31.10.2007

Allerscheinheiligen

Am 1.November wird in den katholisch geprägten deutschsprachigen Landstrichen traditionell ein Hochfest als Feiertag begangen - der Tag der Friedhofsgärtner und Friedhofsgastwirte, beide Berufsgruppen werden alle Umsätze heiligen die sie im Vorfeld und am Gedenktag einfahren werden. Der klassische Sinn des Feiertags ist hingegen heute nicht mehr vielen Menschen vertraut...

Der Brauch
Allerheiligen (oder im englischen All Saints' Day) wurde von der katholische Kirche einmal eingeführt als man nach einigen Jahrhunderten der Rumheiligsprechung festgestellt hat dass für die mittlerweile vielen Heiligen irgendwie zuwenig Kalender im Jahr da ist, außerdem könne man keinem Pfarrer zumuten jeden einzelnen Heiligen so Tag für Tag zu feiern und auch ausreichend zu kennen. Also wurde ein Tag ausgewählt um alle Heiligen im Paket zu feiern, sozusagen einer der ersten großen katholischen Rationalisierungsmaßnahmen. Der zweite November war angeblich ursprünglich für die Seligen reserviert, gewissermaßen Heilige zweiter Klasse. Über die Jahrhunderte ist daraus der Brauch geworden auf die kirchlichen Heiligen zu verzichten (man war ohnehin nicht mit ihnen verwandt) und an diesem Tag die eigenen verblichenen Verwandten am Grab zu besuchen und ihrer zu gedenken. Viele Verwandte werden auf diese Art post mortem öfters besucht als zu Lebzeiten und können sich gegen die Verwandten nicht mal wehren. Eigentlich ist es ein hinterhältiger Brauch.

Die Realität
In der Praxis hat das Allerheiligenfest heute wohl eher nur mehr als gesetzlicher Feiertag in manchen Ländern und für die Friedhofsgärtner eine Bedeutung. Die junge Generation gedenkt am 1.11. heute eher schmerzvoll der vielen Alkoholika die man die Nacht zuvor bei einer Halloweenparty feierlich zu Grabe getragen hat (wenigstens ist dieser Schmerz aufrichtig, wenn auch nicht besonders würdevoll). In den ländlicheren Gebieten werden Kinder über Friedhöfe gezerrt, vorbei an Gräbern von Menschen die sie niemals kannten. In Trauer über den sinnlos verpassten schulfreien Tag. Gewerbe und Industrie beklagen den verloren gegangenen Arbeitstag. Und die Unterhaltungsindustrie hat längst für das Geschäft Halloween als Ersatz gefunden - ein Allerheiligen-Feiertag an dem alle demonstrativ traurig und betroffen sein müssen hat nicht wirklich den tollen Funfaktor der sich gut vermarkten lässt. Und die Grufties und Goths sind sauer weil lauter Normalos ihre Wohnzimmer stürmen.

Heilige
Auch die Heiligen sind heute längst andere. Wer erinnert sich etwa noch an Sankt Stasius der im 13.Jh aufgedeckt hatte dass sich der Bischof unschicklich an seinen Ministranten vergangen hatte worauf ihm plötzlich ein ungewöhnlicher aber nicht minder letaler Unfall zustieß? Der Bischof - kein grundschlechter Mann - erfand eine etwas huldvollere Variante der Geschichte die dann post mortem dem Stasius zur Heiligkeit verhalf. Interessiert heute niemanden mehr. Heutige Heilige sind manch Politiker, Fussballgötter, Showsternchen, Automobile und alles worauf kleine Jungen und Mädchen im Alter von 12 bis 100 sonst noch so stehen. Tokio Hotel ziehen halt dann doch mehr Leute zur Feier an als Sankt Isibald, obgleich erstere irgendwie noch viel toter aussehen.

Verblichene
Wobei es doch ein schöner Brauch wäre doch jenen die einem wert & teuer aber nicht mehr unter uns sind wenigstens an einem Tag im Jahr zu gedenken. Selber hoffen doch viele Menschen dass wenn sie dereinst nicht mehr sein werden wenigstens irgendetwas bleibt was den Verbliebenen in Erinnerung bleiben wird. Bei den meisten Menschen sind es Schuldner und das Finanzamt welche das Andenken auf jeweils ganz spezielle Weise bei den Hinterbliebenen wach halten werden. Wobei was den Weg alles Irdischen gegangen ist ja nicht unbedingt ein Mensch sein muss, zynischere Geister können sich ja mit dem eigenen Körper z.B. begnügen. Männer können die verlorene Lendenkraft bedauern, Frauen still der Zeiten gedenken als das Gesäuge den Kampf gegen die Schwerkraft noch nicht verloren hatte.

Gedenken
Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell wünschen all unseren LeserInnen einen besinnlichen und ruhigen Feiertag. Vielleicht gönnen Sie sich eine stille Minute, nur ganz für sich und erlauben sich den Moment schöner wie schmerzvoller Erinnerungen. Auch das gehört zum Leben dazu, manche meinen viel mehr als das Verdrängen. Was den Schafredaktor dieser Schnappspostille betrifft darf mit einem Zitat von Osbourne, Ozzy, geschlossen werden:
"Von all den Dingen die ich in meinem Leben verloren habe war es der Verstand an dem ich am meisten gehangen bin."

P.S: Schreiben Sie uns wie Sie Allerheiligen begehen. Wir freuen uns auf Ihre Meinung.
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Weitere bedeutende Tage im Jahreszyklus:
Internationaler Weltidiotentag
Mutters Tag?
Besinnliches zum Tag der Vogelbeobachtung

(Bild: Hugo* / Flickr / CC BY)

30.10.2007

Empörungswelle über das Trafficbeschaffungsamt

Google hat eine Runde PageRank-Update gespielt. Jetzt werden die wohl 98% einfachen Internetnutzer die unser Revolverblatt lesen ein "Päidsch-Was?" ausstoßen und zurecht den berühmten in China fallenden Reissack vor Auge haben. Aber unter vielen Glücksrittern im Internet hat die Aktion von Google einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, es ist viel Adrenalin, Aggressin und vermutlich auch Koffein geflossen. Wir versuchen ein Sittenbild der Szene so zu erklären dass auch Otto-Normalverbraucher darüber den Kopf schütteln kann...

Wer oder was ist ein PageRank?
Als Suchmaschinenbenutzer kennen Sie vielleicht das Phänomen : Sie suchen nach einem Fachartikel und bekommen aber die ersten drei Seiten nur Spamergebnisse. Der Anwender nennt das ärgerlich, der Spamanbieter nennt es Suchmaschinenoptimierung. Da Suchmaschinen nicht Feind ihrer eigenen Geldbörse sind versuchen sie das seit Jahren mit immer wieder veränderten Mitteln zu unterbinden. Spamanbieter versuchen das Unterbinden zu unterbinden, eine Art modernes Räuber&Gendarm-Spiel. Im deutschsprachigen Raum hat Google so ungefähr einen Marktanteil von 112%, daher ist die Suchmaschinenoptimierung für Google besonders beliebt. Google hat vor vielen Monden mal den PageRank eingeführt mit dem jede Website nach ihrer Relevanz bewertet werden soll. Theoretisch sollten Websiten mit höherem PageRank in den Suchergebnissen vor Websiten mit niedigerem PageRank gelistet werden. Praktisch wird das häufig ziemlich überbewertet, UNTERNEUNTUPFING Aktuell lag z.B. mit seinem BoreOut-Artikel trotz damals niedrigstem PageRank vor den entsprechenden Artikeln von Spiegel, Stern und vieler anderer großer Tageszeitungen, und das war nur ein Beispiel.

Glücksritter & Trittbrettfahrer
Nun hat Google zuletzt seine PageRank-Bewertungen mal wieder aktualisiert und dabei etliche Glücksritter nach hinten versetzt. Große Empörung zieht seitdem durch die Szene, insbesondere natürlich bei jenen die zurückgestuft wurden. Man liest eine Menge Artikel wo Leute wie beleidigte Kinder reagieren denen man das Lieblingsspielzeug weggenommen hatte, Verwünschungen der Suchmaschine und vor allem quer durch eine Betrachtung von Google wie es nur verwöhnte Balger haben können: Google als Trafficverschaffungsamt das gefälligst kostenlos Besucher liefern soll mit denen man dann Werbeumsatz erwirtschaft, ohne aber im Gegenzug nur einen einzigen Cent an Google dafür zu bezahlen. Viele Trittbrettfahrer betrachten nämlich Google als Selbstbedienungsladen der nur dazu da ist ihnen gratis Werbeeinnahmen zu verschaffen. Bei einigen hat das Google nun zurückgeschraubt. Vermutlich müssen sich diese nun erstmals im Leben um eine ehrbare Arbeit umgucken?

PageRank-Anbetung statt Inhaltspflege
Gerade die zurückgestuften Glücksritter verfolgten zumeist nämlich nur einen Fokus : egal mit welchem inhaltlichen Schrott - Hauptsache ganz vorne in der Suchmaschine. Stellen Sie sich mal vor ein Verlag würde eine Tageszeitung produzieren die inhaltlich so schlecht ist dass sich am Markt sogar der Kopfsalat weigert darin eingewickelt zu werden, aber der Verlag würde alles daran setzen am Markteingang an erster Stelle aufliegen zu dürfen und dort verkauft zu werden ohne dem frequenzbringenden Markthallenbetreiber Geld dafür zu zahlen. Würden Sie als Konsument so eine grottenschlechte Zeitung kaufen? Nun, der Markthallenbetreiber hat einige dieser Verlage nun nach hinten ins Altpapier verbannt. Damit werden die Marktbesucher nicht mehr belästigt, allerdings waren die Schrottverleger nicht amüsiert.

PageRank-Handel
Der PageRank gilt in gewissen Kreisen auch als Währung. Vereinfacht gesagt kann man theoretisch seine Reihung in Suchmaschinen steigern wenn man von vielen Seiten verlinkt wird die bereits einen hohen PageRank besitzen. Was die Glücksritter dazu getrieben hat ihre Schrottseiten alleine durch Linkhandel hochzutreiben, auch wenn sie keiner ohne vorgehaltene Pistole lesen will, Hauptsache vorne. Ins reale Leben übersetzt stellen Sie sich einen Verlag vor der zwar keine Zeitungen schreibt (oder wenn dann nur welche die selbst bei der Recyclingstation aus intellektuellen Gründen nicht angenommen werden) aber bei denen die Redakteure sich einzig damit beschäftigen in den richtigen Telefonbüchern zu stehen und wiederum selber die richtigen Telefonnummern anderer einzutragen. Klingt irre oder? Für viele Glücksritter im Internet ist das das ganz normale tägliche Leben. Bzw seit kurzem nicht mehr so wenn sie zu jenen gehörten die Google nun wieder dorthin gesetzt hat wo sie hingehören.

