsentwürfe die es unverständlicherweise bislang noch nicht in die Lehrbücher geschafft haben...

Shareholder & Stakeholder Value
Wir wollen unsere LeserInnen hier nicht mit einem komplexen betriebswirtschaftlichen Diskurs langweilen sondern erlauben uns die beiden Betriebsführungsprinzipien anhand eines ganz banalen Beispiels zu erklären. Stellen Sie sich vor Sie führen eine kleine Würstelbude. Wenn Sie diesen Laden so führen dass Sie selber etwas davon haben (zB ein Einkommen) - weil schließlich müssen Sie auch den Kopf hinhalten wenn der Laden den Bach runter geht - dann machen Sie das nach Shareholder Value. Dieses Prinzip wurde von vielen Leuten die gar keine Lust haben das Risiko & die Arbeit auf sich zu nehmen eine Würstelbude zu führen als unbefriedigend beurteilt.

Daher hat man das Stakeholder Prinzip eingeführt: hier führen Sie den Laden so dass nicht nur die Kunden & Lieferanten zufrieden sind, sondern auch die Kommune in der Ihr Laden steht und die Ihnen das Leben mit Auflagen und Bürokratiekram schwer macht, die Gewerkschaften von Mitarbeitern die sie gar nicht anstellen weil sie den Laden alleine führen, die Gewerbeinnung bei der Sie gar nicht Mitglied sein wollen, und auch die Nachbarn die von Ihnen noch kein einziges Würstchen gekauft haben, aber Sie dafür zweimal verklagt haben wegen Geruchsbelastung. Gerade im deutschsprachigen Raum versteht man zweiteres Prinzip als optimales Anreizsystem für Unternehmertun in der idealen sozialen Marktwirtschaft.

Stateholder Value
Wer selber weder den Mut, noch die Kompetenz und schon gar keine Lust hat sich mit eigenverantwortlicher Arbeit zu ernähren sondern lieber von den anderen lebt (die dafür als Dank heftig für ihre gierige Profitmaximierung kritisiert werden) verfolgt das Stateholder Prinzip: soviel wie möglich vom Staat abräumen und so wenig wie möglich selber darin einzahlen. Menschen die nach Stateholder Value leben sind das Fundament jeder starken sozialen Marktwirtschaft.

Chairholder Value
Der Chairholder Value, auch Sesselkleber-Prinzip, wird besonders in der Politik, in Funktionärskreisen, aber auch in Volkswirtschaften mit strengem Kündigungsschutz geschätzt. Hier besteht das Ziel sich maximal ohne jede erkennbare Leistung für den welcher einen bezahlt zu bereichern und den eigenen Stuhl so abzusichern dass man selbst bei einem Vergehen nur woanders hin versetzt werden kann wo man dasselbe Geld bekommt, allerdings für noch weniger Verantwortung.

Steakholder Value
Wer nach dem Steakholder Value Prinzip lebt belastet sich nicht mit unnötigen wirtschaftlichen Fachkenntnissen sondern betreibt ein Personal Simplification Management: ist die Fleischportion am Teller groß genug dann ist alles in Ordnung, ansonsten wird solange gegen "die da oben" geschimpft, gestreikt, demonstriert, geklagt bis die Fleischportion wieder stimmt. In sozialen Marktwirtschaften ein sehr effizientes System. In völlig freien Marktwirtschaften sorgt es hingegen für besondere Schlankheit.

Scheckholder Value
Sehr materialistisch gesinnte Frauen im knusprigen Alter mit wettbewerbsfähiger äußerer Hülle berechnen den Sex Appeal von Männern gerne über den Scheckholder Value, je solventer der Typ desto attraktiv. Diese Sorte von Damen lebt privat bestens organisiert und hält sich je mindestens einen Mann für Schick, Scheck & Schock. Ersterer ist das Teil das frau auch in der Öffentlichkeit herzeigen kann ohne dass frau sich schämen muss dafür, Dritterer für die Erfüllung hormoneller Wünsche zuständig.

Sheepholder Value
Das Schafhalterwert beschreibt ein sehr einfaches Wirtschaftsprinzip wie es von den meisten Menschen betrieben wird die zwar doch zu Arbeit & Erwerbsmühe neigen, sich aber nicht mit den Details belasten wollen. Das Denkprinzip ist einfach: je mehr Schafe, Schweine oder Scheine auf einem Haufen desto besser. Und am Monatsende schauen wir dann ob es gereicht hat. Und der Steuerberater / Insolvenzberater erklärt einem am Schluß dann in unverständlichen Worten warum es nicht gereicht hat.

