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02.01.2009

Gewalt von Rechts : Morddrohung gegen Bürgermeister Unterneuntupfings

polizei Nach einem Beschluss des Unterneuntupfinger Gemeinderats gilt der hiesige Bürgermeister ab sofort durch Morddrohungen von Rechts bedroht. Er sei unter besonderen Schutz der Polizei zu stellen, wobei glücklicherweise der Unterneuntupfinger Dorf-Gendarm, des Bürgermeisters Sohn, noch zuhause bei den Eltern lebt...

Regionalmarketing für Unterneuntupfing

Unterneuntupfing ist ein verschlafenes Nest. Hier gibt es Gott sei Dank weder Linksextreme, noch Rechtsextreme, noch religiöse Fanatiker. Und wenn, dann würden die Einheimischen dafür sorgen, dass sie nicht lange bleiben. Allerdings auch keine Touristen, wodurch Unterneuntupfing ein klassischer Bedarfsfall für Regionalmarketing wäre.

Erfolgsmodell Hans-Peter Gossel & Warin

Spezialisten im Gebiet Regionalmarketing sind u.a. die Leute der Werbeagentur GVR Gewalt-von-Rechts Ges.m.b.H., die angeblich zuletzt auch die erfolgreiche Kampagne für regionales Marketing rund um den Wariner Bürgermeister Hans-Peter Gossel gestaltet hat. Wir sprachen mit Agentur Chef Hans-Rüdiger von Kesselschlacht über erprobte Erfolgsrezepte.

Modernes Regional Marketing im Interview

UNTERNEUNTUPFING Aktuell : Regionalmarketing durch Gewalt von Rechts, was steckt dahinter?

von Kesselschlacht : "Die meisten unserer Kunden, unbedeutende Gemeinden in noch unbedeutenderen benachteiligten Regionen buchen gerne unser HITLER-Programm. Es steht für Höhepunkte-im-Tourismus-liefern-extreme-Rechte."

Brauchen also Gemeinden und Landstriche Rechtsextreme?

"Nein, sie brauchen keinesfalls Rechtsextreme, aber Medien die davon berichten, dass dort welche wären. Mit kaum einem anderen Sachverhalt, ist er auch noch so erstunken und erlogen, lässt sich in Deutschland derartige Aufmerksamkeit erzielen. Wir inszenieren rechtsextreme Bedrohungen."

Aber dazu brauchen Sie doch Rechtsextreme?

"Überhaupt nicht. Wir engagieren meistens einen Bürgermeister oder einen sonstigen Offiziellen, der nicht nur geistig nicht ganz bei sich ist, aber sich gerne bedroht fühlt. Dann deponieren wir in einem einschlägigen rechtsextremen Medium, z.B. Altermedia, irgendeinen Kommentar, der auch nur irgendwie als Morddrohung ausgelegt werden könnte. Dazu reicht heute schon ein Satz wie 'Der Himmel ist blau.'"

Führen Sie damit nicht Polizei und Staatsanwalt an der Nase herum?

"Überhaupt nicht, die sind natürlich eingeweiht und spielen ihre Rolle gegen eine kleine Spende für den Polizeisportverein oder den Richterball hervorragend mit. Anschließend deponieren wir in einem linksextremen Medium wie z.B. Indymedia, dass es eine rechtsextreme Morddrohung gegeben hätte. Mehr muss man nicht tun, die wichtigsten Journalisten des Landes informieren sich dort ohnehin täglich."

Aber wenn sich dann herausstellt, dass die Sache ein Fake war?

"Unserer Erfahrung nach reicht es, wenn die Hysterie zwei Wochen lang durch die Leitmedien geht, um einen Ort bundesweit bekannt zu machen. Da keine der Medien den Mumm besitzt zuzugeben, einer Ente aufgesessen zu sein, gibt es auch keine Gegendarstellungen. Meistens sind wir dann ohnehin schon für die nächste Kampagne im nächsten Ort gebucht."

Gewalt von rechts hilft modernem Kommunalmarketing

Wir bedankten uns bei Herrn von Kesselschlacht und hatten das Gefühl, unglaublich viel über effektives Regionalmarketing im modernen Deutschland von heute gelernt zu haben...

Weitere Artikel zum wichtigen Kampf gegen Rechts™ :

( Bilder : smith)

13.12.2008

Multiple Orgasmen mit Silan Sensual Aromatherapie Waschmittel?

laundry Ein normal intelligenter Mensch weiß, dass er sicherheitshalber das Hirn komplett ausschalten sollte, wenn im Fernsehen oder Radio der Werbe-Block kommt, schon aus Schutz der eigenen geistigen Gesundheit. Aber manchmal vergisst man irrtümlich, und bekommt eine intellektuell verheerende Werbe-Botschaft voll ins Hirn geknallt...

Werbung muss grundsätzlich nicht realistisch sein...

Okay, Werbung soll ja auffallen. Werbung kann auch durchaus nervig sein, Werbung kann irritieren, oder Werbung kann auch polarisieren. Es gibt kaum ein Werbe-Budget das mehr verschwendet ist, wenn eine Kampagne so langweilig und unauffällig ist, dass niemand sie bemerkt.

...aber sollte nicht peinlich für die Agentur sein

Allerdings kann Werbung auch so richtig peinlich sein. Nämlich für die Agentur die eine Kampagne verbrochen hat. Besonders beliebt bei Marketing-technischen Selbstfallern sind zwei Kategorien : Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung mit Zielgruppe Kinder, und dabei ein Text wie Erwachsene glauben wie Kinder reden würden. Wir sprechen hier von Kampagnen, in denen Kinder-Darsteller mit der Peitsche am Set gezwungen werden Worte zu verwenden, die sie selber niemals sagen würden, auch nicht unter Crack und Spice.