Rich Panic statt Page Rank
Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell werden übrigens seit kurzem von Google mit einem PageRank von 4 geführt, das ist für so ein kleines Revolverblatt wie uns das noch nicht mal seine eigene Domäne hat und auch sonst nur ein paar Monate online ist ganz nett. Wir (und auch ein paar nette Blogger im Unterneuntupfinger Umfeld) haben das erreicht durch konsequente Vermeidung (fast) jeder Suchmaschinenoptimierung und all das unterlassen womit sich andere schwarze Schafe monatelang bemüht haben einen Vorteil bei der marktdominierenden Suchmaschine zu erschleichen. Einige dieser Glücksritter sind nun hinter uns. Nicht dass Schadenfreude geboten wäre, aber manchmal geht es im Leben auch gerecht zu...
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Weitere Artikel über Webpromotion, Vermarktung und (Un)glücksritter:
SEO - Trashkulturlegende von morgen?
Tücken der kreativen Offline-Vermarktung
Social Networks für Eliten

(Bild: dan taylor / Flickr / CC BY)

29.10.2007

Deutschland - Zuchtstation für Diktatoren?

Deutschland ist ein schönes Land. Es kennt herrliche Gegenden, man kann wunderbare Menschen kennenlernen, und in vielen Landstrichen isst man auch vorzüglich. Deutsches Ingenieurwesen geniesst weltweites Ansehen, und Deutschland produziert auch weltweit die meiste Steuerliteratur. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren dass nirgendwo anders in der Welt Diktatoren so gut gedeihen wie in Germanien unter den Geranien...

Phoenix
Der deutsche Nachrichtensender PHOENIX rühmt sich ja das Alleinstellungsmerkmal zu besitzen besonders ausführlich zu berichten, und nicht nur kurze ausgeschnittene Soundbits. So werden zB ganze Parteitage übertragen, von jeder Partei, ob nun Linke, Grüne, CSU, FDP (NDP natürlich nicht) oder letztens SPD. Man muss grundsätzlich egal welche Partei (!) gerade drann ist psychisch schon sehr stabil sein um solch einer Veranstaltung als neutraler Zuseher mehr als 10 Minuten beizuwohnen. Dieses Wochenende war zB die SPD an der Reihe. Und am Schluß das epochale Bild der Größen der Partei, unter riesiger Roter Fahne der feierliche Abgesang der Internationalen. Die Partei ist endlich wieder im 19.Jahrhundert angekommen, mit den heutigen Mitteln verfilmt.

Marx
Nehmen wir zum Beispiel Karl Marx, der so deutsch war wie man wohl nur deutsch sein konnte. Er hat es zwar immerhin bis zu einem akademischen Abschluß gebracht aber anschließend niemals wirklich Lust entwickelt einer wertschöpfenden anständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen, das Rumphilosophieren was andere denn so tun oder unterlassen müssten damit es ihm selber besser ginge übte lebenslang auf ihn einfach einen größeren Reiz aus. Und hätte sein Kumpel Engels ihm nicht mehrmals existentiell ein wenig unter die Arme gegriffen, Marx wäre wohl im damals nicht existenten Hartz IV versumpft (die Partei hatte damals noch nicht die Möglichkeit Sympathisanten in staatsnahen Betrieben unterzubringen). Und so kam es dass Marxens Murx bis heute Deutschlands wichtigster Literaturexport in die ganze Welt ist. Wladimir Iljitsch Uljanow der zuviel von dem Zeuchs gelesen hatte wäre wohl als eidgenössischer Senne gealtert hätten ihn die Deutschen nicht als Lenin in die Sowjetunion gekarrt. Man könnte auch sagen die Deutschen sind die eigentlichen Urväter des kalten Kriegs.

Schicklgruber
Der deutschen Zivilbevölkerung ging es nach dem ersten Weltkrieg nicht so gut. Okay, die Leute hatten damals natürlich nicht das Elend das heutige H4-Empfänger oder GDL-Funktionäre durchleiden müssen, aber es waren trotzdem schwierige Zeiten. Ein idealer Nährboden für Demogogen, das mit echter Demokratie kriegt man nämlich in Teutonien schon seid Generationen nicht so richtig hin (so richtig echte Volksabstimmungen funktionieren sogar heute noch nicht, dafür klappen bald die Bundestrojaner). Ein gewisser Alois Schicklgruber, Postkartenmaler und Wirtshausphilosoph hatte in seinem ursprünglichen Heimatland alles gelernt was man in jenem Land so lernen kann: Kleingeistigkeit, Selbstüberschätzung, Größenwahn und ein sehr einfaches Weltbild. Nur kommt man außer in der Politik dort wo er herkam mit solchen Begabungen nicht sehr weit, also ging er nach Deutschland. Wo er von Gesinnungsgleichen so richtig groß gemacht wurde, zum größten Führer aller Zeiten. Der grauenvollen Rest der Geschichte ist bekannt.

Erich
Ein regionale Hälfte Deutschlands hatte nach Kaiserzeit und Führerwahn aber immer noch nicht genug von absolutistischen Herrschaftssystemen, oder erhielt nun die gerechte Stafe dafür Herrn Uljanow dereinst gen Osten gekarrt zu haben. Also wehten wieder die Fahnen (etwas andere Farben) und nach eineinhalb Jahrzehnten mauerte man das ganze Land sicherheitshalber ein damit aus der dekadenten restlichen Welt keine Leute mehr ins neue Paradies einwandern konnten. Staatsoberhaupt war jahrzehntelang wieder jemand der in der freien Wirtschaft maximal als kleiner Sachbearbeiter untergekommen wäre, wenn überhaupt. Ende der 1980er hatten dann die Bürger des demokratischen Deutschland die Schnautze voll von ihrem Paradies worauf dann die DDR erfolgreich die BRD übernommen hatte. Das Führungspersonal ist in vielen Bereichen ziemlich unverändert geblieben.

Neuzeit
Erich hin oder her, die Lust im Volk auf saarländische Egomanen mit politisch utopischen Vorstellungen ist auch heute noch ungebrochen groß. Und da keine der gängigen Parteien auch nur irgendwelche imponierenden Ideen vorzuweisen haben konzentrieren sich selbst die Medien stets auf die Führer(innen) der jeweiligen Partei, bzw. deren Führungsstärke oder -schwäche (zuletzt war Herr Beck drann, davor Herr Stöber, Frau Merkel sowieso, es geht quer durch alle Farben). Man ist oft irritiert ob der Russen großer Sehnsucht nach einem starken Mann an der Spitze, aber ist es in Deutschland soviel anders? Deutschland hat schon soviele Menschen von bemerkenswerter Durchschnittlichkeit an die Spitze gebracht dass es schon verdächtig wird? Liegt es daran dass diese Leute ja auch irgendwo hin müssen während der brave deutsche Michel lieber einer anständigen Arbeit nachgeht und so gar keine Zeit für Politik hat?

Virtuell
In englischsprachigen Foren und auch anderswo geht es meist eher relaxed zu. In deutschen Foren ist die Chance besonders groß von einem humorlosen Moderator gekickt oder genervt zu werden wenn man keine Mainstream-Meinungen vertritt oder noch viel schlimmer: unerlaubten Humor verwendet. Insbesondere bei Themen die ehrlich geheuchelte Betroffenheit & Empörung gebieten. Nicht jeder Diktator findet den Weg ganz nach oben, aber jeder findet irgendwie seinen Platz...
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Weitere Links zu Politik, Deutschland und so weiter:
Bürgerschutz durch Täterschutz - visionärer als man begreift?
Wieviel Meinungsfreiheit verträgt Deutschland?
Zur Demokratie erziehen...

(Bild: Stefan / stock.xchng / Royalty free)

27.10.2007

Über Ski, Weltcup und Österreicher

Dieses Wochenende beginnt am Gletscher von Sölden in Österreich der alpine Skiweltcup mit je einem Riesenslalom für Damen und Herren. Traditionell dürfen trotzdem auch untergroße Menschen daran teilnehmen, der internationale Verband FIS ist da nicht so streng. Für Österreich beginnt damit ebenfalls jene Saison in der das kleine Land international wenigstens in einer Angelegenheit von überregionaler Bedeutung ist...

Dominanz
Was viele Menschen außerhalb Österreichs zurecht nicht wissen: der alpine Skiweltcup wird nunmehr seit bereits 2 Jahrzehnten in der Mannschaftswertung von Österreich dominiert. Insofern schon ein wenig erstaunlich, ist doch Österreich normalerweise nur in Sportarten Weltspitze die sonst ausschließlich von Österreichern betrieben werden, wie z.B. Unterwasserjodeln, Bergaufjammern oder Schnoferlziehen. Was prädestiniert gerade den Österreicher dazu im alpinen Skisport so erfolgreich zu sein? Sind es einzigartige Erbanlagen, Seilbahnanlagen, Geldanlagen in den Wintersport oder die fundamentale Aussichtslosigkeit auf nur irgendeine andere Art aus diesem Land kommend internationale Relevanz zu erlangen?

Grundlagen
Bekanntlich werden Österreicher bereits mit Skiern an den Beinen geboren. Das Erste was eine Hebamme mit einem frisch geschlüpften Österreicher macht ist die Sohlen des Säuglings zu wachseln und die Ristkanten zu schleifen, erst dann kommen die übrigen Belanglosigkeiten wie Nabelschnur oder die erste Kotprobe. Allerdings ist es eine alpine legend dass alle männlichen Walzerländler Mozartkugeln zwischen ihren Beinen haben, auch wenn manch ausländisches Skihaserl sich solche zuweilen wünschen sollte. Auch ist Österreich nicht mal klein genug um ein gewisses regionaldemografisches Gefälle aufzuweisen. Westösterreicher (also alles außer Wien) können Skifahren. Ostösterreicher (Wien plus unbedeutendes Umland) sehen dafür gut aus wenn sie auf Skiern stehen. Und treffen sich dann meistens mit betrunkenen deutschen, holländischen oder skandinavischen Winterurlaubsgästen in der Unfallambulanz.

Vorteile
Das österreichische Nationalteam im alpinen Skisport wird seit Jahren intensiv von einem Hersteller für Tiefkühlkost gesponsert. Vermutlich verschafft das den Österreichern einen Wettbewerbsvorteil - schließlich wird ihre Nahrung perfekt auf die Schneetemperatur abgestimmt während die Mitbewerber über warme Mahlzeiten in die Spur schmelzen. Dafür wirken österreichische Athleten oft ein wenig unterkühlt und die Interviews sind selten von großem literarischen Wert. Dem Freizeitsportler muss also angeraten werden seinen Tiefkühlmüll vorher aufzutauen und warm zu konsumieren, schließlich kommt es beim Hobbycarven nicht auf jede Zehntelsekunde an.