Spearholder Value
Klassisches Wirtschaftsprinzip das sowohl für juristische als auch natürliche Personen jeder Erwerbsart seit Menschengedenken die eigentliche Grundlage ist: wer den größeren Speer oder die größere Waffe besitzt diktiert den Preis und die Konditionen. Man ist also (auch bei den zuvor besprochenen Values) immer gut beraten etwas zu besitzen oder zu verkörpern was einem die Möglichkeit gibt andere in die Abhängigkeit zu treiben. Und wenn es - falls man selbst zu einem ungesunden Übermaß an Edelmut leidet - bloß dazu dient Nachteile abzuwehren.

Wacholder Value
Dieses Prinzip wird vor allem von älteren Ladys verfolgt die im Leben bereits etwas erreicht oder ihr Erbe nicht sinnlos verprasst haben und sich somit im Ruhestand einen gewissen Standard leisten können. Diese Ladys fliegen dann zB würdevoll nicht mit Ryan sondern mit der British Airways und lassen sich wacholdermäßig während des Flugs stilvoll & gelassen mit einer ausreichenden Dosis Gin Tonic vollaufen.
Da wir spontan tiefe Sympathie mit diesem Prinzip verspüren werden wir hier unterbrechen und die Redaktionsarbeit heute mit entsprechender praktischer Postevaluation beschließen...
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Weitere Artikel über Wirtschaft, Finanzen und sonstige Aspekte die besonders gerne von Leuten besprochen werden die von praktischer Selbsterfahrung unbelastet loslegen können:
Wie man ein Volk richtig zu Heuschrecken erzieht...
Populäre Formen sein Geld zu verbrennen
Frührentnertum will gelernt sein

(Bild: KillR-B / stock.xchng / Royalty free)

12.11.2007

Populäre Formen sein Geld zu verbrennen

Diskussionen über Wirtschaft & Fussball verlaufen in deutschsprachigen Landen sehr ähnlich: besonders heftig und emotional lehnen sich gerade jene ins Zeug die das selber noch nie persönlich auf professioneller Ebene gemacht haben. Und je weniger Praxiserfahrung einer hat desto mehr fühlt er sich als Experte. Wirtschaftsanalphabetismus schlägt auch ins private Geldleben nieder. Die populärsten Wege wie Sie heute Ihr Geld richtig verlustbringend veranlagen können...

Rahmenbedingungen
Das Glücksspielbusiness boomt, nicht wenige Experten meinen deshalb weil viele Menschen längst keine Hoffnung mehr hätten mit anständiger Arbeit zu Wohlstand zu kommen. Gleichzeitig gibt es Massen die das progressive Steuersystem sogar verteidigen - ein System das wie bei einem Hometrainer die Schraube immer mehr andreht je mehr man sich Mühe gibt. Ein hocheffizientes Leistungsbestrafungssystem das dafür sorgt dass 90% der Bevölkerung stets gleich arm bleibt. Aber Solidarität und so, frage nicht! Einem Volk das keinerlei Verständnis für Finanzen und wirtschaftliche Zusammenhänge hat kann die Politik alles einreden, und viele Menschen sind in Diskussionen noch wild entschlossen ihr Unverständnis mit aller Verbalgewalt zu verteidigen. Wie in der Fankurve West, weil die eigenen Farben wollen lautstark unterstützt werden. Auch wenn es bereits gegen den Abstieg geht.

Politikabgaben
Selbständig Erwerbstätige die selber die Buchhaltung machen wissen wohin das viele Geld zwischen Umsatz und dem kärglichen Rest am Schluß hingeht. Diese Erwerbsgruppe ist hierzulanden allerdings in der Minderheit, die meisten unselbständig Erwerbstätigen haben absolut kein Gefühl wieviel Differenz zwischen dem liegt was der Dienstgeber bezahlen muss und zwischen dem was netto nach Abzug von allen Pflichtabgaben übrigbleibt. Genau in dieser Differenz findet die größte Vermögensvernichtung statt durch Politik und politiknahe Sozialinstitutionen. Diese Mitgliedschaften kann man nur durch Auswandern kündigen. Viele Menschen hingegen leisten sogar noch zusätzlich freiwillige Abgaben an Parteien oder Institutionen des Klassenkampfs, als wäre die Parteienförderung aus Steuergeldern nicht genug. Und Menschen sind sogar noch steuerngeil - verfolgen Sie beliebige Tageszeitungen oder Foren, Sie werden nicht lang suchen müssen um Beiträge der Art "Wir brauchen endlich eine Steuer für..." zu finden. Irgendwie ist es kein Wunder dass in diesen Breiten Unternehmertum eine Außenseiterveranstaltung ist.