Werbung, von Frauenverstehern entworfen

Die zweite Kategorie ist jene Form von Werbung, bei denen der Konsument sofort merkt : hier haben Männer eine Kampagne gemacht, die als absolute Frauenversteher so formuliert & getextet haben, wie sie fälschlicherweise glauben, dass Frauen so ticken. Männliche Werbetexter und Creative Directors, die wohl privat in Singlebörsen hunderte blumige Mails schreiben und zurecht niemals eine Antwort bekommen.

Silan, das sinnliche Aromatherapie-Waschmittel

Derart eindrucksvoll scheint die neue Kampagne für das Waschmittel Silan Aromatherapie (Emotion oder Sensual) gelungen zu sein. Der Spot, ausgeschmückt wie ein Feng Shui Overkill mit Worten wie sinnlich, Emotionen, Gefühle (vermutlich war Shakti-Orange und Aura in 20 Sekunden nicht mehr unterzubringen) zeichnet das angebotene Waschmittel als esoterisch-erotische Wunderwaffe für die Frau (oder die stockschwule Parade-Tunte), welche beim Wäsche waschen - wie alle Frauen das in der Realität so machen - in romantisch gefühlvollen sinnlichen erotischen Gedanken schwelgt.

Sinnlich emotionale, die Aura schmeichelnde, stinkende Socken

Frauen, die selbst die stinkenden Socken und die genässte und wieder getrocknete Unterwäsche als Teil ihrer eigenen weiblichen femininen Göttlichkeit begreifen. Multiple Orgasmen hätte der TV-Spot sicherlich zum Drüber Streuen auch noch versprochen, aber damit könnte man nicht in der besten Sendezeit werben.

Allerdings, so ehrlich muss man auch bei kritischer Auseinandersetzung mit dem intellektuellen Gehalt dieser Kampagne und deren gnadenlos realistischen Erreichung der Zielgruppe sein : der TV-Spot erwähnt nicht, ob Silan Aromatherapie Sensual auch in die Waschmaschine gehört. Vielleicht muss Frau es ja trinken, oder sich damit an intimen Körperstellen einreiben?

Weitere Artikel rund um Marketing & Werbung :

( Bilder : Yves Lorson)

22.08.2008

IKEA : wohnst Du schon, oder bastelst Du noch?

ikea Manche Hersteller schaffen es über die Jahre, in den allgemeinen Sprachgebrauch als Marke überzugehen. Im englischsprachigen Raum xeroxed man z.B. wenn man kopiert, und hier nimmt man natürlich keine Klarsicht-Klebestreifen, sondern Tixo oder Tesa. Und bei Möbel denkt man unweigerlich an IKEA...

IKEA - das DU zum Prinzip gemacht

Das schwedische Möbelhaus mit dem Elch hat sich in den letzten Jahrzehnten ins kollektive Gedächtnis gebrannt, mit all seinen Eigenheiten. Vor knapp hundert Jahren waren Möbel noch etwas, was man sich entweder selber mühsam schreinerte, oder teuer beim Tischler kaufte. Der Hausfreund - wo etwas auf sich hält - versteckt sich aber IKEA hin oder her seit Jahrhunderten immer noch in jedem Schrank.

Nichtsdestotrotz, auf persönliche Bindung legt man bei IKEA wert. Ob Geschäftsführer oder Portier, man ist bei IKEA mit jedem per Du, auch wenn Mensch mit so manchem Kollegen nicht mal per Sie sein will. Unternehmenskultur nennt man das. Und so spricht man in der Werbung auch den Kunden gleich mit Du an, so wie es unter der einfacheren Masse üblich ist. Mit der versnobten knöchernen Minderheit der Gesellschaft, die es lieber förmlich haben will, macht man sowieso keine Umsätze, außerdem lassen die ihre Möbel wo anders machen.

IKEA - nicht schämen, wenn man es sich selber macht

Egal, ob mit Möbel aus den Heimwerker Märkten, oder mit Selbstbau-Möbeln vom schwedischen Original, IKEA hat es gesellschaftsfähig gemacht, dem Kunden einen Haufen Holzbauteile die nie wirklich zusammen passen zu verkaufen, zusammen mit einer unverständlichen Bauanleitung, die vermutlich von chinesischen Textarbeitern vom Schwedischen über das Koreanische ins Deutsche übersetzt wurden.

IKEA Katalog

Es gibt tatsächlich Leute, die lieber im rechten Stück blättern würden...

Unverzichtbarer Bestandteil jedes Möbel-Selbstbaukastens sind natürlich auch jene 2 wichtigen Schrauben oder Dübel, die am Ende immer fehlen. Und hat man wider Erwarten den gekauften Holzhaufen dennoch zu einem einigermaßen ansehnlichen Kasten oder Schrank zusammen gebaut, dann bleiben am Schluss immer ein paar Teile über, die in der Anleitung nicht vorgekommen sind, so aussehen als ob sie unbedingt in das Möbel gehörten, aber jetzt ist es ja schon fertig.

Traditionell legt man dann die überschüssigen Latten, Muttern, Schrauben etc. unten hinten in die letzte Schublade des neuen Kästchens, zusammen mit der Folie und der mittlerweile nun verknitterten und unprofessionell mit Holzleim verkleckerten Bauanleitung. Wenn das neue Möbel doch noch über Nacht wieder auseinander fällt, dann wird man jene Teile womöglich noch brauchen können.

IKEA - wenn Möbel einen Namen tragen

Andere verkauften Jahrzehnte lang einfach nur Möbel. IKEA ist auch deshalb berühmt geworden, weil sie die Ersten waren, die Möbel phantasievoll personalisierten. Ob nun der Massagestab Björn oder die Lümmeltüte Krummhilda, auch der kleinste Becher bekommt einen passenden Namen. 