Selbstüberschätzung
Der Skisport ist in Österreich ein nationale Angelegenheit die beinahe religiös verfolgt wird. Die lokale Politik profitiert stets sehr wenn Österreichs Skiathleten besonders gut oder besonders schlecht sind, schließlich lenkt das die Bevölkerung vom täglichen haarsträubenden Dilettantismus in der Innenpolitik trefflichst ab. Wenn der ÖSV mal bei einer Grossveranstaltung nicht alles in Grund und Boden fährt sind die Gazetten und der staatliche Monopolfunk voll von Häme, Gezeter und Expertenmeinungen von Experten die selber nicht mal fit genug sind um ein paar Ski in Skischuhen vom Parkplatz bis zur Talstation zu tragen. Aber was soll man im Winter schon machen wenn es draußen kalt ist?

Initiation
Wie bei allen zurückgebliebenen Naturvölkern gibt es auch in Österreich Initiationsriten die jeder junge Eingeborene einmal im Leben hinter sich bringen muss um als wertloses Mitglied der erwachsenen Gesellschaft voll anverkannt zu werden. Dabei handelt es sich weder um eine Beschneidung, noch um einen ausgeschlagenen Zahn oder gar eine Tapferkeitsübung sondern um die erste ordentliche Bretzn (=kapitaler Sturz) die ein junger Mensch mit noch unzureichenden Fahrkenntnissen und überteuertem Material in den Schnee fräst. Viele Österreicher tragen die Erinnerung an die erste Gesichtsbremsung von 50 km/h auf Null in einer halben Sekunde ein Leben lang sichtbar mit sich. Die zweite Initiation erlebt der Durchschnittsösterreicher dann im pubertären Alter zwischen 14 und 89: der erste Vollrausch beim Après-Ski. Würde die FIS endlich die Disziplinen Querfeldeinsaufen und Bierathlon anerkennen dann hätte Österreich bei der Olympiade zwei Disziplinen wo man wohl kaum schlagbar ist. Und auch keine Nachwuchsprobleme hätte...

Einkehrschwung

Das ist jener Schwung den Sie als Gast oder künftiger Möchtegernösterreicher (wozu immer man das sein möchte) können müssen, der Schwung in die Lokalität zum gemeinsamen Umtrunk. Es ist der einzige Schwung den wohl jeder Österreicher ausreichend beherrscht, selbst jene die in flacheren (jetzt topografisch gemeint) Regionen wohnen. Und dann ist es Zeit ein Glas zu heben, oder zwei drei mehra...

Dieser Artikel ist auch als Gastbeitrag bei unserem Kooperationspartner Rappelkopf.at erschienen. Rappelkopf versteht sich ausgerechnet als österreichisches Satiremagazin nach Tradition der Klassiker des Landes. Da Österreich internetmäßig beinahe ein 3.Welt-Land ist wird Herausgeber Mario Herger dazu viel Idealismus mitbringen müssen.

Satirische Beiträge über Österreich, Österreicher und österreichische Sitten & Gebräuche :

Weblinks:


(Bild: djinas / stock.xchng / Royalty free)

26.10.2007

Beauty, Kosmetik, Make Up : 24 Std pro Tag beautiful

Schönheit hat ihren Preis : beauty care, Kosmetik Produkte, MakeUp etc. Vermeintliche Verschönerung nimmt einen immer größeren Raum in unserer Gesellschaft ein, viele Menschen opfern immer mehr Zeit, um heutigen Idealen der Schönheit zu entsprechen, und öffnen großzügig ihre Geld Börsen, um alles zu kaufen, was man dafür für notwendig hält. Bei weitem noch nicht genug, meint die Schönheitsindustrie, und wir sind exklusiv den künftigen Plänen dieser Branche nachgegangen...

Grundieren : Wellness Beauty

Wie das Portal Web.de jüngst berichtete, dauere die tägliche Schönheitspflege bei Frauen immer länger, jede fünfte Frau verwende dazu bereits bis zu 60 Minuten pro Tag. Der Mirror kam mal zum Schluss, eine durchschnittliche Frau verbrate im Schnitt 2 Fraujahre ihres Lebens für das Aufbretzeln vor dem Ausgehen (und nochmal 2 für Shopping). Und seit der ästhetischen Errungenschaft des metrosexuellen Mannes holen auch die Herren auf.

Gleichzeitig arbeiten wir immer kürzer. Was bedeutet, dass der prozentuelle Lebensaufwand für das Rumfummeln an der Verpackung immer stärker steigt. Aber nach oben hin ist noch wahnsinnig viel Duft, meint die vereinigte Schönheitsindustrie, um die Gewinne aus Kosmetik, Beauty, Wellness & Co zu steigern, wie wir aus gewohnt gut unterbelichteten Kreisen erfahren haben wollen.

Auftragen : Beauty Tips

Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell waren den neuesten Gerüchten und Gerüchen auf der Spur, und konnten ein Interview machen mit Vid Schatten, Sprecher von PUSHUP ("Pflegeprodukte Und Schönheit Heben Unsere Profite"), einem illustren Club von Industriellen aus der Beauty Branche. Dabei wollten wir wissen, was die Industrie künftig im Shaver führt.

UNTERNEUNTUPFING Aktuell: Eigentlich verkaufen Sie den Menschen ja Dinge, die der Mensch überhaupt nicht braucht?

Vid Schatten: "Das ist viel zu hart formuliert. Wir verkaufen Träume, Emotionen, Wünsche, Wunschvorstellungen, Zeitvertreib. Und das schafft seit vielen Jahrzehnten zig feste Arbeitsplätze. Tamagotchis brauchte auch niemand, aber nachdem der Boom vorbei war sassen die Leute auf der Straße. Schönheit wird immer gefragt sein, besonders von der überwiegenden Mehrheit denen sie fehlt."

Nun sagen neue Statistiken, dass Frauen bereits bis zu einer Stunde täglich verwenden, um sich gemäß den Schönheitsidealen zu verschlimmbessern. Ist der Zenit erreicht?

"Ganz im Gegenteil. Solche Statistiken zeigen nur, dass für unsere Branche noch 23 Stunden am Tag übrig sind, die sinnvoll mit Verschönerung gefüllt werden wollen, eine große Herausforderung für unsere Branche. Bei Männern sogar noch mehr, auch wenn hier noch weniger Aussicht auf Erfolg besteht."

Allerdings setzt nicht die Anatomie Grenzen? Männer & Frauen rasieren sich z.B. doch bereits täglich Kinn abwärts alles was an Haaren da ist, was bleibt da noch?

"Sie unterschätzen unsere Branche völlig. Zum einem enthalten alle heutigen Hautcremes und Duschgels bereits versteckte Zusätze von Haarswuchsmitteln, damit lästige Haare auch dort wachsen, wo sie bislang nicht wuchsen, wir nennen es Hautflächenoptimierung. Außerdem gibt es ja auch andere Dinge am menschlichen Körper die ständig nachwachsen, und deren Bewirtschaftung durch die Schönheitsbranche noch viel Spielraum lässt, man muss nur den Bedarf wecken. Das Abschleifen vorstehender Schamlippen zum Beispiel wird sicherlich ein erfolgreiches Geschäftsfeld, mehr darf ich aber noch nicht verraten."

beauty overkill : zu einem perfekten Aussehen gehört auch ein komplettes Schmink Studio

Jetzt lassen sich Menschen heutzutage bereits überall Piercings setzen, in manch Szene ist es sogar schon Mode sich RFID-Chips einpflanzen zu lassen, um damit in Bars & Kneipen die Rechnung bargeldlos zu bezahlen. Ist das nicht bereits ausgereizt, oder kommen nun implantierte Mini Kühlschränke?

"Entdecke ich da ein missbilligenden Unterton (lächelnd)? Gewiss, im Bereich des Piercings haben wir bereits ein gewisse Sättigungsphase erreicht, aber man muss positiv bemerken, dass der Mensch nun endlich begriffen hat dass Fleisch & Metall untrennbar zusammen gehören. Wir werden uns hier in Partnerschaft mit der Lebensmittel Industrie diversifizieren. Wir haben das Know How und das Know Why, altes Fleisch frisch aussehen zu lassen, die Lebensmittel Industrie weiß, wie man altes Fleisch im Überschuss produziert (und lagert).

Wir werden z.B. in Zukunft gemeinsam liebevoll in Sport Lenkräder eingearbeitete Schweinskoteletts verkaufen, für Vegetarierinnen gibt es schicke Handtaschen mit Tofu Applikation. Auch bei den Implantaten ist noch viel Spielraum, der weibliche Rücken blieb etwa bislang stark vernachlässigt. Ab 2009 werden auch für den Rücken Silikon Brüste auf den Markt kommen. Das schafft nicht nur Ausgleich gegen Rückenschmerzen ,weil die Schwerkraft nun beidseitig nach unten wirkt, sondern verdoppelt auch den Absatz von Büstenhaltern. Und beim Verkehr a tergo erhöht das natürlich auch den Spaß Faktor."

Insbesondere marxistisch-feministische Gesinnungskreise werfen Ihrer Branche ja häufig vor, Sie seien ein einzig Gewinn geiler Haufen. Wie reagieren Sie auf solche Zurufe?

"Sehr gelassen (schmunzelnd). Schauen Sie, der Sozialismus möchte den neuen Menschen erschaffen, bei dem alle gleich sind. Der Sozialismus hat das bislang nicht geschafft. Wir schon. Gehen Sie in eine beliebige Diskothek, und schauen Sie sich die Leute dort an, dann wissen Sie was ich meine..."

Wir bedankten uns artig für das erhellende Gespräch, und fürchten uns nun ein wenig vor den 24-Stunden-Zombies, die da wohl in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen.

Abschminken : oder permanent make up

Wer schön sein will muss leiden. Vermutlich auch wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell, wenn wir dieses Revolverblatt in der nächsten Zeit so hin hübschen werden, damit es endlich auch mal wie eine zeitgemäße Online-Zeitung aussieht. Wie auch immer, was halten Sie für die überflüssigsten Schönheitsideale unserer Zeit? Welche Trends werden da wohl noch auf uns zukommen? Schreiben Sie uns, wir freuen uns über Ihre Meinung.

Weitere Satire über Beauty, Mode, Hair, Kosmetik, Make Up & Schönheit :

(Bilder : PoppyW, obo-bobolina)

25.10.2007

Zahlen für jene die sie bezahlen

Hand auf das Chart, es ist uns allen schon einmal passiert: wir haben etwas geglaubt bloß weil es in der Zeitung stand oder im TV zu sehen war. Dabei verdienen nicht nur Parteien und Massenmedien eigentlich ausreichendes Vorschuß-Misstrauen, sondern insbesondere alle Interessensgruppen die uns anhand von Statistiken welche wir selber nicht gefälscht haben etwas beweisen wollen...