Die bösen Multis
Seit Jahrzehnten versuchen die Autofahrerklubs vergeblich den Menschen klar zu machen dass der größte Preistreiber und Wegelagerer beim Benzinpreis der Staat ist. Umsonst, die Menschen lassen sich begeistert gegen böse Ölmultis und raffgierige Ölspekulanten aufhetzen. Die Leute glauben fest daran dass die Ölmultis riesige Geschäfte machen und wollen wissen dass der Ölpreis ständig ins Astronomische steigen wird. Nichtsdestotrotz kaufen Sie aber keine Wertpapiere auf Öl oder Aktien auf Ölmultis um an den bösen Profiten teilzuhaben die sie vermuten: damit könnte jedermann spielend ein paar Tankladungen im Jahr hereinholen.

Weltrettung
Besonders beliebt gerade unter sozial gesinnten jungen Menschen die ihr erstes eigenes Geld verdienen (durch Staat oder sogar Arbeit) sind Mitgliedsbeiträge an dubiose Umwelt-, Gesellschafts-, Tier- oder Weltrettungsorganisationen. Eigentlich haben diese Beiträge meist den Charakter einer Kirchensteuer und ermöglichen selbsternannten Weltrettern ein Leben das sie in freier Wirtschaft niemals hätten. Für das was sie vorgeben zu retten ändert sich im besten Fall gar nichts. Vermutlich ist es eine freiwillige Sozialabgabe um die Weltretter vor der Straße zu bewahren.

Konsum
Ein sinnvolles Geldleben würde bedeuten sein Leben so zu führen dass man je länger man fleißig war desto eher kommt man in die Situation dass man nicht mehr für sein Geld arbeitet, sondern das Geld arbeitet für Dich. Die einen scheitern daran dass Geld ideologisch belastet sei und sowieso pfui. Die anderen verbraten ihr Geld für alles was sie nicht wirklich brauchen im Konsum und was keine Rendite verbringt. Natürlich sollte man sich auch etwas gönnen, und natürlich sollte man achten nicht in schiere blanke Geldgier zur verfallen, aber wenn man es sich ohne Staat leisten will relativ bald nicht mehr arbeiten zu müssen hat die Natur davor kaufmännisches Handeln gesetzt. Ein besinnungsloses Grundeinkommen für alle zu fordern geht allerdings um etliches bequemer.

Hochspekulative Termingeschäfte
Die größten Risikospekulanten sitzen nicht hoch oben in gläsernen Bankenvierteln, sondern sind die Masse der Mitbürger unter uns. Viele Millionen Menschen hierzulanden bevorzugen regelmäßig hochriskante Termingeschäfte. Die Wertpapiere laufen oft nur wenige Tage, nur eine absolute Minderheit der Anleger erzielt tatsächlich gigantische Rendite während die Wertpapiere bei den meisten am Fälligkeitstag wertlos verfallen. Die Emittentin hingegen macht Riesenprofite. Man nennt es Toto oder Lotto.

Bankförderung
Wenn der durchschnittliche Bank- & Versicherungskunde beim Autokauf genauso vorinformiert zum KfZ-Dealer schreiten würde wie bei Bankgeschäften so käme er von einem Gebrauchtwagenhändler mit einem alten Waffenrad zum Preis eines neuen Porsches zurück und hätte sogar das Gefühl ein Schnäppchen erzielt zu haben. Banken, Versicherungen und diverse unabhängige Finanzoptimierer leben von der brachialen Uninformiertheit der Sparer und Anlager. 90% aller Fonds zB schlagen nicht mal den Index. Sparer lieben professionelle Produkte bei denen Gewinne versprochen werden die dann von Managementgebühren, Ausgabeaufschlägen, Rücknahmeabgelten, Zeilengebühren, Spaltengebühren, Verwaltungsgebühren und Gebührenverwaltungsgebührenspesen aufgefressen werden. Sollte ein Bildungsminister jemals ambitioniert vorhaben ordentliche Wirtschafts- & Finanzkunde im Unterricht durchzusetzen wird er vermutlich nicht mal die Begutachtungsphase des Gesetzes überleben weil ihm möglicherweise ein seltsamer Unfall zustoßen wird.

Bilanz
Die nächsten Jahrzehnte werden hierzulande spannend. Menschen die auch ein gesundes Geldleben führen denken auch ganz privat unternehmerisch und nicht unterlasserisch und wandern zunehmend aus. Die Politik hat kein Interesse an einer wirtschafts- & finanzkundigen Bevölkerung: sie würde die bestehender Politiker- und Sozialfunktionärsgeneration mit einem nassen Fetzen aus dem Land jagen. Und so werden die Expertenrunden im Laber-TV und in den Internetforen solange noch weitergehen bis keine Wirtschaftskundigen (kleine wie große) mehr da sind die das Umverteilen finanzieren...
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Wirtschaftskunde mit Erdnüssen
Wie man ein Volk richtig zu Heuschrecken erzieht...
Frührentnertum will gelernt sein

(Bild: asterisco / stock.xchng / Royalty free)