Man mag diese Strategie belächeln, aber vielleicht hat der IKEA Gründer Ingvar Kamprad schon vor Jahrzehnten voraus geahnt, dass es mal eine Zeit gibt, wo politische (Schein-) Korrekte eine Hatz auf alles machen werden, was man irgendwie in Zusammenhang mit der dunklen Nazi Zeit ziehen kann oder will. Da besser doch ein Regal nach einem unbekannten alten Schweden benennen...

Artikel, die mit diesem in keinerlei Zusammenhang stehen:

( Bilder : OiMax, pinkbelt)

15.06.2008

Werbefinanziert - durch Werbung gratis für den Konsumenten

Werbung im öffentlichen Verkehr Werbung nervt. Allerdings wären viele Produkte & Dienstleistungen heute für Leute mit kleiner Geldbörse unerschwinglich, wenn nicht durch plakatierte Werbung billiger, oder gar gratis und kostenlos. Bei wirklich teuren Dingen besteht allerdings noch eine Menge Potential für Werbefinanzierung...

Wo Werbung bereits heute Produkte & Leistungen kostenlos macht

Der moderne Internet Mensch ist gewohnt, dass er fast alles im Internet gratis konsumieren kann, oder kostenlos runterladen kann, weil Werbung einen Seite finanziert (oder zumindest finanzieren soll). Es gibt bereits Mietwagen Anbieter, die Mietautos deutlich günstiger vermieten, wenn der Konsument den Mietwagen als fahrende Litfaßsäule durch die Stadt kutschiert. Vom Privatfernsehen ganz zu schweigen, wo die Sender 8 Werbeblöcke abends jeweils durch mehrere Spielfilm Fragmente unterbrechen.

Was Werbung vielleicht noch gratis machen sollte für den Konsumenten

Wenn der moderne Bürger heute einen Kassensturz macht (und keiner zweifelhaften Ideologie anhängt und ein wenig Kostenrechnung kann), dann entdeckt er rasch wohin der Großteil seines sauer verdienten Geldes geht: etwa an den Staat, oder auch in das kranke Gesundheitswesen.

Politiker & Gesundheitswesen werbefinanziert

Wäre es nicht schön, wenn man eine schöne Stange Steuern sparen könnte durch Werbefinanzierung von Staat & Politik? Man stelle sich dramatische Steuerersparnisse vor, indem man sich als Werbefläche anbietet, und z.B. Kurt Beck, Christoph Blocher oder Alfred Gusenbauer auf die Stirn gemalt mit sich herumträgt (diese Herren dürften im Augenblick am meisten bringen - die teuersten keywords also - weil am unbeliebtesten, ungeachtet wofür sie politisch stehen oder nicht stehen)? Weiße Arztkittel ohne Sponsor Aufkleber sind zudem eine gigantische Verschwendung von Werbefläche, auch da könnte man mehr daraus machen, und vor allem für den Patienten gratis und kostenlos.

Werbung kann einen umbringen - gratis und kostenlos

Zoo & Tiergarten - werbefinanziert und kostenlos

Die Guantanamos für unsere Mitgeschöpfe fressen oft große Löcher in kommunale Haushalte, und vielerorts müssen Besucher sogar Eintritt zahlen. Ein Elefant der den ganzen Tag unnütz in der Gegend rumsteht ist eine massive Verschwendung von Werbefläche. Auch Landwirte wären nicht mehr so subventionsabhängig, würden sie ihre Schafe und Kühe endlich als Werbeträger erkennen und nutzen. Die Zukunft liegt sicherlich in der werbefinanzierten Landwirtschaft.

Bordell Besuch - werbefinanziert und kostenlos ?

Die steigenden Preise treffen natürlich auch das horizontale Dienstleistungsgewerbe, die Leute saufen (nach den Rauchverboten) nicht nur wieder mehr zu Hause, sondern auch ... nun, Sie wissen schon. Auch das müsste nicht sein: die Industrie der Erwachsenen-Unterhaltung steckt alleine im Internet jährlich Milliarden in Online Werbung. Solange dabei auf die analogen Dienstleister und -innen in den Rotlichtvierteln vergessen wird, kannibalisiert sich die Branche dabei selbst...

Weitere Artikel zu Werbung, Marketing und dem ganzen Rest

(Bilder: richardmasoner, LiveU4)

03.06.2008

Steuern auf Lügen und deren Auswirkungen

Lügen UWG Werbung Marketing Steuer Politiker, insbesondere je weiter sie abseits der politischen Mitte stehen, sind stets genauso einfallsreich bei der Erfindung neuer Steuern und Abgaben wie sie einfallslos sind bei Ideen zur Steuer- & Abgabensenkung. Eine Glanzidee hatte zuletzt der Österreichische Sozialminister mit seinem Einfall einer substantiellen Lügensteuer auf Werbung...

Die Lügensteuer des Minister Buchinger

Wie die Zeitschrift HORIZONT u.a. in der Printausgabe 18/2008 berichtete, hatte Österreichs Sozialminister Erwin Buchinger wieder einmal eine interessante Idee. Herr Buchinger, ein netter Mann - der wie manche meinen ideologisch zwischen Lenin und Ché Guevara angesiedelt sei (nur weniger gewaltbereit) -  meinte im Zusammenhang mit einer Gesetzesänderung gegen unlauteren Wettbewerb (UWG), dass Lügen in der Werbung fortan auch wirklich zu einer angemessenen Gewinnabschöpfung bei den Unternehmen führen sollte, und nicht bloß zu den bislang im UWG vorgesehenen Strafen.

Die Reaktionen darauf aus der Werbewirtschaft

Die Österreichische Werbewirtschaft ist seit Jahrzehnten ja allerlei von Politikern gewohnt (unter anderem das Ritual der mit jeder Legislaturperiode versprochenen und anschließend gebrochenen Abschaffung der Werbesteuer) und reagierte eher gelassen. Gleich mehrere Vertreter der Branche urgierten, dass diese Lügensteuer dann unbedingt auch auf die Politik und deren Wahlversprechen ausgedehnt werden müsste.