Induktiv
Es gibt nicht nur so etwas wie einen Zauber der Montur, sondern auch einen Zauber von statistischen Zahlen. Gehen Sie zB einmal als medizinischer Laie einigermaßen geflegt und übernachtig in einem weißen Kittel gewandet in ein öffentliches Krankenhaus und Sie werden sofort von Wartenden mit "Frau/Herr Doktor" angesprochen. Und genauso neigt mensch dazu wissenschaftlichen Zahlen oder Umfragen zu vertrauen, schließlich hätten diese ja blitzgescheite Wissenschafter kompliziert errechnet, wohl vergessend dass es auch unter Wissenschaftern wie in jeder anderen Berufsgruppe auch seriöse und nicht so seriöse Leute gibt, und diese Leute ja auch von jemandem bezahlt werden (genauso wie die Medien die diese vermeintlichen Fakten transportieren) der nicht immer lautere Absichten haben muss, die Welt ist schließlich groß und sehr sehr böse.

Die Politik und auch etliche andere Interessensgruppen machen sich diese Statistik- & Wissenschaftsgläubigkeit der Massen natürlich zu Nutze, besonders immer dann wenn es gilt dem Volk etwas aufs Auge zu drücken was der klare Menschenverstand oder ein gesundes Bauchgefühl berechtigt ablehnen würde. Fakten kommen dabei so zustande dass das Endergebnis und die gewünschte Aussage von vornherein feststehen und es dann Aufgabe von Statistikern oder 'unabhängigen' Instituten ist Zahlenmaterial und Kausalketten zu zimmern die zum Endergebnis passen. Manchmal gelingt die Manipulation perfekt, aber oft erkennt man sofort an Studien wer sie bezahlt hat. Ganz besonders wenn die Aussage aus einer Wissenschaftsrichtung kommt die von staatlichen Geldern aus der Politik abhängt, oder wenn dabei ein Produkt über den grünen Klee hinaus gelobt (oder die Konkurrenz verrissen) wird. Globaler betrachtet ist vermutlich auch jede Konzernbilanz heute eine Statistikfälschung auf juristisch und kaufmännisch höchstem Niveau.

Deduktiv
Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell wollten natürlich mit Fakten aus Forschungsergebnissen nicht nachstehen und haben daher das Zentrum für Experimentelle Statistik in Hintersiebenkirchen gebeten für uns entsprechend zu forschen. Hier forsche Auszüge aus dem ersten Zwischenbericht:


  • Zuwanderer trinken uns das Bier weg
    Statistisch betrachtet ist in unseren Breiten der Bierkonsum pro Kopf stagnierend bis rückläufig. Gleichzeitig steigt die Zahl der Einbürgerungen was ebenfalls stete Zuwanderung voraussetzt. Wie bereits Riffkin erklärt hat sei nicht genug Arbeit für alle da, daher bräuchten wir Umverteilung von Arbeit und Arbeitszeitverkürzung. Für Bier gilt grosso modo detto, kommt also bald die 35 Pils Woche weil uns Zuwanderer das Bier wegtrinken, statistisch betrachtet?

  • Grüne verursachen Klimawandel
    Es gibt aus dem Mittelalter keinerlei wissenschaftlich gesicherte Aufzeichnungen dass es vor mehreren Jahrhunderten Grünparteien oder Grünpolitiker gegeben hätte. Auch gibt es keinerlei Hinweis auf bereits damals wissenschaftlich haltbar festgehaltenen Klimawandel. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten dreht der Klimawandel so richtig auf. Genauso wie Grünpolitiker. Zuletzt gewannen zB die Grünen in der Schweiz wieder dazu. Wir müssen daher aus dieser Koinzidenz logisch schließen dass der Klimawandel von den Grünen verursacht wird (vermutlich mit der Schweiz als Epizentrum). Wenn man also wieder darüber nachdenkt die NPD zu verbieten sollte man die Grünen gleich mitdiskutieren - soviel Demokratieverzicht muss uns ein gesundes Klima wert sein.

  • Ein Volk von schmerzverzerrten blinden suchtlerischen Pistensauen
    Statistisch gesehen ist jeder Vierte jemand der übermüdet Auto fährt. Jeder Vierte leidet unter chronischen Schmerzen. Jeder Vierte zweifelt an seinem Sehvermögen. Jeder Vierte ist suchtgefährdet. Das sollte Ihnen sehr helfen beim Einschätzen von Menschen die sie neu kennenlernen. Ist zB ein Mensch von adretter Gesundheit, sieht gut und auch frei von Süchten dann ist er logischerweise der restliche Vierte bei dem Sie nicht als Beifahrer ins Auto steigen sollten. Treffen Sie hingegen auf einen halbblinden Drogenjunkie dann ist dieser entweder ein statistischer Fehler oder der Mensch lügt.
Statistik kann uns also sehr viel mitteilen, man muss nur die richtigen Fakten miteinander richtig verbinden. Parteien abseits der politischen Mitte, Lobbyisten, die Werbung oder Verschwörungstheoretiker können das besonders gut, schließlich gehen sie auch keiner anderen sinnvollen Arbeit nach, und Übung macht bekanntlich den Meister.

Resignativ
Natürlich prüfen auch wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell gewissenhaft regelmäßig unsere Zugriffsstatistiken um so mehr zu erfahren was unsere Leser mögen oder nicht so mögen. Statistisch haben wir dabei festgestellt dass immer dann wenn hier gar kein Beitrag erscheint oder der Beitrag nach eigenem Empfinden eher Schrott war wir die besten Zugriffszahlen haben, wenn etwas mit Herzblut geschrieben ward fällt es regelmäßig durch. Daraus können wir statistisch betrachtet lernen dass ähm ... oder eher doch nicht?

P.S: Kausalketten rauchen wo keine sind macht Freude. Falls Sie auch Bahnbrechendes statistisch herleiten können bitte her damit, wir freuen uns auf Ihre Forschungserkenntnisse.
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Weitere Artikel rund um Forschung, Wissenschaft und so:
Lasst Knochen sprechen...
Erlebniswelt Experimentelle Wissenschaft
Wenn Bayern geheim graben...

(Bild: gracey / morgueFile / Morguefile terms)

24.10.2007

Aktionen für mehr Bewegung

Nicht nur Fruchtsaft verdickt wenn man zuviel Zucker zugibt, sondern auch ganze Bevölkerungen. In den westlichen Industriegesellschaften werden die Menschen immer fülliger & ungesünder, als Folge falscher Ernährung und natürlich auch Bewegungsmangel. Und da den Politikern (selber häufig von barocker Statur) gegen den Bewegungsmangel bislang nicht viel eingefallen ist sollen Experten zu Wort kommen die man sonst in den Massenmedien nicht so häufig lesen kann...

Bauchansätze
Kaum ein großes Medium hat die Schlagzeile gestern ausgelassen (hier zB im Bericht von Die Welt): Deutsche seien absolute Bewegungsmuffel, jeder Zweite mache keinerlei Sport, und was jeweils der andere Zweite macht weiß auch keiner genau. Für das restliche deutschsprachige Umland gibt es keinen Grund mit dem Wurstfinger auf die Deutschen zu zeigen, so stellt Vorarlberg Online hier klar dass auch die Österreicher Bewegungsmuffel seien, für die Eidgenossen berichtete dazu unter anderem das SF1. Da es aber in den anderen westlichen Industrieländern ähnlich aussieht kann man ausschließen dass an Bewegungsarmut die deutsche Mutter- & oder Amtssprache schuld ist. Und da im Augenblick die Politik viel zu sehr damit geschäftigt ist uns vor bösem CO2 oder den Rauchern zu schützen ist von dieser Seite keine Besserung zu erwarten.

Lösungsansätze
Wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell haben uns daher aufgemacht und sind nach Wulmsbüttel gelaufen zum Institut für Abgewandte Bewegungssoziologie (ABS). Dort haben wir (noch im Schweiße unseres ArschAngesichts) Prof.Stefan Schläfer interviewt. Prof.Schläfer stellte uns dazu einen 6-Punkte-Aktionsplan vor mit den Vorschlägen des Instituts zur Bekämpfung der gesellschaftlichen Bewegungsarmut:

  • Der Staat will bekanntlich in vielen Ländern die Umrüstung auf Energiesparlampen fördern. Man könnte diese Aktionen gleich mit dem verpflichtenden Einbau von Bewegungsmeldern verbinden. Licht soll es öffentlich und privat also nur mehr dann geben wenn sich und solange sich jemand bewegt.
  • Gerade im öffentlichen Wohnbau geht der Trend bei der Altbausanierung in die völlig falsche Richtung, finden doch in vielen Mietshäusern Liftnachrüstungen statt. Das ABS fordert genau den umgekehrten Weg : Liftentrüstungen und Stiegenhausnachrüstungen. Und Wohnungsvergabe nach dem Rioja-System - jene mit dem meisten und ältesten Fett bekommen die Fässer bzw. Wohnungen in den obersten Stockwerken.
  • Künstliche Fahrbahnverengungen oder Bodenschwellen hätten vielfach den Straßenverkehr in verkehrsberuhigten Zonen verringert und entschärft. Auf diese Ideen kann man aufbauen. Das ABS empfiehlt daher ähnliche Baumaßnahmen als künstliche Anreizsysteme. So sollten die Türnormen verschmälert werden sodaß nur mehr sportlich schlanke Menschen Räume betreten können, auch sollten Gehsteige bewegungsentruhigt werden, statt künstliche Bodenschwellen können hier Hindernisparcourts gebaut werden wie man sie aus der militärischen Ausbildung kennt.
  • Viel kann man in modernen Shoppingtempeln und Einkaufshäusern bewegen, im wahrsten Sinne des Wortes. Das ABS empfiehlt hier per Gesetz vorzuschreiben dass die Drehtüren und Rolltreppen in Laufbänder umgerüstet werden wie man sie aus Fitnessstudios kennt. Die Geschwindigkeit sollte so eingestellt sein dass ein durchschnittlich fitter Mensch eine faire Chance hat auch die einzelnen Läden zu erreichen.
  • Auch sollte man Anleihen moderner Antiraucherpolitik ziehen. Restaurants sollten gesetzlich verpflichtet werden fressfreien Zone einzurichten, viele Dauerdiätler leiden zudem massiv durch das Passivfuttern. Berghütten ohne Zufahrtsstraße / Gondel sollten steuerlich begünstigt werden, im Flachland motorisiert erreichbare Genußtempel sollten einen Fitnessausgleichssolidarabschlag zahlen müssen.
  • Apropopo Steuern: natürlich spricht sich auch das ABS dafür aus die Gesellschaft in die Gesundheit zu besteuern (so wie auch beim Klima, den Tabaksteuern, und allen anderen 6789 bekannten und unbekannten Arten von Steuern). Jeder Bürger sollte einen Pulsmesser/Blutwertemesser implantiert bekommen der so wie das Mautsystem die wichtigsten Daten an die Gebührenstelle sendet (als Komfort für den Bürger). Wer dabei die fittesten Daten abliefert zahlt den höchsten Beitrag in die entgesetzlichen Krankenkassen ein, schließlich geht es hier auch um die soziale Fitnessgerechtigkeit.

Ansatzlos
Okay, zugegeben wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell haben auch einen kleinen Anteil an der körperlichen Bewegungsarmut, zumindest halten wir unsere Stammleser die sich sogar freiwillig durch unsere langen Litaneien quälen von körperlicher Ertüchtigung ab. Ob es uns gelingt unsere Leser geistig zu ertüchtigen mag jeder für sich beurteilen. Wie auch immer - was würden Sie als Gesundheitsminister(in) tun um die Bevölkerung zu mehr Bewegung zu animieren? Schreiben Sie uns Ihre Lösungsansätze, wir freuen uns wie immer über Ihre Meinung.

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Weitere Artikel zu (un)gesundem Leben:
Serie Schneller Abnehmen - so entschlacken Sie Ihren Geldbeutel
Pro Aging & Co: Initiativen gegen den Mainstream
Goldene Zeiten für Antiraucherwerbeagenturen

(Bild: anitapatterson / morguefile / Morguefile terms)


23.10.2007

Halloween

Ein paar Tage noch und es wird wieder eine Landplage auch und gerade über die deutschsprachigen Lande einher ziehen. Nein, die Rede ist weder von Streiks noch von Wahlkampf, sondern von einem (kaufmännischen) Fest das man von weit her wie eine Seuche eingeschleppt hat: Halloween. Ein Brauch der wieder viele treffen wird die den Anlaß gar nicht begehen wollen...

Erklären
Der Halloweenbrauch wurde eigentlich lange Zeit vor allem in Irland und Nordamerika gefeiert bis er in den jüngsten Dekaden auch nach Europa und in die deutschsprachigen Lande geschwemmt wurde. Nun verwüsten auch endlich hier Kinder und solche die es gerne geblieben wären die Landstriche auf der Suche nach Schrecken und Süßigkeiten, Verkäuferinnen werden damit gequält am Oktoberletzten eine Kleidung tragen zu müssen die noch lächerlicher ist als die reguläre Dienstbekleidung, und natürlich sprießen die Halloweenparties längst auch hier aus dem Boden - vermutlich weil man vor den hierzulande trübselig zu begehenden Allerheiligen- & Allerseelenfeiertagen noch mal so richtig den Saurier rauslassen will.

Einführen
Stellt sich die Frage wie dieser Brauch hierzulande ohne Tradition überhaupt heimisch werden konnte. Nicht wenige meinen es wäre ein weiterer sinnloser Kulturimport aus den USA, getrieben von geschäftstüchtigen Kreisen & Greisen die dadurch natürlich einen zusätzlichen Großverkaufstag im Jahr erhalten haben - die Geschäfte mit Halloweenzubehör, Verkleidungen und allerlei Sinnlosigkeiten mit Kürbis- oder Gespensteretikett darauf florieren ja nicht schlecht. Fragt sich warum Europa immer Bräuche aus den USA importiert? Warum nicht auch mal aus anderen Ländern? Zum Beispiel aus Hinterkatschukistan das Kschaschawafest - man tanzt einbeinig in Alltagskleidung rund ums Haus und geht anschließend schlafen um den heiligen Urgurdorj zu ehren. Ist ja auch schön. Vielleicht ein bißchen langweilig, aber das sollte uns Weltoffenheit und kulturelle Befruchtung doch (mehr) wert sein?

Entsetzen
Wobei Halloween schon irgendwie praktisch ist für einige Menschen. Brauch ist es ja sich grauenvoll zu verkleiden und andere Menschen zu erschrecken. Es gibt nicht wenige Menschen die sich an diesem Tag optisch verbessern. Oder nehmen wir zB den alltäglichen Mundgeruch oder die Käsefüsse mit denen so manch Zeitgenosse das ganze Jahr seine Umwelt beunglückt - am Halloweentag gehören sie einfach zu Verkleidung.

Erschrecken
Wobei, wer täglich eine stark befahrene Autobahn mit Auffahrtverengung nach Reisverschlußprinzip fahren muss und den täglichen Wahnsinn der Drängler, Schlangenlinienfahrer, Lichthupenchaoten, Abstandnichteinhalter und Nichtblinkerspurwechsler kennt der verbringt bei einer Halloweenparty einen vergleichsweise eher ruhigen Abend. Es gibt soviel täglichen Wahnsinn da draußen der einen erschreckt dass man vermutlich das Halloweenfest für jene gemacht hat die das ganze Jahr lang keinen Kitzel mehr haben. Oder unbewusst den Schrecken immer für die anderen verursachen und an diesem Tag mal Selbsterfahrung schnuppern möchten?

Entsorgen
Halloween ist irgendwie auch praktisch. Man denke an die Nachwuchsrandaleure die von Haus zu Haus pilgern und unschuldige Bürger mit der Forderung "Süßes oder Saures" erpressen, und wenn man kein Schutzgeld zahlt und leichtsinnig die Tür geschlossen hält erwarten einen ordentliche Verwüstungen, heutige Autonome waren vermutlich die Halloweenkinder von gestern. Allerdings kann man das Betteln um Süßes ja prima nützen um mal wieder klar Schiff im Haushalt zu machen - endlich wird man übriggebliebene Süßigkeiten mit antikem Ablaufdatum los, und die ekelhaften Kekse von Tante Trude aus dem Vorjahr kann man gleich dazu geben.

Eigentümlich
Wie so oft werden wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell azyklisch handeln und uns dort entsagen wo alle mitmachen. Wir schocken unsere Leser lieber an Tagen an denen niemand es erwartet, wir verteilen virtuelle Süßigkeiten auch ohne Anlaß, an beliebigen Tagen. Wir sagen selbstbewusst "Goodbye Ween", irgendwer muss es ja tun.

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Weitere bedeutsame Tage & Feste im Jahreszyklus:
Mutters Tag?
Besinnliches zum Tag der Vogelbeobachtung
Internationaler Weltidiotentag

(Bild: b4073 / stock.xchng / Royalty free)

22.10.2007

Vom Wesen der Demokratie

Schon seit es Menschen gibt und seitdem mindestens zwei Leute vor der gemeinsamen Aufgabe stehen festzulegen wer entscheiden darf und wer der Idiot sein muss der die Arbeit macht steht die Menschheit vor der Debatte der idealen Herrschafts- & Gesellschaftsform. In vielen westlichen Staaten hat sich heute die Demokratie etabliert. Ist sie eine Diktatur der blöden Mehrheit über eine etwas intelligentere Minderheit?

Intelligenzverteilung
Demokratie wird heute als Herrschaftsform verstanden bei dem die Macht vom Volke ausgeht. Oft geht dabei aber leider dem Volk die Macht aus, wird es doch häufig von Leuten regiert die keiner so direkt gewählt hat, und gibt es doch zB auch demokratische Staaten in denen Volksabstimmungen oder Volksbefragungen keine wirkliche Tradition haben, manchmal nicht mal eine Gesetzesgrundlage.

Demoskopen untersuchen und unterteilen Bevölkerungen. Zu einem aus wissenschaftlichen Gründen, und natürlich auch für die Marktforschung. Viele Zeitungen möchten zum Beispiel gerne wissen wie hoch ihr Leseranteil in den akadämlicheren Schichten ist, ist er höher dann wird das gerne als Verkaufargument verwendet um die geringeren Reichweiten den Inserenten aus der Wirtschaft trotzdem irgendwie schmackhaft machen zu können. So wie es nur wenige Spitzensportler und viele Breitensportler geben kann, genauso ist auch die Verteilung von Bildung & Verstand in einer Gesellschaft: je höher es nach oben geht desto dünner wird die Luft, und darunter eine sehr breite Basis. Wenn in einer Demokratie aber jede Stimme ungeachtet Verstand & Wissen gleich viel Wert ist dann bedeutet dies dass wohl Demokratie eine Diktatur einer dummen Mehrheit über eine hellere Minderheit ist? Und erklärt das auch die intellektuell unterirdischen Wahlkämpfe heutzutage? Gewonnen werden schließlich Wahlen mit Mehrheiten?

Einkommensverteilung
Nicht nur Verstand, Bildung oder Talente werden stets ungleich verteilt bleiben, sondern auch z.B. das Einkommen (auch in sozialistischen Gesellschaften, da sind alle gleich arm, nur die Funktionäre und der große Vorsitzende sind hingegen reich). In klassischen westlichen Demokratien existiert immer noch verbreitet ein progressives Steuersystem. Anders als etwa in der freien Wirtschaft wo von Klopapierrollen im Supermarkt bis zu Bankkonditionen im Finanzwesen der wo mehr Geld ausgibt bessere Konditionen, Preise, Mengenrabatt bekommt ist es in vielen Staaten umgekehrt: dort sollen die Fleissigsten und jene die ohnehin am meisten zum Gemeinwohl einzahlen auch am härtesten bestraft werden damit sich jene die keine Lust auf Arbeit haben so richtig solidarisch fühlen können. Im Volksmund heisst es oft "Wer zahlt schafft an." Aber da Demokratie ja eine Herrschaftsform ist die vom Volk und nicht vom Volksmund ausgehen soll ist jede Stimme gleich wert: also jene Stimmen von ein paar Millionen Erwerbsunwilligen die lieber den anderen auf der Tasche liegen sind jeweils genauso viel wert wie die Stimmen von ein paar wenigen die den Großteil der Steuerleistung erbringen. Man versteht das als demokratisch und gerecht, viele westliche Länder sind auch heute gar nicht anders regierbar.

Demokratische Verfeinerungen
Wobei Demokratie in vielen westlichen Ländern sowieso längst verfeinert wurde. In Staaten mit extrem sozialer Marktwirtschaft wird das Land meist in Wahrheit von Sozial- & Tarifpartnern regiert die keiner gewählt hat und die sich zwecks Schein jeweils eine Regierung halten. In den meisten westlichen Demokratien hat parteiunabhängige Personenwahl nicht wirklich eine Tradition oder ein Fundament. Das Volk darf hier meist aus einer Reihe von Parteien jene wählen von dem der Wähler glaubt sie würde auf der jeweiligen Wahlebene vermutlich den geringsten Schaden anrichten. Diese Parteien vergeben dann Mandate an irgendwelche Leute die in der freien Privatwirtschaft wo es auf Leistungswillen und Kompetenz ankommt keine Chance hatten und haben werden.

Schon in banalen gut funktionierenden Sportvereinen werden die Positionen hingegen an Menschen vergeben nach deren Begabungen & Talenten. Kassier wird meist der der noch am besten rechnen kann und von dem man glaubt dass er nicht mit der Schatulle durchbrennen wird, Trainer jener der den Sport schon mal selber machte und am meisten Ahnung davon hat, Obmann jener der organisieren kann und Sponsoren bringt, und auch die Sponsoren reden natürlich gemessen an ihrem finanziellen Beitrag maßgeblich bei der strategischen Ausrichtung eines Vereins mit. In den meisten westlichen Demokratien versucht man genau den umgekehrten Weg.