Lügen Steuern UWG Minister Buchinger Werbung

Der Bundeswahrheitsminister bei einer öffentlichen Anhörung.
(Bild: jimw / flickr / cc-by)

Erste Berechnungen

Wir haben das Forschungsinstitut für Kreative Volksausbeutung in Hintersiebenkirchen gebeten, den Vorschlag des Ministers Daumen mal Pipi durch zu kalkulieren. Dabei kam man zum Ergebnis, dass durch eine Lügensteuer zwar sowohl die Wirtschaft wie wir sie heute kennen zum Erliegen käme, als auch jede Ehe von keinem der Partner mehr finanzierbar wäre. Dehnt man jedoch die Lügensteuer auch auf die Politik aus, so wären sämtliche Staatshaushalte dieser Welt selbst bei 15jähriger Verjährungsfrist nicht nur saniert, sondern würden im Geld ersticken. Die durchschnittliche Parteienverschuldung hingegen läge bei rund 120% des Bruttoinlandsprodukts. Vielleicht also doch einen Versuch wert?

 

Weitere Artikel rund um Staat, Steuern und was sonst noch aufregt

Europa: Klimaweltmacht & Steuerwüste?
Populäre Formen sein Geld zu verbrennen
Forsche Klimaforscher

 

Ausgewählte lesenswerte Artikel zum Thema aus dem Web

Genosse Buchinger erkennt seine Aufgabe (UMTS Blog)
Sozialminister fordert 4 Prozent mehr Lohn für alle (King Balance)
Minister Buchinger und seine Ideen (Täterarbeit & Täterberatung)
Minister Buchinger und die 24-Stunden-Betreuung (Senf + Kren)

(Titelbild : technochick / flickr / cc-by)

23.05.2008

WOM: so funktioniert Mund-zu-Mund-Propaganda Marketing

Mund zu Mund Propaganda WOM Persönliche Empfehlungen von wichtigen Meinungsmachern sind immer noch am wirksamsten. Das weiß auch die Werbewirtschaft, und die lässt sich Word Of Mouth (WOM) Kampagnen teuer entlohnen. Und Ihr harmloser Kumpel von nebenan oder gar Ihr Ehepartner steht bei denen vielleicht auf der Lohnliste...

Wie heute Mund zu Mund Propaganda gemacht wird

Nicht nur die Spin Doctors gestalten Politik, auch ganz normale Unternehmen in Industrie & Handel bedienen sich heute der käuflichen Mund zu Mund Propaganda, online wie offline. Dabei züchten Werbeagenturen Early Adopters, besondere Kundenkreise und Szenevorreiter, versorgen sie mit Hintergrundinfos und Vergünstigungen, im realen Leben wie in den virtuellen Weiten der Internetforen und Social Dings Plattformen.

Warum WOM Kampagnen ziemlich teuer sind

Wenn Werbeagenturen sogenannte Meinungsmacher (opinion leader) akquirieren, dann ist das eben nicht gerade billig. Spezialisten bei den Agenturen müssen sich nächtelang durch Szenelokale durchsaufen, mit den richtigen Promis ins Bett gehen, oder die richtigen Leute oft und gerne zu opulenten Arbeitsessen einladen. Auch wenn diese nur unter großer Opferbereitschaft zu erbringenden Vorleistungen einer Kampagne dem Kunden dann (mit Aufschlag) weiter verrechnet werden, es lässt WOM nicht zu einem Schnäppchen für Kleinbetriebe werden.

Schwarzer Block Rote Fahnen G8 Protest Gegenprotest Demo

Erfolgreiche virale Word To Mob Kampagne eines bekannten Herstellers für Vermummungszubehör
(Bild: rastafabi / flickr / CC-BY)

Fazit

Wenn Sie zufällig eine atemberaubend attraktive Frau sind, vergeuden Sie ihre Zeit nicht länger bei Casting Shows oder mit Modelagenturen. Machen Sie sich mit WOM Werbeagenturen bekannt. Männer machen jeden Blödsinn den eine attraktive Frau für richtig hält, das sollten Sie monetarisieren.

Als Otto Normalverbraucher hingegen, der von niemandem für bedeutend gehalten wird, sollten Sie achtsamer durch die Welt gehen. Wenn Ihr Kind z.B. im Rampenlicht von vielen anderen Kids steht, streichen Sie ihm das Taschengeld. Es hat vermutlich bereits einen besser dotierten Vertrag in der Marketingbranche...

Weitere Artikel rund um Marketing im Internet und außerhalb:

Guter Ruf lässt sich kaufen
Dubiose Hersteller entdecken Asus Eee Hysterie
Hitler, wirtschaftlich betrachtet

(Titelbild: Grumpy Chris / Flickr / CC-BY)

06.05.2008

Dank Google BodyShow bald ein Blick unter die Bluse?

Google Body ScanDer Suchmaschinengigant Google hat die Welt mit so beliebten Diensten wie Google Maps, Google Earth oder Google StreetView beschenkt. Aber immer nur Gegend abzusuchen ist auf die Dauer auch öde. Neuesten Gerüchten zu Folge konzentriert sich der nächste Knaller der großen Suchmaschine endlich auf die Weiten des menschlichen Körpers...

Aufgekauft
Wie gut unterbelichtete Finanzkreise erfahren haben wollen, soll Google zuletzt wieder auf Einkaufstour gewesen sein. Und dabei die amerikanische Firma BodySonarLabs übernommen haben, ein Unternehmen das sich auf die piktografische Rekonstruktion von menschlichen Körpern spezialisiert hatte. Man sagt es gäbe bereits sehr weit gediegene Software-Prototypen, die aus einem beliebigen Foto oder Video, egal ob bekleidet oder unbekleidet, ein komplettes realistisches organisches Abbild eines Menschen erstellen können, samt Sommersprossen und Leberwerte. Ursprünglich für den medizinischen Bereich gedacht soll Google der Anwendung jetzt zusätzlichen und vor allem finanziellen Sinn einhauchen.

Abgescannt
Unter Insidern ist es seit längerem bekannt, dass der Google Bot schon seit Jahren nicht nur Webseiten oder Bilder scant, sondern der Bot hat sich längst in jeden Live Chat, in jede Webcam Übertragung und wie man munkelt auch in so manche Teledildoniksitzung reingehängt und Trilliarden an grafischen Daten gesammelt. Zusammen mit den Prototypen der Firma BodySonarLabs soll daraus eine einzigartige Körpersuchmaschine entstehen, und wie bei der herkömmlichen Google Suche nach Fotos und Videos natürlich verständlicherweise mit einer Filterung von Erwachseneninhalten, weil Google BodyShow zeigt angeblich auch wirklich jede Papille oder Chlamydie.

Beworben
Natürlich liegt der Reiz bei Google BodyShow für den Suchmaschinengiganten bei den Werbemöglichkeiten. AdSense entdeckt jede Fettschwarte und blendet dazu Schlankheitspillenanzeigen ein, ob bei kleinen Brüsten oder mickrigen männlichen Geschlechtsteilen, es könnte ein Paradies für kontextsensitive Werbung werden. Schönheitschirurge$n wiederum können gezielt ihre Anzeigen platzieren, je schiefer die Nase, je größer die Reiterhosen, desto attraktiver für die Werbewirtschaft.

Gesucht
Die Nutzer werden vermutlich Google BodyShow genauso begeistert aufnehmen, wie die bereits bekannten Dienste. Urlauber entlarven die fantasievollen Reiseprospektbeschreibungen über Google Earth, entdecken auch die schäbigsten Ecke in der Großstadt über Google Maps oder befriedigen ihren Voyeurismus über Google StreetView. Mittels Google BodyShow werden geknechtete Mitarbeiter endlich feststellen können wie klein ihr Chef wirklich gebaut ist, oder andere Leute ob Susis Vorbau echt oder aus Silikon ist (und dank Signatur im zweiteren Fall wo sie es hat machen lassen, plus Hyperlink ebendorthin). Politiker werden sich aus verständlichen Gründen fortan weigern sich ablichten oder filmen zu lassen, alleine deshalb kann, wenn die Gerüchte um Googles neues Projekt stimmen, dieser Dienst das tägliche Leben schon entscheidend verbessern.
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Weitere Artikel rund um Web 2.0, Google und das Internet:
Googlenoia
Empörungswelle über das Trafficbeschaffungsamt
lafontaine@deutschland.google.microsoft.yahoo.gov.cn

(Bild: stock.xchng / ezoeta / royalty free)

26.03.2008

Gender Mainstreaming vs Gender Marketing

Die Natur hat es nunmal so gewollt dass es den Menschen in zwei sehr verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt: Mann und Frau. Unterschiedliche Interessensgruppen begegnen diesem Phänomen auf unterschiedliche Weise - sehr wirtschaftsfremde Kreise möchten der Gesellschaft gendergemainstreamte Gleichschaltung aufdrängen, wirtschaftsnahe Kreise wie die Werbewirtschaft konzentrieren sich indes auf das Gender Marketing...

Gender Marketing
Intuitives Gender Marketing ist ja an sich nichts Neues. Schon seit Jahrzehnten werden Kosmetikprodukte so beworben dass damit besonders Frauen angesprochen werden, und Autozubehörteile eher so dass damit besonders Männer angesprochen werden. Professionelles Gender Marketing indes wird praktiziert wenn ein und dasselbe Produkt so verschachert wird, dass die Werbung dazu für Männer und Frauen unterschiedlich und angepasst gestaltet wird. Man denke hier zB an ein Navigationsgerät dass einmal mit einem pinken Cover und entsprechender eigener Kampagne für die Handtaschen der Ladies beworben wird, und dasselbe Teil nur mit Aludesign und eigener Kampagne für die technikgeilen Jungs. Professionelles Gender Marketing verspricht sich also durch gezieltes Ansprechen beider Geschlechter mehr zusätzlichen Absatz als die doppelgleisige Werbung zusätzlich kostet.

Coke Light vs Coke Zero
Manchmal kann es dabei sinnvoll sein ein und dasselbe Schluderwasser unter verschiedenem Namen unter die Leute zu schütten. Coke Light zB hat sich zum Trendgetränk für die figurbewusste Dame entwickelt. Begleitet von der üblichen lausigen Ernährung und angemessenem Bewegungsmangel betont es die Speckrollen um die Hüften, die fetten Oberschenkel und die laschen Hängebrüste die Richtung Nabelpiercing streben. Daher hat sich der Softdrinkhersteller entschieden jenen Drink der alles bietet was der Körper nicht braucht auch als Coke Zero herauszubringen: also für den figurbewussten Mann. Es betont (wiederum mit passender Fehlernährung und ausreichend Faulheit) den Bierbauch und den viel zu fetten Hintern aus dem ein paar blasse behaarte lächerliche Unterschenkel rausstacksen.
Quintessenz: wenn Sie ein echter Kerl und keine Tunte sein wollen trinken Sie also um Gottes Willen Zero und nicht Light. Und schon gar kein prickelndes Mineralwasser, weil da ist eine Menge klimaschändendes CO2 drinn.