Alternativen

"Demokratie ist die schlechteste Regierungsform - außer all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."
(Churchill, Winston)
Diktaturen und Monarchien als nichtdemokratische Herrschaftsform funktionieren manchmal gar nicht so schlecht wenn zufällig der Oberste Herrscher auch zu den Begabtesten gehört, man blicke zB nach Dubai. Und sie funktionieren natürlich grausig schlecht wenn der Herrscher von bemerkenswertem Mittelmaß ist oder gar ein grausiger Dummkopf - im schlimmsten Fall hat das schon viele erschütternde große Kriege gegeben. Mittelmäßige Diktatoren ziehen leider immer auch größenwahnsinnige Schrebergärtner magisch an wodurch dann ganz großer Schaden entstehen kann. Auf deutschem Boden alleine fallen da schnell Beispiele an. Ist also vielleicht die Stärke der heutigen Demokratien jene dass einander hier extrem mittelmäßige Blöcke & Interessensgruppen gegenseitig so lähmen dass sie keinen noch größeren Schaden anrichten können?

Warum Satire stets undemokratisch sein wird
"Was darf die Satire? Alles."
(Tucholsky, Kurt)
Satire kann niemals demokratisch sein. Aufgrund der systemimmanenten Voraussetzung dass jemand Sinn für Humor (und wohl auch eine gewisse Intelligenz) mitbringen muss um sie überhaupt zu erkennen ist Satire alleine schon nicht mehrheitsfähig. Und selbst wenn Satire so ausgewogen wie nur möglich ist - nach 20 Aufsätzen hat man wohl mindestens jeden Menschen einer Gesellschaft mindestens einmal damit beleidigt. Satire kann sich daher nur undemokratrisch entwickeln. In Diktatoren werden die Ironiker stets zuerst erschossen. Vielleicht ist also Satire eine Form von Anarchie in Gesellschaften wo die Humorlosen das Sagen haben?
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Weitere Artikel zu Staat, Demokratie und den ganzen Rest:
Zur Demokratie erziehen...
Bürgerschutz durch Täterschutz - visionärer als man begreift?
Wieviel Meinungsfreiheit verträgt Deutschland?

(Bild: Daveybot / Flickr / CC BY)

21.10.2007

Heimat - Resümee einer Blogparade

Roman Hanhart vulgo Yoda hatte zu einer Blogparade zum Thema Heimat geladen, und zwar nicht alle aber sehr viele sind gekommen. Etliche Autoren haben dazu sehr schöne und wohl überlegte Beiträge geschrieben, die Parade war sicherlich ein feiner Erfolg. Da auch wir einen Artikel eingereicht hatten hier noch einmal der Vollständigkeit halber einen Überblick über alle Artikel die teilgenommen hatten...


Übernommen aus dem Abschlußbericht von Yoda hier die Liste all jener Autoren und Blogs die sich an der Blogparade beteiligt haben:

inwit.de - Kartoffelmus am Sonntag und durchwachte Kieznächte - Auf der Suche nach Heimat
bluetime - Heimat und was das für mich ist
feel-better-blog.de - Was ist das und wo ist das?
Digitalgemüse - Heimat
Tivoli-Blog - Blogparade: Was ist Heimat? (1)
kopfchaos - Heimat, was ist das….?
Tivoli-Blog - Blogparade: Was ist Heimat? (2)
Lebensblog - Hat jeder eine Heimat? – Ich auch?
Herbaversum - Kräuter Zauber Blog - Waldweibleins Heimatgedanken
Spaghetti mit Knödel - Heimat, da tun wir uns doch leicht, oder?
Gedanken eines Fliegenden - Auch ein Ausländer
Goggiblog - Wo ist mein Herz?
Volldoll - (m)ein Blog - Lyriksplitter - Heimat, wo ist das eigentlich?
Yoda’s Blog - Heimat, wo finde ich dich?
UNTERNEUNTUPFING Aktuell - Hoamatlaund, di haun i so gern…
DER MISANTHROP - Heimat: Ein Gefühl, das gerne mit Nationalismus verwechselt wird
haze.ch - Was ist Heimat?
Schattenbewahrer - Heimat der Schatten
What really matters - Was ist Heimat?
Infomagazin - Heimat ist relativ
Nordsee-Club24 - Eine Blogparade zum Thema Heimat
henusode-blog - Heimat ist dort, wo Du Deinen Ärger hast
Duckhome - Wer möchte nicht gerne eine Heimat haben
Reflections - Heimtland Schweiz
schlagloch - Heimat . Erde
Das Subjektive - Heimat bedeutet Strom
49 suns - Wo kommst Du her?
bloggin’ chm - Live vom Axalphorn
Ja gut, aber… - Heimat
Nicht spurlos - Was ist Heimat?
Und hier noch die drei Arbeiten aus der Zusatzrunde:
Querdenker - Was ist Heimat? Betrachtungen…
Zeitsturz - Blogparade: Was ist Heimat?
ge-bloggt.de - Heimat…die Nachzügler Runde

Romans Abschlußbericht findet sich hier.

(Bild: onda / stock.xchng / Royalty free)

20.10.2007

Die Umwelt kindgerecht behandeln

Außerordentlich begabte Künstler enden oft vereinsamt im Drogenrausch, hochintelligente Forscher vergammeln früher oder später in einem Wissenschaftlerghetto, geniale Denker enden nicht selten isoliert wie anatomische Präparate - nämlich im Alkohol. Ein komplexer tiefgründiger Verstand ist keine Gnade sondern eine Bürde - und wer nicht lernt seiner Umwelt kindlich genug zu begegnen wird bald kein soziales Umfeld mehr haben...

Aus der Forschung lernen
Wie die Stuttgarter Zeitung jüngst unter der Schlagzeile Doping fürs Kinderhirn berichtete wollen Experten der psychiatrischen Uni-Klinik zu Göttingen herausgefunden haben dass Märchen bei der Erziehung hilfreich wären weil sie den Kindern helfen würden Vertrauen in die Welt zu fassen. Stark vereinfachte Darstellungen und klare Charakterpositionen helfen eine komplexe Welt behutsam verstehen zu lernen.

Was für Kinder recht ist ist natürlich für Erwachsene gerade billig. Nehmen wir zB StudentInnen die zu faul sind sich ein anständiges Frühstück zu machen und stattdessen Babynahrung aus dem Glas löffeln. Schon in der UN-Menschenrechtskonvention ist das Grundrecht auf Infantilität verankert, wenn ein juristisch erwachsener Mensch die Schule verlässt hat er das Privileg erworben sich für den Rest des Lebens nicht mehr bilden zu müssen, schließlich endet die Schulpflicht ab einem gewissen Alter. Menschen wollen keine komplexen und komplizierten Zusammenhänge, sondern einfache emotionale Botschaften. Und wer das nicht kapiert wird ziemlich rasch vereinsamen. Dabei könnte man täglich von vielen guten Beispielen lernen...

Von der Politik lernen
Quereinsteiger in die Politik, insbesondere wenn sie zuvor von einer staatlichen Forschungseinrichtung kamen, machen meist denselben Fehler: sie sprechen mit ihren potentiellen Wählern und den Medien genauso wie sie im Hörsaal gesprochen haben. Und bereits dort ist jeder eingeschlafen, und die wenigen die wach blieben haben kein Wort verstanden von dem was vorgetragen wurde (bis auf den/die QuotenstreberIn die dem Vortragenden bis zum Ende des Studium wie ein Blutegel am Hals hängt). Professionelle Politiker hingegen haben den Dreh raus wie man Wahlen gewinnt, nämlich durch Erzählung von kindgerechten Märchen. Dazu braucht es ein klar umrissenes Gut/Böse-Schema, ja nicht zu kompliziert, kurze knackige Worte wogegen man sein muss, emotionaler Vortrag, und am Ende muß das Gute siegen. Und das Gute ist natürlich immer die jeweilige Partei, Gesinnung oder der jeweilige Politiker. Und komplizierte Fakten (wie man zB ein Wahlversprechen im Detail finanzieren will) haben in Märchen nichts zu suchen. Im klassischen Märchen kommt das Geld aus dem Goldesel, im realen Märchen halt vom Staat. Das muss als verdichtete kindgerechte Information reichen.

Von den Massenmedien lernen
Auch die Massenmedien machen uns täglich vor wie man seine Leser, Hörer, Zuseher kindgerecht bedient. Sonst wären es ja auch keine Massenmedien sondern Konkursmedien. Es fängt bei den Schlagzeilen an. Kindgerecht sind zB "Bush frisst kleine Kinder", "Britney Spears von ihrem Hund schwanger" oder "Klinsmann bald Trainer von Ferrari?". Absolut daneben ist z.B. "Die soziokulturellen Interferenzen der Flatulenz im albanischen Kleinbürgertum des 13.Jh mit den Anbaumethoden kirgisischen Kunstrasens im normativen Spiegel der dialektischen Neomoderne." Gewiß ein hochspannendes Thema, aber auf keinem Fall kindgerecht. Und zum Generationenvertrag gehört auch dass sich die Altvorderen möglichst lange so benehmen wie ihre Nachzucht, in jeder Hinsicht.

Vom Spitzensport lernen
Gerade im Spitzensport ist Kindgerechtheit Grundbedingung um gerade bei professionellen Mannschaftssportarten als Trainer überhaupt noch arbeiten zu können. Aufgrund der heute häufig vielen Legionäre in Teams werden in einer Mannschaft üblicherweise dutzende verschiedene Sprachen gesprochen, keine davon die des Trainers oder des Landes wo der Verein seinen Stammsitz hat. Würde zB ein promovierter Übungsleiter seinen Spielern all die Komplexitäten des sagen wir Basketball-, Handball- oder Fussballsports in akademisch angemessenen Worten erklären würde die Mannschaft alleine schon deshalb dauernd haushoch verlieren bloß um diesen Trainer loszuwerden. Wirklich professionelle Trainer beschränken sich auf kindgerechte Anweisungen: "Hier Ball, dort rein, und alles was hat selbes Trikot wie Du nicht foulen!" Manche Trainer greifen natürlich auch zu Märchen, z.B. wenn ein österreichischer Fussballtrainer zu seinen Kickern sagt an einem guten Tag könne man jeden Gegner schlagen.

Vor der eigenen Türe kehren
Gewiß, auch wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell haben da noch eine Menge dazuzulernen. Immer dann wenn wir zu lange Texte schreiben, zu komplizierte Pointen setzen oder gar zu tiefsinnige Themen schreiben straft uns der Leser beinhart ab, das Internet ist nunmal unfair aber ungerecht. Nichtsdestotrotz gilt die alte Weisheit wer an seinen Lesern vorbeischreibt hat bald keine mehr auch für uns. Wir geloben einsichtig Besserung...
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Weitere Artikel zum Umgang mit Mitmenschen:
Kastrationen können die Welt verbessern
Behandeln Sie Ihren Traumpartner wie ein Tier
Hat Paris Hilton ihren Knast gekauft?