Viel Luft nach vorne
Professionelles Gender Marketing steckt aber immer noch ein wenig in den Kinderschuhen. Zu viele Produkte werden immer noch nur jeweils von Männern oder Frauen gekauft, das ist noch viel Profit zu holen. Lippenstift zB könnte bei Herren dreistellige Zuwachsraten jährlich erzielen wenn es nur manngerecht an den Mann gebracht würde. Wenn es zB Viagra auch von L'Oréal gäbe würde so mancher Männerstammtisch in den rotesten Farben leuchten. Und Schweißgeräte die versprechen die Schweißerin schlanker aussehen zu lassen, die in Handtasche passen und im Guccidesign daherkommen hätten auch bei den Damen bessere Chancen.

"Bauknecht hat in Deutschland und der Schweiz zu Männer-Waschkursen geladen, damit 'echte Waschhelden' erfahren, dass rote Socken nicht mit weißer Wäsche gewaschen werden sollten."
Doris Rasshofer in der BESTSELLER Printausgabe 03/08. (möglicherweise ist also Bauknecht der wahre Auslöser für den politischen Linksruck in Deutschland?)

Oder doch Gleichmachung?
Ganz anders an die Sache geht jene Gesinnungsgruppe heran die immer mal wieder den Neuen Menschen erschaffen will, dabei alle gleich sein müssen, und die führenden Funktionäre natürlich gleicher. Unvergessen dabei zB die für schlappe 20000 Euro Steuergelder erstellte Gender Foresting Studie, ein Meilenstein im Bereich des Gender Mainstreamings. Der ideale gesellschaftliche Zustand nach Gender Mainstreaming wird dann hergestellt sein wenn auch Männer endlich Kinder austragen und die Kids mit ihrem Gesäuge stillen, und auch Frauen bei Prostata-Operationen nicht mehr länger auf einen Termin warten müssen als Männer.

Wie weit sind Sie bereits gendergemainstreamt? Und welches Produkt sollte Ihrer Ansicht nach endlich auch mal erfolgreich an das jeweilig andere Geschlecht vermarktet werden? Schreiben Sie uns.
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Weitere Artikel zu Geschlechtern, Werbung und sonstigen Gesellschaftsdings:
Die (Ohn)macht der Kritikerpäpste
Guter Ruf lässt sich kaufen
Vorschau auf die nächste Policorathlon-WM

(Bild: hofschlaeger / Pixelio / redaktionell und kommerziell)

01.02.2008

Hitler, wirtschaftlich betrachtet

Seit es Werbung gibt versuchen geschäftstüchtige Marketinggurus die Strahlkraft von Prominenten zu nutzen um überdurchschnittliche Profite einzustreichen oder Verkaufsziele aller Art beschleunigt zu erreichen. Speziell in Deutschland ist der profitabelste Promi ausgerechnet ein historischer Schlächter der eigentlich schon lange tot ist...

Jüngster Fall
In der Printausgabe 04/2008 des HORIZONT (die Wochenzeitschrift der österreichischen Werbewirtschaft, somit weitgehend vom Verdacht befreit in Deutschland irgendeiner Gesinnungsgruppe nahezustehen) zieht Rainer Seebacher Bilanz über die jüngste Affaire rund um den Dschungelcamper DJ Tomekk und dessen fragwürdiges Liedgut und Ansichten. Ein inkriminierendes Video des Herrn Tomekk hätte dem Portal Bild.de zu sagenhaften Clickraten verholfen, und auch der Ausschluß vom geschmacklich so trittsicheren TV Format hätte RTL neue Quotenrekorde gebracht. Herr Tomekk selber der zuvor nichtmal ein Z-Promi war braucht sich in Zukunft wohl auch keine Sorgen mehr um seine Bekanntheit machen. Rainer Seebacher sieht in seinem Fazit die Gefahr dass das Beispiel Schule mache und Adolf Hitler als Zitat Umsatzgenerator und Karriereturbo genutzt werde. Hand nach vorne gestreckt: haben wir das nicht längst?

Öffentlichrechtliche Beschallung
Es gibt Wochen im deutschen öffentlichrechtlichen Funk in denen Adolf Hitler mehr Sendezeit hat als der jeweilig amtierende Bundeskanzler. Obwohl Hitler bekanntlich gar nicht mehr im Amt ist. Ob Hitlers Tischdeckchen, Hitlers Schäferhunde oder die Helfer von Hitlers Helfershelfern, was nicht bereits tausendfach berichtet wurde wird eben konstruiert. Bezahlt aus dem Geld der Gebührenzahler. Guido Knopp ist vermutlich kein unvermögender Mann. Ob die GEZ Kunden das auch so bestellen würden wenn sie die Wahl hätten?

Mahnmalindustrie
Berlin hätte wirklich dringend die Renovierung oder den Neubau von Kitas gebrauchen können, von der Verbesserung der Gesundheitsversorgung ganz zu schweigen. Aber nein, es musste noch ein hektargroßes Mahnmal mit tausenden Stelen sein. Oder wie war das noch mit der Degussa? Geistig arm, aber sexy? Und wie sieht es mit dem Begriff Shoa Business aus, da war doch auch was? Wenn Sie in Deutschland als Kleinstunternehmer mit einer Würstelbude sich verkalkulieren dann fahren Sie am besten mit der Dampframme rein. Und verkaufen der öffentlichen Hand die Überbleibsel als Antisemitismusmahnmal. Soviel können Sie mit Würstchen niemals verdienen.

Mediengeschäft
Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an den Stern-Skandal rund um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Es waren für damalige Verhältnisse gigantische Summen im Spiel, und wäre das Krisenmanagement des Stern damals geschickter gewesen hätte man selbst aus dem Skandal noch viel mehr Geld herausholen können. Ob der jüngste Fall rund um DJ Tomekk, ob die komische Erinnerung von Frau Herman an deutsche Autobahnen oder zB in Österreich die extravagante Art Herrn Straches drei Bier zu bestellen: bei Konnotationen zur Nazizeit klinken regelmäßig die Hirne so verläßlich kollektiv aus dass die Quoten ein absoluter Selbstläufer sind, samt der damit eingehenden kollektiven Empörung (und der Empörung über die Empörten in Foren und Kommentarteilen von Onlinemedien). Ein Quotenrenner seit nunmehr 6 Jahrzehnten.

Quintessenz
Knut war irgendwann mal erwachsen und somit nicht mehr verwertbar, und auch Flocke wird irgendwann mal ein fader großer uninteressanter Eisbär sein. Hitler ist zwar schon über 60 Jahre tot, aber in Deutschland immer noch ein Schlager. Ob nun politische Gesinnungsgruppen, die Gedenkindustrie oder die Medien: sie alle sind skrupellos genug um auf dem Rücken der damals grausam zu Tode gekommenen Menschen vom seltsamen deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte zu profitieren, sei es mit Wählerstimmen, Geldern aller Art oder Quoten. Und es gibt genug Leute die starkes Interesse daran haben diese Epoche der Geschichte unbewältigt zu lassen um sie weiter auszuschlachten...
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Weitere Artikel rund um Nazis und den seltsamen Umgang Deutschlands mit seiner eigenen Geschichte:
Deutschland - Zuchtstation für Diktatoren?
Wird der Fall Göring neu aufgerollt?
DIN-genormtes Geschichtsbild Folge 7456

(Bild: Wikipedia / Public Domain)

04.01.2008

Guter Ruf lässt sich kaufen

Das Internet hat auch maßgeblich das Wirtschaftsleben verändert. Personalchefs recherchieren heute bei Bewerbern im Internet nach deren Gewohnheiten und sonstigen Auffälligkeiten, Unternehmen bezahlen schon mal Websöldner um ihr Image aufzupolieren oder Meinungen machen zu lassen. Und gerade bei negativen Flecken gilt in Zeiten von Suchmaschinen-Cachespeichern: was einmal im Internet ist kriegt man nie wieder weg...

Reputationsmanagement
Nachdem heute das Printsegment immer mehr gegenüber den Onlinemedien das Nachsehen hat wird es vor allem für Unternehmen immer bedeutsamer im Internet für gute Stimmung für das Unternehmen zu sorgen (notfalls mit virtueller Gewalt) und schlechte Meinungen sofort zu erkennen und diesen entgegenzutreten. Wer das Geld dafür hat beauftragt dafür externe Experten. Und es liegt nahe dazu SEOisten und Suchmaschinenprofis zu beauftragen (die nicht selten auch den schönen Begriff Reputationsmanagement im Angebotsportfolio führen), schließlich haben diese Leute nicht nur große Kenntnisse darin jeden Schrott in der Suchmaschine ganz nach oben zu bringen, sondern auch noch einen größeren Mangel an Skrupel darin Qualitätsmängel als Gold zu verkaufen. Und Blogs, Foren und Communities sind schließlich dazu da um etwas nach vorne zu pushen, und wenn es sein muß im Schnullerboard für Kinder bis 3 Jahren.

Egosurfing
Selber bewerten und andere bewerten lassen ist fixer Bestandteil von Web 2.0 Plattformen. Längst gibt es Bewertungsdienste für die eigenen Fotos, Lehrer und natürlich Hotels, neuerdings auch für Arbeitgeber. Noch populärer ist es für Unternehmen wie Privatpersonen nachzugucken was es im Internet zu einem selbst gibt, beliebt für das Ego Surfing sind zB die Personensuchmaschine Yasni oder Dienste wie wholinkstome. Und daneben gibt es schließlich noch genug Webmaster und Blogger die mehr Zeit mit Google Analytics (oder vergleichbaren Statistiktools) verbringen als mit ihren Haustieren oder Geschlechtspartnern, falls jeweils vorhanden.

Eine typische Personalrecherche der Gegenwart?
Modernes Personalrecruiting lebt heute von der Sorglosigkeit und dem um sich greifenden Exhibitionismus in der virtuellen Gesellschaft. Ein typisches Gespräch in einer Personalabteilung kann man sich etwa so vorstellen:

Personalchef: "Frau Berger, was konnten Sie im Internet über den Bewerber Müller in Social Networks, Foren, Communities, Blogs, Homepages und sonstigen Diensten herausfinden?"
Assistentin: "Nun, Herr Dr.Nettelstett, der Bewerber Müller ist wenn man sich die Fotos auf seiner Hobbyseite so ansieht ein begnadeter Trinker unter Gottes weiter Sonne und hat, Sie gestatten *kicher*, ein ziemlich mickriges Geschlechtsteil. In einem Politikforum vertritt er obskure Gesinnungen und in einem Börsenboard pusht er dubiöse Wertpapiere. Seinen Announce auf einer BDSM-Plattform zufolge betrügt er vermutlich seine Frau. Beim Onlinepoker dürfte er wenn ich es richtig gesehen habe mittlerweile 20 Riesen im Minus sein. Kurz gesagt ich habe leichte Zweifel ob er der ideale Aspirant für unseren offenen Posten als Bilanzbuchhalter ist."