(Bild: channah / stock.xchng / Royalty free)

19.10.2007

Tücken der kreativen Offline-Vermarktung

Wenn eine Website keine private Urschreitherapie bleiben soll dann hat das Schicksal vor die Bekanntwerdung die Vermarktung gesetzt. Online bedeutet das im Internet an vielen Stellen den Leuten gerade genau so wenig auf die Nerven zu gehen dass sie einen noch besuchen. Offline, also im realen analogen Leben, ist die Vermarktung ein wenig diffiziler. Dabei können schon auch ein paar kleinere unbedeutende Pannen passieren...

Ausgangspunkt
Offline Vermarktung war für UNTERNEUNTUPFING Aktuell ja bislang kein Thema. Also zumindest nicht in eigener Sache. Bis wir jüngst bei Österreichs Vorzeigeblogger Mag.Ritchie "Datenschmutz" Pettauer (das ist jetzt ausnahmsweise kein Scherz, es gibt tatsächlich Blogger aus Österreich, wirklich!) blätterten und dort auf die Blogparade Offline-Vermarktung von Websites und Blogs von selbstaendig-im-netz.de stießen (und uns wunderten warum die Kollegen von SIN diese Parade ausgerechnet Online starteten, da hätte man noch mutiger sein dürfen).

Da in diesem Revolverblatt zB über Wirtschaft nur schreiben darf wer das schon mal selber gemacht hat entschieden wir uns für einen Selbstversuch in der Praxis. Und versammelten ein paar örtliche Helfer die viele große Ideen und kein Geld mitbrachten. UNTERNEUNTUPFING Aktuell ist ja ein karitatives Satiremagazin, ein NoBudget-Projekt und das noch ganz am Anfang, in einer Welt wo man täglich von humorlosen Leuten auf Egotripp umzingelt ist also quasi ein nahezu unverkäufliches Produkt. Aber was nicht einen gewissen Härtegrad hat greifen wir hier traditionell gar nicht an und somit war die Aufgabe gerade richtig.

Leserkampf
Man stellt ja immer wieder verblüfft fest wie hoch die Toleranz minderprivilegierter Erwerbstätiger gegenüber Überprivilegierten ist die dafür streiken ihre Privilegien behalten zu dürfen, auf Kosten der Minderprivilegierten. Diese Toleranzwelle sollte man ausnutzen, so unser Gedanke. Also besorgten wir uns Trillerpfeifen, bastelten Transparente mit Aufschriften wie Für 31% mehr Leser! oder Weniger Postings, mehr Zugriffe!, klebten unsere Internetadresse und den Schriftzug U9TA auf Warnwesten. Es hätte so schön werden können. Bis jemand aus der Gruppe uns hinwies : "He Leute! Eigentlich haben wir in Unterneuntupfing ja gar keinen Bahnhof. Nicht mal Geleise. Schon gar keine Züge?!" Wir erkannten dass eine gute Idee auch das passende reale Umfeld braucht.

Überirdisches
Unterneuntupfing liegt in deutschsprachigen Landen irgendwo zwischen Gruezikon, Großkinkerlitz und Hintersiebenkirchen. Im ländlichen Raum, und dieses Spezifikum sollte man für konsequente Offlinevermarktung nutzen. Jemand zeigte uns einen reißerischen Zeitungsbericht wo wieder in einem Kornfeld seltsame Kreise aufgetaucht sind die vielleicht auf außerirdische Intelligenz schließen ließen (irgendwo muß Letztere ja sein, auf diesem Planeten ist sie definitiv nicht). Ja, solche Meldungen bringen Aufmerksamkeit. Also beschlossen wir in einer Nacht-Umnebelt-Aktion in ein entsprechendes Feld deutlich sichtbar unsere Insignien einzuarbeiten. Um 22:00 bei Dunkelheit ging es los. Bei Morgendämmerung hatten wir gerade mal das erste N aus UNTERNEUNTUPFING Aktuell ins Feld gemäht. Unser Projektname ist irgendwie ein beschissen langer Name für einen ordentlichen Kornkreis. Wir verwarfen die Idee.

Tierisches
Blieben aber bei unserer agrarischen Fixierung. Wenn schon nicht Flora dann muss halt Fauna als Werbeträger herhalten. Musterbeispiel die lila Kuh eines Schokiherstellers, das können wir auch, so dachten wir zumindest. Dummerweise gibt es aber im ganzen Landkreis keine Kühe, nichtmal Zebras, sondern nur Ziegen. Ziegen sind übrigens was Bodypainting betrifft besonders während der Paarungszeit nicht übertrieben kooperative Tiere. Also wichen wir auf einen benachbarten Fischteich aus. Und machten die Erfahrung dass frische Farbe auf Fischen unter Wasser nicht sehr lange hält, leider. Brennt man die Internetadresse mittels Branntzeichen auf die Fischhaut ein reagieren die meisten Fische ein wenig letal darauf und eignen sich anschließend nicht mehr als schwimmender, sondern nur mehr als einmalig tauchender Werbeträger. Wir trennten uns von dieser nicht so effektiven Idee, schweren Herzens.

Über Zielgruppen nachgedacht
Und konzentrierten uns wieder auf Menschen. Eigentlich produzieren wir hier ja völlig am Geschmack der heutigen Massen vorbei, viel zu lange Texte, keine nackten Tatsachen, keine witzigen fremden Videos. Also sollten wir besonders Menschen suchen die viel Zeit haben, worauf wir ins örtliche Seniorenheim pilgerten. Dort wurden wir freudig empfangen, verteilten unsere Visitenkarten und wenn die Pfleger wegschauten homöopathische Medizin (Hausgebranntes) und bekamen ein Menge abgefahrener Geschichten erzählt die genauso wirr sind wie das Zeuchs das wir hier schreiben, nur dass die dortigen Menschen sie ernst meinten. Zwei Wochen nach der Aktion hatten sich unsere Leserzahlen absolut nicht verändert. Im Gespräch mit der Heimleitung erfuhren wir warum: 50% der Insassen hatten schon am Abend vergessen dass wir überhaupt da waren und wer wir sind, 40% hatten unsere Visitenkarten verlegt, 8% sahen bereits so schlecht dass sie nicht mal barrierefrei surfen könnten und die restlichen 2% dürfen nicht mehr an die einzige Internetstation im Heim weil sie darauf dauernd mature porn guckten. Wir lernten daraus dass man vor jeder Aktion zuerst mit dem Menschen sprechen sollte der noch am besten hört.

Liebe geht durch den Magen
Gottseidank hatten wir ja unsere Johanna. Das Hannerl hat in der großen Stadt zu studieren begonnen und dort in den Chinarestaurants nicht nur das übliche als Pikantes Rindfleisch süß-sauer feilgebotene Katzenfutter entdeckt, sondern auch die chinesischen Glückskekse. Prima Idee dachten wir, und da Johanna auch gut backen kann warfen wir den Laserdrucker an, druckten darauf kleine Zettel mit unserem Projektnamen und der Internetadresse und Johanna buk was der Ofen hielt. Aber man soll den Teig nicht vor dem Abend loben. Mit einem großen Korb dieser Kekse und viel Hoffnung schickten wir sie ins benachbarte Obergroßkopfing. Und völlig verheult kam die Gute wieder zurück. Sie berichtete die Leute hätten die Kekse alle verschlungen. Im Ganzen. Und meinten die Kruste wäre schön knackig, aber die Füllung schmecke ein wenig holzig. Wir mussten zur Kenntnis nehmen dass Obergroßkopfing einfach noch nicht bereit war für chinesische Glückskekse, was für ein Pech.

Fazit
Wo der Hase im Pfeffer liegt ist nicht immer auch der Hund begraben. Und solange nicht alle Eulen nach Rom führen sollten man im Glashaus nicht Spatzen aufs Dach werfen. Aller Unfug ist schwer, das haben wir herausgefunden. Nichtsdestotrotz, Offline Vermarktung von Web Diensten ist ein spannendes Thema. Und sobald wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell ausreichend groß geworden sind werden wir es wieder versuchen. Vielleicht ein wenig professioneller, aber nicht minder enthusiastisch...

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Weitere Artikel zur Vermarktung von Webdiensten:
«Wir pushen jeden Web 2.0 Dienst in die Gewinnzone...»
10 Merkmale anhand derer Sie im realen Leben einen Webmarketingprofi erkennen
SEO - Trashkulturlegende von morgen?

(Bild: lazydaisy / Stock.xchng / Royalty free)

18.10.2007

Beschimpfen Sie Ihre Arbeitskollegen ausreichend!

Bild zum BeitragSind Sie immer noch der altmodischen Ansicht die Sitten heutzutage seien verrottet und Tugenden wie Höflichkeit, Respekt und gegenseitige Rücksicht sollten nicht nur das Arbeitsleben prägen? Dann lassen Sie sich schleunigst frühpensionieren, mit Ihren veralteten Einstellungen sind Sie keinesfalls teamfähig. Nun auch wissenschaftlich bestätigt...

Teamfähigkeit durch Beflegelung
Das Yahoo News Portal berichtet heute anhand einer AFP Pressemeldung dass britische Forscher herausgefunden hätten dass regelmäßige Kraftausdrücke unter Kollegen den Teamgeist fördern sollten. Professor Baruch und Absolvent Jenkins seien zur Erkenntnis gekommen wer Schimpfwörter verbanne kappe eine "Schlüsselverbindung" zwischen den Angestellten und beeinträchtige so die Motivation.
Fürwahr, schlechtes Benehmen ist ein Grundrecht jedes Menschen und gehört einfach dazu sich am Arbeitsplatz so entfalten zu können wie Mama es in den jungen Jahren stets verboten hatte. Da die Wissenschaft niemals irrt machen Sie am besten gleich morgen die Stuhlprobe aufs Exempel - verfluchen Sie den Portier, sagen Sie der Zicke im Sekretariat endlich wie fett sie ist (auch wenn sie in Wahrheit magersüchtig ist, dann erst recht), halten Sie ihrem Büronachbarn seine mangelnde Körperhygiene vor und wenn sie in der Vormittagsbesprechung nicht jeden Anwesenden ausreichend beleidigen können müssen Sie ernsthaft an Ihrer Teamfähigkeit arbeiten.

Hierarchien beachten
Allerdings komme die Studie auch zum Schluß dass Sie Ihren Chef eher nicht in Ihre Tiraden zur Teamgeiststeigerung einbinden sollten. Was einerseits bitter ist, ist der Vorgesetzte (oder Personen von deren gutem Willen man abhängig ist) traditionell jener Mensch an dem sich die meisten Verwünschungen aufgestaut haben die man schon ewig loswerden will und wo man seit Jahrzehnten auf den Lottogewinn wartet um der langjährig wartenden ultimativen Abrechnung endlich Ventil und Genüge zu tun. Aber andersrum gilt natürlich der Umkehrschluß : nach nebenan und nach unten können Sie treten soviel Sie wollen. Sagen Sie also Ihren Kollegen all das was Sie schon immer für Ihren Chef reserviert hatten. Greifen Sie ruhig kräftig in den Schlammkübel, das muss die Teamfähigkeit wert sein.