Contraputation
Und dennoch muß man sich fragen: ist es wirklich sinnvoll einen makellosen reinweißen Ruf zu genießen? Heißt es nicht zB "Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert?". Oder wie oft betonen Sportmarketeers "Wir brauchen originelle Typen & Bad Boys, brave Champions verkaufen sich schlecht und sind langweilig"? Und wäre nicht Amy Winehouse zB eine gute aber wenig bekannte Sängerin geblieben wenn sie nicht durch ein paar Eskapaden ihre Bekanntheit angekurbelt hätte? Vermutlich sollten wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell eine Sonderredaktionssitzung einberufen um darüber zu beratschlagen mit welch hirnrissigen Aktionen wir unser Image ausreichend weit verschlechtern können um unsere Leserzahlen explodieren zu lassen...
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Weitere Artikel die mit diesem kaum in Zusammenhang stehen:
«Wir pushen jeden Web 2.0 Dienst in die Gewinnzone...»
Googlenoia
Alles nur Inszenierung

(Bild: jschutt / stock.xchng / Royalty free)

23.12.2007

Die (Ohn)macht der Kritikerpäpste

Seit es die Menschheit gibt unterteilt sie sich in eine kleinere Anzahl von Leuten die Dinge erschaffen, erfinden und vollbringen und eine viel größere Anzahl von Leuten die zwar selber nichts zustande bringen, aber über die Taten und Ergüsse anderer mosern und sich das Maul zerreißen. Jedoch nur der absoluten Verreißerelite ist es vergönnt zu mächtigen Kritikerpäpsten aufzusteigen, zweitklassige Schimpfer bleiben ewig verdammt im Kulturteil von Tageszeitungen wenig beachtete Verrisse zu schreiben (oder Lehrer zu werden)...

Den Suff zum Beruf
Unter der Schlagzeile Seine Urteile sind Gold wert - die Macht des Weinkritikers widmete die NZZ jüngst dem Weinguru Robert Parker einen ausführlichen Artikel. Darin wurde auch berichtet dass sein Newsletter 45000 Abonnenten hätte in über 40 Länder, und sein Urteil würde Weinpreise weltweit entscheidend beeinflussen. Fragt der Schelm sich was so die Urteile von Herrn Parker wohl beeinflussen werden? Wie auch immer, wenn man Kritikerpapst ist hat man es wohl geschafft. Und da man von keinem Kritiker der Welt irgendwie erwartet dass er/sie das schon mal selber gemacht hat was er/sie kritisiert ist dies ein verlockender Beruf den jeder ergreifen könnte.

Nicht nur in der Gastronomieszene sind Kritiken ein relevanter Faktor. Ein Buch zB das von Marcel Reich Ranicki verrissen wird ist mit hoher Wahrscheinlichkeit spannend, unterhaltsam, witzig und lesenswert. Und wenn ein Spitzenpolitiker von den eigenen Leuten überschwänglich gelobt wird ist er idR ein heißer Kandidat in nächster Zeit aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten zu werden. Doch nicht alle Coniferas auf einem Gebiet haben es bislang zu Prominenz gebracht wie nachfolgende Schicksale stellvertretend demonstrieren.

Kunst rasend
Jewgenji Blumentov, welcher in einem kirgisischen Bergdorf lebt, hat von einem Freund erfahren welche Möglichkeiten ein Kritikerpapst so hat. Aber da der kirgisische Wein verbesserungswürdig ist und halb Kirgisistan mehr über Ziegen weiß als er hat er sich eine vielversprechende Nische gesucht: Kunstrasen. Herr Blumentov stieg rasch zum führenden Experten für Kunstrasen, dessen Aufzucht, Schnitt und Düngung auf. Dummerweise bemerkte er zu spät dass in seinem Bergdorf weder Strom und schon gar nicht Internet existiert. Wodurch sich sein erster Newsletter wohl noch ein wenig verzögern dürfte.

Mit Gurken rumgurken
Einen etwas anderen aber nicht minder beeindruckenden Weg ist Heidelinde Sauertopf gegangen, die führende Spezialistin für Gurkenkonfitüre (-marmelade) im deutschsprachigen Raum. Ob nun Mousse aus feingerippten Spreewaldgurken, ein süßes Rösti aus der Appenzeller Almgurke oder Gelee aus der Marchfelder Säbelzahngurke, Frau Sauertopf kennt sie alle. Samt Zubereitungsrezepte, Haltbarkeiten und Verwendbarkeiten in der modernen Liechtensteinischen Süßspeisenküche. Einzig kennt umgekehrt niemand Frau Sauertopf wodurch sie ihren Newsletter vorerst nur an sich selbst verschickt.

Von Fallen zum Mausern
Tom Jerry wieder ist der ungekrönte König der Mausefallen. Der bekennende Messie hat in seinem Appartement in der Bronx ideale Voraussetzung für den Test von Mausefallen und Tötungsmaschinen für Nagetiere aller Art. 21mal landete er bereits bei Feldversuchen im Krankenhaus weil die Nager schlauer waren, welche sich wie man munkelt auch köstlich amüsierten über den Milchmann, den Postboten und den Zeitungsjungen welche nicht so helle waren und in ihrem Dienst fielen als sie Herrn Jerry besuchten. Mister Jerry weiß nun zwar mittlerweile fast alles über Mausefallen, aber da er völlig pleite ist kann er sich nicht mal ein Internetcafé leisten um Newsletter zu verschicken. Gerüchten zufolge will er sein Testlabor zu einem BDSM-Studio umbauen um wieder zu Geld zu kommen.

Mit Trigami Harakiri
Unter Bloggern herrscht der weitverbreitete Glaube alleine die Fähigkeit ein Blog eröffnen zu können reiche schon völlig aus um höchstverdienender Kritiker für alles werden zu können. Plattformen wie Trigami vermitteln Aufträge Blogrezensionen zu schreiben, etwas was gerade von Bloggern die nicht mehr Leser haben als das Fachblatt Kirgisischer Kunstrasen Heute gerne aufgegriffen wird. Allerdings dürfte das Glück nicht auf Seiten der virtuellen Nachwuchskritikerpäpste sein - man liest im Internet bald mehr Artikel von Bloggern die stinksauer sind über die erzielten Honoraren als Kritiken selbst. Metakritik an der lausig bezahlten Kritik. Eine Entwicklung die man sicher weiter kritisch betrachten wird müssen, schließlich ist die Finanzlage so manch hoffnungsvollen Kritikbloggers bereits kritisch...
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Jetzt hat es auch die Gurken erwischt

(Bild: okrobpr / stock.xchng / Royalty free)