Kundenbeziehung pflegen
Außerdem komme die Studie auch zum Schluß dass man ebenfalls bei den Kunden nicht so kräftig hinlangen sollte. Aber Hand aufs HartzIV, die Studie wurde in England verbrochen und nicht in deutschsprachigen Landen. Da laufen die Stechuhren anders. In Deutschland z.B. ist der Kunde Streiks und Servicewüste so gewöhnt dass er lausige Behandlung sogar erwartet. Wer zu seinen Kunden freundlich ist erweckt sofort tiefstes Misstrauen, das kann schnell eine Geschäftsbeziehung zerstören. Gehen Sie daher mit einem Kunden so um wie mit einem lieben Kollegen - verdeutlichen Sie ihm ganz ehrlich wie sehr Sie ihn verabscheuen weil er Arbeit verursacht, wie unverschämt seine Kundenwünsche sind und dass Sie seine Visage nicht ausstehen können. Der Kunde wird Ihre ehrlich und offene Art mögen, dass stärkt sicherlich die Bindung zum Kunden.

Außerberufliche Partnerschaften
Was im Beruf recht (oder link, seien wir wie immer unparteiisch) ist ist für alle sonstigen Teams und Gemeinschaften nur billig. Wie oft hörten Sie schon in einem Sportinterview von den Verlierern dass sie am Platz nicht genug miteinander geredet hätten? Wie oft hört man den Rückblick von Geschiedenen die behaupten man hätte in der Ehe zu wenig miteinander geredet? Und wieviele Singles wissen beim (ersten) Date nicht was sie sagen sollen (weil sie das erste Mal nach ein paar einzeiligen Mails oder ein paar SMS wieder Inhalte von sich geben sollten die länger als 150 Zeilen sind)? Eben, stärken Sie den Zusammenhalt Ihrer Sportmannschaft indem Sie Ihren Mitspielern endlich mal vorhalten wie stümperhaft sie mit dem Ball umgehen. Gewonnen und verloren wird als Team, und wenn Sie Einzelsportler sind dann beschimpfen Sie sich halt selber. Beginnen Sie Ihr Date mit allem was Sie am Gegenüber stört, damit bauen Sie wirklich eine fundierte Bindung die auch noch hält wenn man das SMS geschickt hat mit dem man die "Beziehung" beendet hatte.

Kraftlos
Nach Bekanntwerden der oben genannten Studie haben uns von UNTERNEUNTUPFING Aktuell arge Zweifel befallen. Gilt hier zum Beispiel im Kommentarteil striktes Streit- und Beleidigungsverbot um unsere lieben Gäste nicht zu stören. Und auch sonst pflegen wir mit unseren werten Freunden im Unterneuntupfinger Umland betont freundlichen und hilfsbereiten Ton. Nun sollte das alles umsonst und gar kontraproduktiv gewesen sein? Sollten wir fortan der Welt nicht mehr mit spitzer Feder sondern mit dumpfem Hammer begegnen? Ist das vielleicht der Grund warum Blogs & Magazine die nur fremde Tittenbilder oder politisches Gezänk bieten mehr Leser haben als wir? Wir werden das mit unserem irischen Therapeuten John Jameson in einer ausgiebigen Sitzung wohl zu besprechen haben...

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Weitere Artikel zur Arbeitswelt und dem richtigen Umgang miteinander:
Warum Sie in der Arbeit von 100% Schurken umzingelt sind
Komplimente richtig gemacht
Behandeln Sie Ihren Traumpartner wie ein Tier

(Bild: dkg / stock.xchng / Royalty free)

17.10.2007

Novemberblues im Schlafzimmer

Novemberblues? Sie werden sicherlich zurecht einwenden dass dieser in unserer schnelllebigen Zeit bereits im Jänner beginnt, gleich mit den Schokohasen für das übernächste Jahr. Besonders in den Schlafzimmern da draußen. Also dort wo darin noch Paare wohnen. Es scheint wieder mal bereits sehr ernst zu sein, weil dieser Tage die Presse besonders gehäuft darüber berichtet, über erkühlte Leidenschaften die Leiden schaffen...

Ballung
Es gibt Tage da überfliegen Sie als Redakteur ihr Pressespiegelpult und sehen nicht nur die Fnords, sondern auch dass da irgendwie gleichzeitig eine Menge Artikel am selben Tag erschienen sind da draußen die auf den ersten Blick eigenständig sind, aber bei näherer Betrachtung gehören sie alle zur selben Geschichte, und da man quer durch den deutschsprachigen Raum unter verfeindeten Medien nicht wirklich von einer Absprache ausgehen kann muss wohl eine geheimnisvolle Macht dahinter stehen. Heute wohl der Dämon zwischengeschlechtlicher Lustlosigkeit. Vermutlich auch gleichzeitig zuständig für Kopfschmerz und Fluchtwillen.

Wenn wenigstens noch die Frau will
Beginnen wir beim Presserundblick in der Schweiz. Der eidgenössische Fixstern im hochseriösen Blätterwald Blick ergreift das Thema am Schaft : was tut Frau wenn ihre angetraute Schnarchnase lahmt? Nun, da der Artikel ein wenig dünn ist und alte Sitten unserer Urahnen heute ein wenig geächtet werden (einer der beiden nimmt eine Keule und schleift den anderen an den Haaren in die Höhle) wollen wir von UNTERNEUNTUPFING Aktuell ernüchternd feststellen: wer ER feststellt dass unter all den Dingen die IHN nerven SIE noch das größte Übel ist, oder wenn SIE feststellt dass ER sich verabschiedet hat von allen Mindesterfordernissen menschlicher Hygiene dann hilft jeweils nur mehr rohe Gewalt. Oder gibt es doch Hoffnung?

Sollte man den Partner ändern...
Genau am selben Tag erscheint beim Web.de Portal ein Artikel der sich genau damit auseinander setzt. Die meisten (erfolglosen) Paare beschäftigten sich nämlich sobald die erste große Liebe erloschen ist (also vermutlich kurz vor dem ersten Date das über eine Internetplattform zustande gekommen ist) hauptsächlich damit den anderen Partner so hinzufeilen dass er zu dem passt was man an sich selber natürlich absolut nicht ändern will, schließlich will man ja keinen Partner der einen dauernd ändern will. Vermutlich ein Misserfolgsgeheimnis vieler erfolgreicher Dauersingles. Wodurch man aber auch ehrlich zugeben muss - bei Dauersingles findet der Novemberblues nicht im Schlafzimmer statt, dem Schicksal sei gedankt für die allerkleinste Gnade.

...oder liegt es doch am Licht...
Den Partner zu ändern ist also eine eher mühsame Sache. Wie wäre es mit neutraleren Dingen in der geschlechtlich demilitarisierten Zone dazwischen. Vielleicht liegt es ja am Licht? Zumindest legt hier das Portal Web.de ebenso heute nahe sich im Schlafzimmer mit der richtigen Beleuchtung auseinander zu setzen, damit aus Feng Shui kein Fang Pfui wird. Allerdings auch ein heikles Unterfangen, Männer und Frauen sind da sehr unterschiedlich gepolt. Man sagt Männer brauchen die visuellen Reize, Frauen bevorzugen es lieber dunkler um ihre Unsicherheiten in Bezug auf ihr Äußeres zu kaschieren. Wenn Sie somit als Mann gerne Licht haben weil Sie sehen wollen wo Sie hinferkeln wird Sie die Dame der Unromantik zeihen, dunkeln Sie als Mann ab erwartet Sie der Vorwurf Sie wollten Ihre häßliche Partnerin nicht mehr sehen als unbedingt nötig. Paarungsverhalten ist nicht immer eine (auch intellektuell) lichtvolle Angelegenheit.

...oder sind es andere Dinge die nerven?
Wie auch immer, verfallen Sie bloß nicht in sinnlose Selbstreflexion wenn der Blues über die gemeinsame (Bei-)Schlafstätte hereinbricht, es liegt immer am anderen. Vielleicht lernen Sie die Macken des anderen zu lieben wenn schon das Ändern (siehe oben) nicht klappt? Zumindest schlägt das T-Online Portal dies in einem ebenso heute erschienenen Artikel vor. Oder quälen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner einen Paartherapeuten, das kostet zwar ein wenig, aber damit geben Sie auch Menschen eine Erwerbschance die sich deshalb um das Leid anderer kümmern weil sie mit ihrem eigenen Leben nicht zurecht kommen.

Unwucht zu Beispiel?
In nicht wenigen Beziehungen erlahmt die gegenseitige Attraktion auch daran dass das nicht ganz so gesunde Leben äußerlich nicht wegzuleugnende Spuren hinterlassen hat. Richtige Ernährung und ausreichend Bewegung, dazu bleibt nun mal gerade in einer Beziehung keine Zeit in der nichtmal mehr durch Sex Kalorien verbrannt werden. Was den Novemberblues noch verstärken wird, ebenfalls heute wird mit einem weiteren hoffnungsvollen Gerücht aufgeräumt : Fleisch und vor allen Fett (zumindest das um die Hüften) lösen sich doch nicht wirklich in Cola auf (das T-Online Portal berichtet), mensch kann Fett also nicht wegtrinken. Bleibt doch nur Sport, Wundermittel oder sich damit abzufinden dass die Paarung im eigenen Schlafzimmer immer mehr an das Liebesspiel von Seekühen erinnern wird?

Dann eben kinderlos
Vermutlich gucken die Menschen aber auch einfach nur zu viel fern und erwarten vom jeweiligen Partner Sexualleistungen die heute niemand mehr imstande ist regelmäßig zu erbringen. Möglicherweise um ein wenig wieder in die richtigen Bahnen zu lenken legt das T-Online Portal noch einen nach: es sei gar nicht Ungewöhnliches sich eben für ein Leben ohne Kinder zu entscheiden. Und da kann man ja gleich auch auf jenen Prozeß verzichten der die Fruchtfolge überhaupt erst hervorbringen kann?

Bloggerblues
Galt früher der alte Spruch "Haben Sie noch Sex oder spielen Sie bereits Golf?" so muss man wohl heute Golf durch Bloggen ersetzen. Und auch in dieser Welt mehren sich die Beiträge der Art "Irgendwie macht Bloggen keinen Spaß mehr", "Heute fällt mir nichts ein.", "Liest ja sowieso niemand" oder "Bloggerhype neigt sich dem Ende". Der Novemberblues hat vermutlich im Schlafzimmer nur seinen Ausgang und zieht sich dann ins Arbeitszimmer und in die Büros weiter fort, wie eine unsichtbare Seuche...

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Internationaler Weltidiotentag
Saisonal abhängige Blödheit
Komplimente richtig gemacht

(Bild: Mickybrain / stock.xchng / Royalty free)